Der Angeklagte Ralf H. zwischen seinen Verteidigern Christian Dreier (li.) und Gencer Demir.
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Der Angeklagte Ralf H. zwischen seinen Verteidigern Christian Dreier (li.) und Gencer Demir.

Schwurgericht Dortmund

Mordprozess tritt auf der Stelle – warum das für alle Beteiligten belastend ist

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Nicole-Denise Schalla kann zurzeit nicht fortgesetzt werden. Einer laufenden Untersuchung kommt das immerhin entgegen.

Seit Dezember hat im Prozess um den Mord an der Schülerin Nicole-Denise Schalla kein Verhandlungstag mehr stattgefunden. Alle drei ursprünglich für den Januar festgelegten Termine mussten nach und nach abgesagt werden. Der Grund: Eine Richterin ist krank.

Für Strafverfahren ist natürlich gesetzlich geregelt, innerhalb welcher Fristen eine Verhandlung fortgesetzt werden muss. Noch vor Jahren wäre man am Landgericht jetzt wahrscheinlich schon langsam nervös geworden. Inzwischen aber dürfen zwischen den einzelnen Verhandlungstagen drei Wochen liegen. Und wenn bereits an zehn Tagen verhandelt worden ist, sogar vier Wochen.

Richterin ist längerfristig erkrankt

Im Fall Schalla - sie wurde vor mehr als 26 Jahren auf dem Heimweg erwürgt - ist indes auch diese Grenze fast erreicht. Das Schwurgericht in Dortmund hat jedoch Anfang Januar einen Beschluss gefasst, nach dem die Fristen zurzeit „gehemmt“ sind. Das ist möglich, wenn ein Mitglied des Gerichts längerfristig erkrankt ist. Stand jetzt muss das Verfahren also erst Ende Februar oder Anfang März weitergeführt werden.

Haare werden auf DNA-Spuren untersucht

Bis dahin dürften auch die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der nachträglich in Auftrag gegebenen DNA-Untersuchungen vorliegen. Im Dezember hatten die Richter nach nochmaligem Studium der Ermittlungsakte einen Hinweis auf 18 Haarspuren gefunden, die im Herbst 1993 am Tatort gesichert worden waren, denen aber anscheinend niemals nachgegangen wurde. Die Klebefolien mit den Haaren sind bereits im Dezember nach Münster geschickt worden, um sie auf mögliche DNA-Treffer untersuchen zu lassen.

Möglich sind drei Szenarien :

Es könnten sich weitere Hinweise finden, die darauf schließen lassen, dass der Angeklagte Ralf H. am Tatort war und etwas mit dem Mord zu tun hat.

Es könnten sich Spuren eines anderen Verdächtigen finden, dessen DNA noch nicht in der Straftäter-Datei gespeichert wurde.

Und natürlich könnten die Wissenschaftler auch kapitulieren müssen und sagen: Nach so langer Zeit sind diese Spurenträger einfach nicht mehr auswertbar.

Angeklagter aus Castrop-Rauxel bestreitet die Tat

Tatsache ist, dass der Angeklagte aus Castrop-Rauxel vom ersten Tag an bestreitet, der Mörder der damals 16-jährigen Schülerin zu sein. Immer wieder hat er im Prozess seine Unschuld beteuert und dabei mehr als nur einmal auch die offene Konfrontation mit dem Gericht gesucht. Voreingenommen und parteiisch seien die Richter, so sein Vorwurf. Und: „Ich sitze seit anderthalb Jahren in Untersuchungshaft für etwas, das ich nicht getan habe.“

Die aktuelle Situation empfindet Ralf H. als belastend und zermürbend. So sagt es sein Verteidiger Christian Dreier. Und mit diesen Gefühlen ist der Angeklagte natürlich nicht allein. Auch die Eltern der getöteten Schülerin leiden unter der Verzögerung, wie ihre Rechtsanwältin Arabella Pooth sagt. Pooth: „Sie wollen natürlich, dass das Verfahren abgeschlossen wird.“

Eltern schauen dem mutmaßlichen Mörder in die Augen

Für die Eltern sei es ohnehin schon schwierig, seit über einem Jahr regelmäßig dem Mann in die Augen zu schauen, der mutmaßlich für den Tod ihrer Tochter verantwortlich ist. Jetzt aber von Woche zu Woche aufs Neue mitgeteilt zu bekommen, dass die Verhandlung nicht fortgesetzt werden könne, mache die Sache noch anstrengender.

Bislang hatten die Richter vor, das Verfahren am 22. Januar abzuschließen. Weitere Termine sind mit keinem Prozessbeteiligten abgesprochen. Das wird auch alles andere als einfach ablaufen. Wahrscheinlich ist, dass es nach der Rückkehr der erkrankten Richterin mehrere kurze Termine geben wird, weil nicht immer alle Beteiligten den ganzen Tag Zeit haben.

Martin von Braunschweig

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