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Ursula Hülsmann schließt zum Jahresende das Biesenkämpchen. Ihre treuen Kundinnen und Kunden werden das besondere Lädchen vermissen.

Alteingesessenes Geschäft

Aus für das Biesenkämpchen in Castroper Altstadt

CASTROP - Schon wieder verliert die Castroper Altstadt ein alteingesessenes Geschäft - eines mit einem ganz besonderen Charme. Das Biesenkämpchen, in dem es seit Jahrzehnten Deko, Schmuck oder kleine andere Nützlichkeit gab, schließt zum Jahresende. Dabei hat es Geschichte geschrieben.

Seit 1872 ist das Haus im Besitz der Familie von Ursula Hülsmann. Ihr Vater Josef Koers war damals mit seinen Eltern von Werne an der Lippe in unsere Stadt gezogen. Seitdem ist das schmucke Fachwerkhaus unweit der Lutherkirche ihr Zuhause.

Seit 37 Jahren Inhaberin

Vor zwei Jahren konnte Ursula Hülsmann, jetzt mittlerweile 80 Jahre alt, das 35. Geschäftsjubiläum feiern. Ihr eigenes Jubiläum, denn das väterlicherseits betriebene Geschäft für Belichtungskörper und Kleingeräte ist längst Geschichte. So wie die große Abrisswelle der Stadt, die in den 50er-Jahren die Fachwerkhäuser am Biesenkamp fortriss – bis auf die Hausnummer 8.

Wo die dreifache Mutter und sechsfache Oma ein Paradies geschaffen hat für alle Menschen, die handgearbeitete Dinge mögen und ein originelles Geschenk suchen. Egal ob Deko, Schmuck oder eine kleine andere Nützlichkeit.

Entstanden als Idee übrigens, als sie selbst für einen Basar des Kindergartens ihrer Kinder bastelte. Und gefragt wurde, ob sie nicht mehr fabrizieren könnte. Jetzt also die Zäsur: Ende dieses Jahres ist Schicht. „Ich denke ans Aufhören, das ist nicht so hart formuliert“, sagt Ursula Hülsmann im Gespräch mit unserer Redaktion. Und ja, es sei der fehlende Umsatz. „Ich musste ja immer zubuttern“, sagt sie mit einem leichten Schulterzucken. Ihre Kinder hätten sie schon getröstet. Mit dem Satz „Andere haben teurere Hobbys.“

Gespräche gehören dazu

Es sei aber auch das Alter. „Ich merke schon, dass ich 80 bin“, sagt sie. Sie ist sich sicher, dass ihre Stammkundinnen und -kunden sie vermissen werden. Weil es eben nicht nur um den Besitzerwechsel eines kleinen Holzautos oder einer besonderen Kerze ging, sondern immer auch ein kleines Gespräch dazugehörte. Wie viele Artikel sie im Laden hat, das ist eine Frage, auf die sie immer noch keine Antwort hat. In einem Schränkchen schweben allein über 100 Engel von Wendt und Kühn. „Dem Mercedes unter diesen Herstellern“, sagt Ursula Hülsmann.

Selbstredend gibt es auf alle Artikel, die sie verkauft, Prozente. Minus 30. „Ich glaub‘ nicht, dass ich ein Teil mehr verkaufe, weil ich zumache“, erklärt sie. Was passiert mit dem Haus? Die beiden Räume vom Biesenkämpchen bleiben einfach dicht. „Darauf kann ich verzichten, ist ja Platz genug“, sagt die 80-Jährige. Die Sachen würden weg- und eingepackt, damit sie nicht einstaubten. Und vielleicht gebe es doch noch ein Comeback.

Friseur macht Hoffnung

Nächstes Jahr im Herbst und in der Vorweihnachtszeit. „Da habe ich immer die meisten Kunden gehabt“, sagt Ursula Hülsmann. Die auch ein bisschen Wehmut packt, als sie von einem Mann erzählt, der mit seinem Kind die Treppe hochkam, „und sich riesig gefreut hat, dass es uns noch gibt“, sagt sie. Er habe ihr erklärt, dass er mit seiner Mama immer hergekommen sei.

Wo Schatten ist, gibt es aber auch Licht. Das Friseurgeschäft Kopfsalat, das vom Brückenweg weg wollte, bleibt dort und eröffnet sogar einen zweiten Salon am Neuroder Platz auf Schwerin. „Der Hausbesitzer ist uns mit der Miete so entgegengekommen, weil er uns unbedingt hierbehalten wollte und nicht etwa an einen Ein-Euro-Laden vermieten“, sagt Friseurmeisterin Hanife Türedi. Da hatte sie den Mietvertrag für Schwerin schon unterschrieben.

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