Ausbau des Rhein-Herne-Kanals verzögert

Das sind die Gründe für den Zeitverzug an der Riesenbaustelle

Henrichenburg - Es dauert viel länger als ursprünglich geplant: Ende 2016 sollte der Streckenabschnitt des Rhein-Herne-Kanals auf Castrop-Rauxeler Stadtgebiet vertieft und verbreitert sein. Jetzt dauert es bis Ende 2018. Es gibt mehrere Gründe dafür.

Die Ruderer des RV Rauxel sind beeinträchtigt. Die Gastronomie auf der Wartburginsel in der Nachbarschaft wäre auch froh, wenn diese Baustelle endlich Geschichte wäre: "Die Lage ist hochkomplex", sagt Johannes Paß, Sachbereichsleiter für den Streckenausbau am Rhein-Herne-Kanal, als wir ihn am Donnerstag in seinem Büro beim Wasserstraßenneubauamt in Datteln anrufen. Warum ruhte die Baustelle am Kanalufer in Henrichenburg jetzt wieder?

Warum braucht es diese Baustelle überhaupt?

Seit 2014 läuft diese riesige Baumaßnahme, die intern als "Rhein-Herne-Kanal Los 7" firmiert und die dazu dienen soll, den Kanal auf neueste Erfordernisse anzupassen. Ziel des Ganzen ist, den Kanal von rund 3,50 auf 4 Meter Wassertiefe zu vertiefen und gleichzeitig zu verbreitern, sodass man am Ende bis zu "55 Meter Wasserspiegelbreite erreicht", so Johannes Paß. Faktisch geht es darum, dass das Ufer und die Spundwände um einige Meter nach außen verschoben werden müssen.

Erforderlich ist das, weil sich die Anforderungen an die Kanäle verändert haben: Die Schiffe, also Schubverbände und Großmotorgüterschiffe, die hier vom Rhein bis zum Schiffshebewerk Materialien - oft Schüttgut oder ähnliche schwere Werkstoffe - transportieren, sind breiter geworden und haben einen anderen Tiefgang als früher, wenn man sie stark belädt. "Die größeren Schiffe fahren da auch jetzt schon", sagt Johannes Paß, "aber sie dürfen sich stellenweise nicht begegnen und dürfen nur maximal 2,80 Meter Tiefgang haben". Aktuell sei die Lage sogar noch limitierter, weil der Kanal wenig Wasser führe. Wichtig sei ein sicherer Begegnungsverkehr, heißt: Wenn ein Schiff von Ost nach West und eines von West nach Ost fährt, sollten sie einander problemlos passieren können. Das soll nach dem Umbau wieder fast überall problemlos möglich sein.

Diese Hintergründe hat die zeitliche Verzögerung

Doch es gibt Probleme: Immer wieder, so Paß, stoße man bei Sondierungen auf Metallkörper, die dann gleich vom Kampfmittelräumdienst begutachtet und professionell beseitigt werden müssen. "Das kann mal ganz schnell gehen, das kann aber auch vier bis sechs Wochen in Anspruch nehmen", so Paß. In der Zeit verhängt die Bezirksregierung dann einen Baustopp. Im Herbst 2017 kam ein weiteres Problem dazu: Das hier tätige Bauunternehmen hat ein Insolvenz-Eigenverwaltungsverfahren eröffnen müssen, so Johannes Paß. "Daraus ergaben sich seit Herbst 2017 weitere Verzögerungen", erklärt der Sachbereichsleiter. "Aber die Firma macht weiter und zieht den Karren bei sich selbst aus dem Dreck."

"Wir denken nun, dass wir Ende 2018 die Maßnahme abgeschlossen haben werden", so Johannes Paß. Zu kalt sei es aktuell nicht einmal. Aber: "Wir haben in dieser Woche wieder einen Blindgänger sondiert. Da soll etwas in der Kanalsohle gelegen hat - aber es war ein Einkaufswagen, der sich 1,50 Meter tief in die Kanalsohle eingegraben hatte."

Das tragen Anwohner an das Wasserstraßen-Neubauamt heran

Und was sagen die Anwohner zum Baustellen-Problem? Es gebe ab und zu Anfragen, sagt Johannes Paß. Vor allem störe die Menschen, dass Betriebswege so lange gesperrt seien. Das hängt aber damit zusammen, dass der ausführende Baubetrieb die Verkehrswegesicherungspflicht übernimmt und die Wege darum absperrt. "Wir können da nicht einzelne Teilwege wieder öffnen, denn wir müssten die einzelnen Stücke dem Bauunternehmen dann in Teilen abnehmen", erklärt Paß. "Das Problem bekommen sie dann nicht mehr gelöst."

Man könne im Moment keine Radfahrer und Spaziergänger im Baufeld gebrauchen. "Wir können erst wieder aufmachen, wenn die Baumaßnahmen durch sind", so Paß.

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