Europawahl 2019

Rezo und sein Einfluss aufs Wahlergebnis: Das sagen Castrop-Rauxeler Politiker

Hat der Youtuber Rezo mit seinem Video, über 12 Millionen Mal angesehen, das Ergebnis der Europawahl in Deutschland beeinflusst? Ein Castrop-Rauxeler Politiker sagt: Ja, und zwar stark.

Gewicht hat immer der, der sich zu Wort meldet: Das meint Frank Schwabe (SPD), Bundestagsabgeordneter aus Castrop-Rauxel. Er findet, dass der Youtuber Rezo mit seinem zu einem echten Scoop gewordenen Video mit dem Titel "Die Zerstörung der CDU", mit dem er CDU, CSU und SPD angriff, einen Trend vor der Wahl verstärkt hat, der schon da war. Sein Urteil lautet, er habe damit das Wahlergebnis stark beeinflusst.

Ein junger Mann, der ein 55-Minuten-Video auf seinem Youtube-Kanal veröffentlichte. Das hatte über 12 Millionen Klicks und löste vor der Wahl eine immense Medienreaktion aus. Frank Schwabe (48) zählt nicht zur Kernzielgruppe des Youtubers, dessen Inhalte sonst von Menschen um die 20 Jahre angesehen werden. Wie urteilen andere Politiker?

"Teilweise hatten diese YouTuber ja auch recht"

Ist er nicht: Daniel Djan, seit November 2018 Vorsitzender der Jusos in Castrop-Rauxel, ist ähnlicher Auffassung. "Ich glaube nicht, dass dieser Aufruf allein für dieses Ergebnis verantwortlich ist", so Djan. "Es hat aber einige Erstwähler davon abgehalten, uns ihre Stimme zu geben. Auch wenn es einigen von uns nicht gefallen wird, aber teilweise hatten diese YouTuber recht."

Klimaschutztechnisch sei die SPD sogar ganz gut aufgestellt, findet Djan. "Aber die Leute kaufen uns unsere Positionen nicht mehr ab. Deswegen brauchen wir den Schritt raus aus dieser Regierung. Dann werden wir uns das Vertrauen der Leute mühsam zurückerarbeiten und eine klare Linie finden müssen. Das geht nicht mit den Leuten, die teilweise für diesen Vertrauensverlust mitverantwortlich gewesen sind, das schaffen wir nur mit frischen Kräften."

"Sie hätten ohnehin nicht die SPD gewählt"

Landtagsabgeordnete Lisa Kapteinat meint, dass das Video den Anteil der jungen Wähler, die zur Urne gegangen sind, erhöht haben könnte: "Ich glaube aber, die Politisierung vieler jungen Wähler ist bereits Monate zuvor passiert und diese hätten in der Mehrzahl ohnehin nicht die SPD gewählt."

Daniel Molloisch (Fraktionschef der SPD) erkennt an, dass Rezo nicht ganz unrecht habe: "Was er den Parteien vorwirft, ist, dass sie wissen, was zu tun ist und nicht handeln. Das führt zu Frust bei der Generation." Parteikollege und Ratsherr Bernd Goerke meint: "Das mag ein Prozentchen rauf oder runter ergeben haben, aber nicht die Menge."

Und die Köpfe anderer Parteien? Nils Bettinger (FDP) meint: "Das war zeitlich super positioniert. Rezo hätte die CDU mit seinen Thesen anders gar nicht erreicht. So hatte es sicher einen Effekt auf die Menschen, aber besonders groß war er sicher nicht."

"CDU hat ein paar Hausaufgaben bekommen"

Seine Kritik adressiert Rezo vor allem an CDU und CSU. Was sagt Unions-Kreisvorsitzender Michael Breilmann? "Wir müssen überlegen, wie wir uns bei der Klimaschutzpolitik aufstellen und wie wir umgehen mit Akteuren aus sozialen Netzwerken. Ich glaube, dass die CDU ein paar Hausaufgaben bekommen hat."

Er wisse nicht konkret, ob Rezo so kurz vor der Wahl Auswirkungen gehabt habe. "Er hat aber deutlich gemacht, dass wir uns den Positionen stellen müssen. Wir hätten uns mit einem Videostatement deutlich dagegen stellen müssen." Rezo arbeite mit falschen Statistiken, es sei viel Polemik dabei. "Deutschland steht wirtschaftlich gut da", so Breilmann.

"Klar hat Rezo uns geholfen"

Bei den Grünen ist man dankbar. Ratsherr Ulrich Werkle am Wahlabend: "Klar hat er uns geholfen. Wenn man die Analyse sieht, dass wir bei Leuten zwischen 18 und 24 Jahren 37 Prozent geholt haben, dann glaube ich schon, dass das auch darauf zurückzuführen ist."

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