Bettler vor der Kirche

Gottesdienstbesucher ärgern sich über aggressiven Bettler

Castrop-Rauxel - Ein Bettler sorgt seit einiger Zeit für Gesprächsstoff bei Katholiken in Castrop-Rauxel. Er steht regelmäßig vor den Türen von St. Lambertus und St. Elisabeth. Darüber diskutierte jetzt sogar ein Gremium, denn der Bettler soll manchmal äußerst aggressiv vorgehen.

Wenn es kalt ist, so wie am vergangenen Sonntag, ist der Bettler nicht zu sehen. Aber sonst kommt er regelmäßig: Beim Hochamt von St. Lambertus sonntags ist er bis 11.30 Uhr und nach 12.30 Uhr am Hauptportal der Kirche zu sehen. Und in St. Elisabeth Obercastrop bettelt er auch um Geld - vor 11 Uhr und gegen 12 Uhr. Weil der Mann dabei nicht immer ganz freundlich mit den Gottesdienstbesuchern umgehen soll, ist eine Diskussion darum entbrannt: Darf er das? Oder kann man ihm einen Platzverweis aussprechen?

Thema auch im Pfarrbrief "Gemeindeleben"

Die Situation schilderte Pfarrer Winfried Grohsmann im jüngsten Pfarrbrief "Gemeindeleben", der vierten Ausgabe des Jahres 2018. Während manche Kirchgänger Mitleid haben, weil die Situation für den Bettelnden entwürdigend ist, fühlen sich andere wohl gestört von ihm. Wieder andere fühlten sich hinters Licht geführt, so Grohsmann in seinem Brief, weil sie vermuteten, dass der Bettler von einer mafiösen Organisation zu seiner Tätigkeit gezwungen werde.

Eine schwierige Situation - das sieht auch Meinolf Kopshoff vom Gesamtpfarrgemeinderat des Pastoralverbunds Süd, zu dem beide Gemeinden gehören, so. In diesem Gremium stand das Thema zuletzt auf der Tagesordnung - und es wurde kontrovers diskutiert. Hilfe in Not sei ja ein zentraler Auftrag der Kirche, sagt Kopshoff nun auf Anfrage unserer Redaktion. Dafür stehe auch die Caritas, ein Verband der katholischen Kirche, mit ihren Angeboten für Arme. Auch Kopshoff hat den Bettler schon häufiger gesehen, schon vor zwei bis drei Jahren sei er in der Stadt unterwegs gewesen.

Auch Kopshoff habe sich gefragt: "Braucht er das? Wer ist das eigentlich?" Er habe Mitleid, habe aber auch schon erlebt, wie aufdringlich der Bettler werden könne. "Er kniet auf den Stufen zur Lambertuskirche - und zwar so, dass die Leute um ihn herumgehen müssen. Auch wenn Hochzeitsgesellschaften die Kirche verlassen, taucht er auf."

Neue Spenden-Möglichkeit

Ein Mensch, der mit seiner Armut offensiv und aggressiv umgeht. Das Gegenteil von jenen, die ihre Bedürftigkeit aus Scham verschweigen und darum keine Hilfe anfordern. Dabei, so Kopshoff, stünden allen Bedürftigen doch in der Gemeinde, auch ganz in der Nähe der Kirche, mehrere Angebote offen: Die Suppenküche und die Tafel zum Beispiel, wo es Lebensmittel für wenig Geld gibt.

Aber auch der Elisabethkorb. Dieser Brauch, anfangs nur in der Weihnachtszeit gepflegt, soll jetzt ganzjährig praktiziert werden. Dabei handelt es sich um einen Korb, der in der Kirche steht und von Besuchern der Gottesdienste mit Lebensmitteln bestückt wird. Eine Idee, die auf der Mildtätigkeit der adeligen Namensgeberin beruhe, erklärt Kopshoff. Verteilt würden die Spenden dann durch den Pfarrer Winfried Grohsmann.

Verworfene Kollekten-Idee

Geld wolle man dabei aber nicht verteilen, so Kopshoff weiter. Der Gedanke, Einnahmen aus der Kollekte in Briefumschläge zu stecken und an Arme weiterzureichen, sei ebenfalls schnell verworfen worden. Schließlich würden die Kollekten oft bistumsweit für bestimmte Projekte aufgerufen. Und wenn die Gemeinde die Einnahmen mal selbst behalten könne, dann käme das Geld auch der Gemeinde zugute - etwa für Sanierungen.

Was den Bettler angeht, so hat sich der Gesamtpfarrgemeinderat entschieden, nicht rigide gegen ihn vorzugehen. Er darf bleiben, er wird toleriert. "Wollt ihr jene demütigen, die nichts haben? Was soll ich dazu sagen? Soll ich euch etwa loben? In diesen Fall kann ich euch nicht loben." Das Wort aus dem Ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther aus der Bibel zitiert Pfarrer Winfried Grohsmann im "Gemeindeleben". "In der Urgemeinde", schreibt er selbst, "war es bei aller menschlichen Verwerfung, bei der wir von Paulus hören, doch so, dass die Feier des Abendmahls ohne die Armenfürsorge nicht denkbar war." Er wisse um die Problematiken, die mancher mit dem Bettler verbindet. "Aber wir sind zu dem Entschluss gekommen, das nicht zu unterbinden", so der Priester. "Es handelt sich um Menschen, die uns nicht näher bekannt sind, sodass wir auch nicht die Möglichkeit haben, auf anderem Wege diskret zu helfen."

Der Pfarrgemeinderat entschied auch, dass man versuchen werde, den Bettler auf die Hilfsangebote hinzuweisen. Gelegenheiten gibt es genug: Wenn es wieder milder wird, wird man den Mann wahrscheinlich sonntags wieder häufiger sehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Das Südbad wird komplett geräumt - zwei Schulklassen müssen schnell ins Freie
Das Südbad wird komplett geräumt - zwei Schulklassen müssen schnell ins Freie
Weit über 500 Kinder mit ihren Eltern feiern auf dem Marktplatz Laternenfest 
Weit über 500 Kinder mit ihren Eltern feiern auf dem Marktplatz Laternenfest 
Schock-Tat in Gelsenkirchen: Mann injiziert 13-Jähriger unbekannte Substanz - so geht es dem Opfer
Schock-Tat in Gelsenkirchen: Mann injiziert 13-Jähriger unbekannte Substanz - so geht es dem Opfer
Marler Stern: Parkhaus und Rolltreppe eröffnet - Fakt AG nennt neue Mieter
Marler Stern: Parkhaus und Rolltreppe eröffnet - Fakt AG nennt neue Mieter
Wieder Ärger mit dem Spinner: Betroffene Anwohner in Datteln ergreifen nun die Initiative
Wieder Ärger mit dem Spinner: Betroffene Anwohner in Datteln ergreifen nun die Initiative

Kommentare