Europahalle

Böse Geister und der tote Bruder: Das war die erste Esoterikmesse in Castrop-Rauxel

Eine Schamanin will böse Geister vertreiben, ein Medium spricht mit einer toten Person. Wir haben die Aussteller bei der Esoterikmesse in Castrop-Rauxel genauer unter die Lupe genommen.

Die erste Esoterikmesse in Castrop-Rauxel beginnt mit einem Ritual vor der Europahalle. Schamanin Angeni Ahyoka, bürgerlich Angelika Marmarinos, reinigt sie mit positiver Energie. Dazu hat sie allerlei Gegenstände auf einem Tablett drapiert. Der Duft von Räucherstäbchen liegt in der Luft. Ein Stück Holz, ein Stein, Rosenblüten und eine kleine Papiertüte mit der Aufschrift Drachenblut, die vermutlich Weihrauchharz enthält.

Sie wendet sich an die vier Himmelsrichtungen, die "Erdenwesenheiten", den Kosmos und das eigene Selbst. "Ich rufe den Osten an", sagt sie. Zum Abschluss der kleinen Zeremonie schlägt sie eine Trommel, wendet sich dabei in alle vier Himmelsrichtungen.

Einst Migränepatientin, nun Schamanin

Sie habe an Migräne gelitten, schildert uns die 56-Jährige. So sei sie zur "Energiearbeit" gekommen. Das war vor 15 Jahren. Inzwischen sei sie beschwerdefrei. Einfach ausgedrückt, geht es darum, Blockaden zu lösen, um an die eigenen Körperenergien zu gelangen.

"Wer skeptisch ist, findet den Weg nicht, erlernen kann das aber jeder", sagt sie. Doch sie betont auch, dass Esoterik und Spiritualität bei Erkrankungen nur einen Zweig der Behandlung darstellen können: "Ärzte müssen sein, ihre Behandlung ist wichtig. Wir eröffnen nur andere Welten."

Angelika Marmarinos fühlt sich den nativen Ureinwohnern zugehörig

Sie sagt das offenbar mit Überzeugung. Ihr Blick ist fest. Es wirkt nicht auswendig gelernt. Und es kommt auch nicht mit der notwendigen Überzeugung einer Staubsaugerverkäuferin zu ihrem Produkt. Da schwingt auch keine Bitterkeit oder Euphorie einer ehemaligen Migränepatientin mit.

Seit drei Jahren sei sie nun auch Schamanin. "Den nativen Ureinwohnern habe ich mich immer zugehörig gefühlt", sagt sie. Seitdem hat Angelika Marmarinos auch einen Schamaninnennamen: Angeni Ahyoka. "Als Schamanin bin ich heute hier, damit die beiden Tage zum höchsten Wohle für alle verlaufen." Vor der Europahalle spricht sie mit einigen Besuchern, man kennt sich bereits von anderen Messen.

Jo Anna bezeichnet sich als Medium. Sie verspricht Jenseitskontakte. Am Samstagmorgen habe sie einer Frau eine Botschaft ihres toten Bruders übermittelt, aus dem Jenseits. "Anhand der Beschreibung der Frau habe ich den Bruder gefunden", sagt Jo Anna. Für die zehn Minuten auf der Messe wurden 25 Euro fällig. 100 Euro kostet ein Einzeltermin mit Vor- und Nachbereitung.

Knapp 70 Anbieter tummeln sich in der Europahalle, dabei waren 180 angekündigt worden. Bei einem entdecken wir einen Aura-Scan. Der soll 40 Euro kosten; Laptop und Drucker stehen bereit. Fotografieren verboten! Offenbar erhält man nicht mehr als ein Farbbild und eine Aufstellung gewisser Parameter zur Person.

Die Wahrsagerin braucht ihre Karten eigentlich gar nicht

Bei Wahrsagerin Maria schlagen 30 Euro zu Buche. Die Karten legen müsse sie eigentlich nicht, sie sehe gleich, was mit ihren Klienten los sei. Die Karten wären jedoch eine willkommene Visualisierungsmethode.

Ihre Schwester Samira haben wir bereits zuvor an ihrem eigenen Stand getroffen. Sie kenne die drei zentralen Punkte ihrer Arbeit, sprudelt es aus ihr heraus. Jemandem sagen, wo er war, wo er steht, wo er hin will. "Was Sie morgen machen, weiß ich nicht, ich bin Wahrsagerin, keine Hellseherin", stellt Samira klar.

Das Talent sei ihr in die Wiege gelegt worden, schließlich sei ihre Mutter eine bekannte Wahrsagerin. Auch sie ist auf der Messe vertreten, unter dem Namen Maria Magdalena. Erlernen könne man solche Fähigkeiten nicht, erklärt Samira. Sie hingegen habe bereits mit sechs Jahren mit dem Wahrsagen begonnen.

Auch viele, kleine, eher harmlose Placebos werden angeboten. Beispielsweise Quarze. Chalcedon helfe gegen Halsschmerzen; Rosenquarz gegen Liebeskummer. "Die Steine vollbringen keine Wunder, sie unterstützen nur", sagt Angela Fink. Heilversprechen dürfe man nicht geben, sagen viele Aussteller. Beim "Feinstofflichen Virenscanner" kommt das völlig anders rüber. Auf der Werbewand steht eine ganze Reihe physischer und psychischer Erkrankungen. Aber auch die Worte "Schmerzwegbehandlung; schnell & sicher". Der Stand ist jedoch unbesetzt.

Die Staubsaugervertrerin verkauft Kobolde

In den Gängen laufen wir an der Schamanin Angelika Marmarinos vorbei. Sie hält gerade eine Frau an den Händen und spricht mit ihr über Energie.

Fast ein wenig deplatziert auf der Esoterikmesse wirkt der Stand mit den Vorwerk-Staubsaugern. "Warum nicht", sagt Claudia Friedrichs, "unsere Produkte verströmen zwar keine esoterischen Düfte, sind aber rückenschonend und auch für Allergiker geeignet." Kobold heißen die Geräte. Kobolde gelten in der Mythologie als hilfreiche aber neckische Hausgeister.

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