Gericht

Haltestellenschild nach Streit komplett zerlegt

Castrop-Rauxel - Er hatte Wut im Bauch und ballte die Faust. Später landete der 20-Jährige vor Gericht. Dort präsentierte er zunächst eine kuriose Geschichte.

Am Dienstag musste der 20-Jährige, der im April seine aufgestaute Aggression an einem Haltestellenschild ausgelassen haben soll, vor der Jugendstrafrichterin erscheinen. "Das stimmt nicht", sagte er zunächst sehr bestimmt und tischte eine Geschichte auf, die die Richterin zu wiederholten Nachfragen veranlasste.

So hatte er am fraglichen Tag in Habinghorst angeblich nur auf den Busfahrplan geschaut und war dann mit der Freundin weitergegangen, weil der Bus nur stündlich fuhr. Kurz darauf sei er allein umgekehrt, um das Handy der Freundin zu holen, das diese vergessen hatte. Die Freundin blieb zurück. Als er an der Haltestelle ankam, sei das Schild schon kaputt gewesen. Auf Nachfrage hieß es: "Ja, als ich auf den Plan schaute, lag schon Glas auf dem Boden."

Die Aussage einer 30-jährigen Zeugin, die zur selben Zeit mit ihren Auto an der Haltestelle vorbeifuhr, beschreibt eine völlig andere Situation. Ein wutentbrannter junger Mann, der auf das Schild einschlug und es "völlig zerlegte", und ein junges Mädchen. Das sei völlig aufgelöst gewesen, mit Tränen in den Augen. Für die Zeugin Anlass, ein paar Meter weiter anzuhalten und die Polizei zu informieren.

Zeugin identifizierte Angeklagten

Die kam dann auch. Während der Angeklagte beteuerte, von den Ordnungshütern nicht angetroffen worden zu sein, weil er ja das Handy holte, konnten die Beamten in ihrem Protokoll den Verdächtigen präzise beschreiben. Wie auch die Zeugin, die den Angeklagten hundertprozentig identifizierte.Das war dann der Moment der Rückbesinnung. Zumal Richter wie Staatsanwältin zu Bedenken gegeben hatten, dass die Freundin bei einer Falschaussage selbst auf der Anklagebank landen würde. Nach kurzer Bedenkzeit gab der 20-Jährige die Tat zu. "Ja, ich bin schuldig, ich war sauer", sagte er. Den Streit, dessen Inhalt niemand wissen wollte, konnte er wohl nicht mit Worten klären. Das hatte er in seiner Kindheit, die offenbar nicht einfach war, wohl nicht gelernt.

Gerade Ausbildung begonnen

Dennoch ist seine Zukunft durch diese Tat nicht gefährdet. Die Richterin verhängte ein Verwarngeld von 100 Euro, die Kosten für das Schild kommen hinzu. Geld, das dem jungen Mann, der gerade eine Ausbildung begonnen hat und bald auf eigenen Füßen stehen will, eine Lehre sein könnte.

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