Arbeitsmarkt

Von der Hilfskraft zur Fachkraft: Arbeitsagentur hilft bei Einzelumschulung im Betrieb

Die Arbeitslosenquote in Castrop-Rauxel ist gering. Dennoch gibt es kaum Fachkräfte. Die Agentur für Arbeit bietet Arbeitgebern jetzt eine Chance, das Problem an der Wurzel anzupacken.

Der Fachkräftemangel in Handwerk und Pflege ist ein akutes Thema - auch bei uns. Die Agentur für Arbeit bietet Arbeitgebern eine Chance an, dieses Problem direkt an der Wurzel anzupacken: im eigenen Betrieb.

"Trotz einer erfreulich niedrigen Arbeitslosigkeitsquote gibt es kaum noch qualifizierte Fachkräfte", sagt Sandra Breidenbach, Ansprechpartnerin für Arbeitgeber und Qualifizierungsberaterin bei der Agentur für Arbeit an der Widumer Straße. "Stellen können nicht besetzt werden - das ist vor allem bei der Altenpflege und im Handwerk präsent", sagt sie und zählt auf: "Junge Erwachsene machen keine Ausbildung oder verschlafen eine Bewerbung, Erwachsene sind nach einer Elternphase nicht mehr auf einem aktuellen Stand, um in ihren alten Beruf zurückzukehren." Dann bietet sich eine betriebliche Einzelumschulung an. Die Agentur für Arbeit zahlt dabei mit.

Mut zum Potenzial

Sie kann direkt im eigenen Betrieb geschehen. Die Umschulungszeit ist um ein Drittel verkürzt im Vergleich zu einer regulären Ausbildung - also von drei auf zwei Jahre. Sie richtet sich an Langzeitarbeitlose mit Ausbildung und unausgebildete junge Menschen ab 25 Jahren, die schon als Hilfskraft im Betrieb arbeiten. Auch Flüchtlinge, die diese Merkmale erfüllen, die Sprache beherrschen und eine Aufenthaltsgenehmigung haben, können das Angebot nutzen. "Diese Menschen bringen eine andere Expertise mit und beginnen nicht bei Null", sagt Sandra Breidenbach.

Für den Arbeitgeber heißt das: Er muss das Potenzial dieser Menschen erkennen und sich durch das Umschulungsangebot qualifizierte Fachkräfte heran schulen. Im Elektro-, Sanitär- und Pflegebereich finden aktuell schon Umschulungen statt. "Betriebe fragen bereits bei uns nach Umschülern, da sie regulär nicht mehr an die benötigten Kräfte kommen", so Breidenbach. "Und es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Anzahl an Auszubildenden in den nächsten Jahren nicht wächst."

Die verkürzte Ausbildungszeit sei zwar eine Herausforderung, allerdings sei die Quote an Aussteigern gering. Überraschend gering, wie Sandra Breidenbach meint: "Wieder zur Berufsschule zu gehen, ist vor allem für ältere Umschüler ungewohnt. Aber viele finden die Erfahrung erfrischend, neue Sichtweisen kennenzulernen."

Mit 58 zum Altenpfleger

Auch ältere Menschen ermutige sie, lieber einmal mehr als zu wenig nachzufragen. "Wir haben auch schon einen 58-Jährigen umgeschult, der mit 60 seinen Abschluss zum Altenpfleger gemacht hat und bis zu seiner Rente in diesem Beruf arbeitete." Potenzial und Qualifikationen fänden sich in jedem Alter.

Dieses Jahr sind 18 Umschüler aus allen Bereichen bei der Agentur gemeldet. Leuten unter 25 Jahren empfiehlt man aber immer eine richtige Ausbildung.

Das Förderprogramm existiert seit 2007. Betriebliche Einzelumschulungen werden von der Agentur für Arbeit gefördert. Ein Anteil des Arbeitsentgelts, Prüfungsgebühren und Kosten für Werkstücke werden übernommen. Für den Betrieb ist ein Umschüler nicht teurer als ein Auszubildender, sagt die Agentur für Arbeit. "Für die Betriebe ist das eine Chance", findet Sandra Breidenbach. Es sei noch Luft nach oben, in vielen Betrieben schlummert weiterhin verstecktes Potenzial.

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