Wegweisendes Urteil gegen Überteuerung

Sind teure Tickets jetzt Geschichte? Deutsche Kultband zwingt großen Händler in die Knie

Überteuerte Tickets sind Musikfans ein Dorn im Auge. Viagogo ist daran nicht unschuldig - und wurde nun von einer Kultband vor das Münchner Landgericht gezogen.

  • Bei dem Tickethändler Viagogo finden Fans oft Wucherpreise vor. 
  • Die hohen Eintrittspreise verärgern nicht nur Künstler und Musikfans.
  • Die Band „Die Ärzte“ erreichen eine einstweilige Verfügung vor dem Münchner Landgericht.

München - Es ist unbestritten: „Die Ärzte“ genießen in Deutschland Kult-Faktor. Dementsprechend groß war die Freude bei den Fans, als bekannt wurde, dass die Combo um Frontmann Farin Urlaub Ende 2020 eine große Deutschland-Tournee aufzieht. 

Ein einziges Konzert dieser Eventreihe findet nicht hierzulande statt, sondern in Zürich - und mit einem bekannten Unternehmen der Schweiz haben sich „Die Ärzte“ eine gerichtliche Auseinandersetzung geliefert: Viagogo.

Hierbei handelt es sich eigenen Angaben zufolge um den führenden Marktplatz für Onlinetickets bezüglich Sport-, Musik- und Unterhaltungs-Events. Zum Unmut vieler Konzertbesucher ist der Internet-Händler von Eintrittskarten auch für seine für den Verbraucher undurchsichtige, überteuerte Preispolitik bekannt.

Überteuerte Tickets: „Die Ärzte“ erreichen einstweilige Verfügung

Viagogo fungiert als Zwischenhändler, Tickets gibt es auf dem Portal oftmals nur zu einem viel höheren Betrag zu kaufen als beim Originalpreis veranschlagt. Dabei ist diese Entwicklung unzulässig, gibt es doch ein Weiterverkaufsverbot der Tickets ab Zuschlägen von 25 Prozent.

Portale wie Marktwaechter.de schildern, dass bei Viagogo schon kurz nach Beginn eines Kaufprozesses Tickets zu deutlich höheren Preisen angeboten würden (rund 31 Euro mehr als die jeweils günstigsten Karten). In extremen Fällen können Tickets sogar das Achtfache des eigentlich veranschlagten Preises kosten. Eine entsprechende Auswertung handelt von April und Mai des vergangenen Jahres.

Vor dem Landgericht München I haben „Die Ärzte“ gegen den Zweitanbieter nun einen Erfolg erzielt, der auch ein Sieg für Konzertbesucher darstellt: Unter Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250.000 Euro oder ersatzweise Ordnungshaft (bis zu sechs Monate) erhielt Viagogo ein gerichtliches Verbot, unzutreffende Originalpreise bei Verkaufsangeboten von Tickets für Konzerte von den „Ärzten“ abzubilden.

Zwei Drittel der Band "Die Ärzte": Bela B. und Farin Urlaub (v.l.).

Die Klage hatte die beliebte Band gemeinsam mit dem Tourneeveranstalter KKT und dem Ticketanbieter OPM in die Wege geleitet. KKT-Chef Kiki Ressler sagte im Anschluss: „Angesichts der falschen und oft horrenden Ticketpreise auf Viagogo war ein schnelles Vorgehen gegen diesen Anbieter jetzt aber erforderlich. Andere Verfahren gegen den Anbieter zeigen, dass es einen langen Atem braucht, um gerichtliche Erfolge durchzusetzen. Wir appellieren daher schon jetzt an alle Fans, derartige Angebote zu überteuerten Preisen zu ignorieren“, berichtet die Musikwoche.

„Die Ärzte“ verklagen Viagogo: So reagiert der Ticket-Unterhändler

Das Unternehmen KKT und „Die Ärzte“, die ihren Fans vor einigen Monaten einen großen Schock bereiteten, verschreiben sich schon länger dem Kampf gegen den Schwarzmarkthandel von Eintrittskarten. Hierbei wird auch auf die Dienste einer auf das Thema spezialisierten Anwaltskanzlei gesetzt.

Schon seit Jahren ärgert sich die Branche über Viagogo, wo häufig nicht nachvollziehbare Wucherpreise kursieren. In vielen Fällen sind die angebotenen Karten auch noch ungültig, weil sie personalisiert sind und den neuen Kartenbesitzern somit nichts nutzen.

Was sagt Viagogo zu dem Urteil in München? Dem Rolling Stone zufolge ließ das Unternehmen im Anschluss ein Statement zukommen. Dort ist unter anderem die Rede vom „primären, zunehmend wettbewerbsfeindlichen Ticketmarkt“. Deshalb seien „sekundäre Ticketing-Plattformen wie Viagogo notwendig, um sicherzustellen, dass die Verbraucher sich nicht an den Schwarzmarkt oder unseriöse Händler wenden müssen.“ Somit empfindet sich das Unternehmen selbst offenbar als Kämpfer gegen den unerlaubten Handel mit Eintrittskarten...

Tickets im Internet: Viagogo vereinbart Milliardendeal mit Ebay

Dass es die Schweizer Plattform Viagogo zu ordentlichem Reichtum gebracht hat, davon zeugt ein Deal von Ende 2019: Von der Online-Handelsplattform Ebay wurde die Internet-Ticketbörse Stubhub aufgekauft - für eine stolze Summe von umgerechnet rund 3,68 Milliarden Euro. Die Finalisierung der Übernahme wird im ersten Quartal 2020 vollzogen, vorbehaltlich noch ausstehender Genehmigungen von Aufsichtsbehörden.

Die Veranstalter der „Ärzte“-Tour warnen bereits seit geraumer Zeit ausdrücklich vor Händlern wie Viagogo und anderen Anbietern wie Ticketrocket oder Ticketbande. Hier gibt es alle Infos dazu - und der großen „Ärzte“-Tournee 2020.

PF

Rubriklistenbild: © dpa / Kirsten Neumann

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