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Soll der Castroper Marktplatz nach dem Satiriker Martin Sonneborn benannt werden? "Die Partei" wünscht sich das.

Bürgerbegehren in Castrop-Rauxel

Sonneborn-Platz? 4000 Unterschriften sind nötig

CASTROP-RAUXEL - Aus dem Marktplatz in Castrop-Rauxel soll der "Martin Sonneborn Parkplatz" werden. Eine satirische Idee der Partei "Die Partei", aus der Ernst werden könnte: Denn ihren Antrag auf ein Bürgerbegehren hat die Gruppe jetzt durchgesetzt. Dazu müssten allerdings 4000 Castrop-Rauxeler unterschreiben. Und es gibt weitere Hürden.

Als Satire muss man es verstehen, aber Satire ist bei „Die Partei“ immer in ein Kleid von Ernsthaftigkeit gehüllt: Die Ortsgruppe der Partei „Die Partei“ hat ihren Antrag für ein Bürgerbegehren durchgesetzt. Das heißt: Jetzt startet ein Bürgerbegehren mit dem Ziel, den Marktplatz in der Altstadt in Martin Sonneborn Parkplatz umzubenennen.

Das ist ungewöhnlich, denn laut dem Verein „Mehr Demokratie“, der sich für Bürgerentscheide und -begehren stark macht, ist es das erste satirisch angelegte Bürgerbegehren in Deutschland überhaupt.

„Die Aktion erinnert ein wenig an die Bürgermeister-Kandidatur des Satirikers Jón Gnarr in Reykjavík“, sagte Landesgeschäftsführer Alexander Trennheuser jetzt. Gnarr war von 2010 bis 2014 Bürgermeister der isländischen Hauptstadt. Seine „Beste Partei“ stellte mit 34,7 Prozent der Stimmen damals sogar die stärkste Fraktion im Stadtrat.

Zu Gnarrs Wahlversprechen gehörten offene statt heimliche Korruption, kostenlose Handtücher in allen Schwimmbädern und ein Eisbär für Reykjavíks Zoo. In seiner Amtszeit entstand die Online-Bürgerbeteiligungsplattform „Besseres Reykjavík“.

Die Partei: Globuli soll den Marktplatz retten

So weit ist es in Castrop-Rauxel noch lange nicht. Nach dem großen Volleyballturnier, meint Marcus Liedschulte aus dem Ortsverband von „Die Partei“, werde es wieder die üblichen Probleme mit Fettflecken auf dem teuren Pflaster geben, welches sich die Stadt vom Hersteller habe andrehen lassen.

Der EUV habe sich damit einen ordentlichen Bären aufbinden lassen, der mal eben 25.000 Euro Mehrkosten verursacht habe. „Als sehr gute Partei haben wir versucht, das Problem mit den Fettflecken auf dem neuen Pflaster anders anzugehen“, so Liedschulte.

Man habe das parteieigene Labor bemüht, heißt es in einer Pressemitteilung. Dort seien zwei verschiedene Globuli entwickelt worden, die man einmal in der Woche auf dem neuen Pflaster verteilen müsse. Automatisch werde die Luft über dem Pflaster bis in 100 Metern Höhe von Stickoxiden befreit – und die Fettflecken wanderten nach Henrichenburg aus.

Unsinn, das ist klar. Aber das Bürgerbegehren ist kein Unsinn: Sollte es genügend Unterschriften geben – und hier braucht es die von sechs Prozent der deutschen und EU-Bürger in der Stadt ab 16 Jahren, also rund 4000 Personen –, müsste anschließend der Stadtrat über das Vorhaben abstimmen. Käme es hier zu einer – erwartbaren – Ablehnung, gäbe es einen Bürgerentscheid.

Umbenennung würde 2100 Euro kosten

Die Verwaltung gab zu diesem Vorhaben eine Kostenschätzung ab: 2100 Euro würde eine Umbenennung kosten, wie der Unterschriftenliste zu entnehmen ist. Die Kosten und den Aufwand für Adressänderungen der Anwohner und Firmen müsste jeder Betroffene selbst tragen.

Und warum das Ganze? „Der Castroper Marktplatz wurde von der Stadt trotz teurer Neugestaltung zu einem reinen Parkplatz umgewandelt“, heißt es in der Begründung. „Daher ist der bisherige Name Marktplatz irreführend. Um dieses Husarenstück der Lokalpolitik ausreichend zu würdigen, haben wir einen großen Satiriker als Namensgeber ausgewählt“, so „Die Partei“.

Eine Umnutzung als Marktplatz sei jederzeit möglich, da dieser auch auf einem Parkplatz durchgeführt werden könne.

Das ist Martin Sonneborn

Sonneborn war Chefredakteur der Satire-Zeitschrift "Titanic". 2004 gründete er mit anderen Redakteuren zusammen "Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative" - kurz: "Die PARTEI". Seit der Europawahl 2014 sitzt der Satiriker und Partei-Bundesvorsitzender im Europäischen Parlament. Vorher war er häufig im Fernsehen zu sehen - unter anderem als bissiger Straßen-Reporter der „heute Show“ im ZDF.

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