Bauausschuss

Bleibt die Eiche an der Heerstraße, springt wohl der Investor ab

Bei der Diskussion im Bauausschuss über das Wohnbauprojekt an der Heerstraße überbrachte Oliver Lind die Botschaft des Technischen Beigeordneten nach Gesprächen mit Dreigrund.

Mit dem Votum des Bauausschusses in seiner Sitzung am Donnerstagabend ist das Schicksal der alten Eiche im Neubaugebiet Wohnen an der Emscher in Habinghorst wohl besiegelt.

Nach einer anderthalbstündigen Diskussion stimmte eine Mehrheit von SPD, CDU und FDP dem Bebauungsplan in seiner vorliegenden Form zu - gegen die Stimmen von Grünen, FWI, der Linken, der UBP und einer Enthaltung von SPD-Mann Rüdiger Melzner. Alle Fraktionen spielten noch einmal die Klaviatur der bereits im Umweltausschuss am Dienstagabend genannten Argumente ab.

Anwohner der Heerstraße als Gäste im Bauausschuss

Rund 20 Anwohner der Heerstraße nahmen als Gäste an der Sitzung teil und wiederholten ihren Appell auf den Erhalt des Baums. Anwohnerin Astrid Stoye zitierte aus dem Antwortschreiben von MdB Frank Schwabe (SPD), an den sie sich mit ihrem Lebensgefährten Holger Steiner gewandt hatte.

Schwabe hatte darauf hingewiesen, dass er auf eine Lösung hoffe, die den Erhalt der Eiche möglich machte, aber auch geschrieben, dass der Planungsstand sehr weit fortgeschritten sei. Das Wort Abwägung zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussionsbeiträge. Dass die alte Eiche ein hochemotional besetztes Thema sei, konzedierte für die SPD auch Bernd Goerke.

"Die Eiche hat das Pech, genau in der Mitte des geplanten Wohngebiets zu stehen", sagte Goerke. Und wollte an dieser Stelle absolut nicht missverstanden werden. Er freue sich, dass sich Menschen für den Erhalt stark machten, aber es gehe hier nicht nur um die Eiche, sondern um das komplette Baugebiet.

Anwohner kämpfen weiterDas treibt die Politik in unserer Stadt seit 2001 um, mittlerweile mit dem vierten Investor. Und der wäre weg, erklärte Bauausschussvorsitzender Oliver Lind (CDU), wenn die Planung jetzt neu aufgerollt würde. Gespräche des Technischen Beigeordneten mit der Firma Dreigrund, ob die Eiche integriert werden könnte, hätten klipp und klar ergeben, dass sich der Investor dann zurückzöge. Da half auch der Verweis von Udo Weber (Grüne) nicht, Investoren stünden Schlange. "Zeigen Sie mir, wo die sind", sagte Lind.

Beim Alten Garten und dem dort geplanten Wohnbauprojekt in Henrichenburg sei die Sache anders. Dort habe man bekanntlich mit Thomas Krämerkämper einen anderen Investor an der Hand. Lind: "Die Kröte mit der Eiche müssen wir schlucken." Yasemin Dittrich (CDU) sagte: "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber wir sehen den dringenden Wohnraumbedarf." Bernd Goerke (SPD) betonte, der landschaftspflegerische Begleitplan für das Baugebiet enthalte eben keinen Hinweis darauf, dass ein Baum als besonders schützenswert eingestuft sei.

Stützmauer soll Oberflächenwasser abfließen lassen

Udo Weber (Grüne) verwies erneut darauf, dass nicht 800 Quadratmeter Fläche für den Erhalt der Eiche notwendig seien, sondern 300 oder 400 und man eine Stützmauer bauen könnte, um zu gewährleisten, dass Oberflächenwasser auch abfließen könnte.

FDP-Fraktionschef Nils Bettinger nahm die Argumentation von Anwohnerin Astrid Stoye auf, die den Ausschuss aufgefordert hatte, einen Hintern in der Hose zu beweisen, und sagte: "Es wäre einfacher, zu sagen, wir bauten dort nicht, aber wir haben da keine Alternative."

Widerstand wird wohl weitergehen

Für die Anwohner der Heerstraße kündigte Holger Steiner an, den Widerstand gegen die Fällung der Eiche aufrecht erhalten zu lassen. "Wir geben da keine Ruhe, solange der Baum steht", sagte Steiner. Und fügte hinzu: "Das werden wir auch im kommenden Wahlkampf thematisieren."

Am Rand angemerkt: Sabine Seibel, sachkundige Bürgerin für die SPD im Bauausschuss, hat sich in der Sitzung vertreten lassen. Als ehemalige BUND-Vorsitzende schrieb sie unserer Redaktion: "Ich kann die Fällung nicht mit meinem Gewissen vereinbaren." Sie halte diese Entscheidung für empathielos und an einer klimabewussten Haltung vorbei. All die Politiker, die sich gerne mit Selfies bei der "Fridays-for-Future-Bewegung hätten ablichten lassen, hätten noch nicht wirklich verstanden, dass sie das Problem für die Gretas dieser Welt seien.

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