Falsch zugestellte Briefe

Herr Wundrok und sein Ärger mit der Post

Castrop-Rauxel - Jedes Jahr erreichen Tausende Postsendungen ihren Adressaten nicht. Manche landen in falschen Briefkästen. Doch was macht man mit den fremden Sendungen? "Ich schmeiß die Briefe weg", sagt August Wundrok ohne Umschweife. "Ich bin ja hier nicht der Postbote."

August Wundrok wohnt an der Markmannstraße in Rauxel. Und das seit vielen Jahren. Seit Wochen bekommt er viel Post, für den Rentner ist das aber kein Grund zur Freude. Denn die vielen Briefe sind gar nicht für ihn bestimmt. Sie landen aus unerfindlichen Gründen bei ihm. "Da stehen ganz andere Namen und Adressen drauf", sagt er. Die letzten Briefe, die nicht an ihn adressiert waren, sollten eigentlich zur Ilandstraße*. Wie das passieren kann, ist für den Rentner ein Rätsel.

Im Visier hat er nicht die Deutsche Post, sondern den Dienstleister Postcon, der Briefe im Auftrag von Unternehmen zustellt.

Doch was macht man mit den fremden Sendungen? "Ich schmeiß die Briefe weg", sagt August Wundrok ohne Umschweife. "Ich bin ja hier nicht der Postbote." Bis zur Ihlandstraße ist es für den Rentner auch ein weiter Weg. Zu weit. Den Zusteller selbst habe er schon angesprochen, wollte ihm die Briefe wieder mitgeben. "Aber der hat gar nicht reagiert", behauptet Wundrok.

Das kann Sachbeschädigung sein

"Mehrfache Fehleinwürfe bei Herrn Wundrok aus Castrop-Rauxel deuten auf ein Problem hin", sagt Postcon-Sprecherin Jeannine Böhrer-Scholz auf Nachfrage.

Auch wenn sie betont, dass so etwas äußerst selten vorkomme. Sie versprach, mit dem zuständigen Zusteller zu sprechen und ihn gegebenenfalls nachzuschulen. Sie warnt aber auch davor, Briefe einfach so zu entsorgen. "Das kann als Sachbeschädigung gewertet werden", sagt Böhrer-Scholz. Öffnen dürfe der falsche Adressat das Kuvert ebenfalls nicht - das verstößt gegen das Briefgeheimnis. Und das kann empfindlich bestraft werden: mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe.

Besser also: "Bei der Hotline anrufen und die Falschzustellung melden", sagt die Postcon-Sprecherin. Ein Mitarbeiter hole die Post dann ab und stelle sie erneut zu - dem richtigen Empfänger. Genau das hat August Wundrok bei der letzten Fehllieferung dann gemacht. Postcon versprach daraufhin, den Brief kurzfristig abzuholen.

Beim Branchenprimus Deutsche Post ist die Rückgabe fehlgeleiteter Briefe einfacher. Sie können in einen der gelben Postkästen geworfen, in einer Postfiliale abgegeben oder dem Postboten zurückgegeben werden. Der Brief kommt so zurück in den Kreislauf. Aber auch die Kundenhotline der Post sei ansprechbar. "Anschließend können wir noch mal mit dem Mitarbeiter sprechen und ihn sensibilisieren", sagt Unternehmenssprecher Rainer Ernzer.

Fehler sind menschlich

Auch bei der Post kommen Briefe weg. "Bei 59 Millionen Sendungen täglich bleibt das nicht aus. Wo Menschen arbeiten, werden auch Fehler gemacht", betont Ernzer. Wie viele Nachforschungsanträge jährlich bei der Deutschen Post eingehen, wolle das Unternehmen jedoch nicht verraten. Aber: "Im Vergleich zu den transportierten Sendungen liegt die Anzahl im Promillebereich." Das passt zu den Zahlen der Bundesnetzagentur: Jährlich gehen über alle Postdienstleister und Produkte hinweg knapp 4000 Beschwerden bei der Regulierungsbehörde ein.

Wie können Briefe überhaupt wegkommen? Ernzer nennt dafür verschiedene Gründe. Manchmal klebten Briefe aneinander, das merke der Postbote dann gar nicht beim Austragen. 1500 Briefe verteilt ein Zusteller der Post am Tag im Durchschnitt - eine Menge, bei der auch mal was schiefgehen kann. Häufig sei aber gar nicht der Briefdienstleister, sondern der Absender Schuld daran, dass Sendungen nicht ankommen, betont Ernzer. Bei der posteigenen Ermittlungsstelle in Marburg gehen täglich 16.000 Briefe ein, die aufgrund falscher oder unzureichender Beschriftung nicht zugestellt werden könnten. "In Marburg arbeiten zur Verschwiegenheit vereidigte Mitarbeiter, die die Sendungen öffnen dürfen, um über den Inhalt den geplanten Empfänger zu ermitteln", erklärt Rainer Ernzer. Nur in den wenigsten Fällen funktioniere das. Insgesamt ein Jahr lang werden die Briefe aufgehoben. Dann werden sie entsorgt.

Diesem Schicksal entgeht der letzte fehlgeleitete Brief, der im Kasten von August Wundrok landete. Er wird seinen geplanten Empfänger noch erreichen. Postcon hat ihn wie versprochen bei ihm in Rauxel abgeholt.

*HINWEIS: An dieser Stelle haben wir den Artikel korrigiert. In der Vorversion war die Rede davon, die Straßen lägen weit auseinander. Das ist falsch, sie liegen beide in Rauxel. Ilandstraße schreibt sich ohne "h".

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