Gerichtsprozess

Mutmaßlicher Serieneinbrecher taucht vor Gericht mit einem Messer auf

Im Prozess um eine Einbrecherbande, die auch auf Schwerin zugeschlagen hatte, stehen bald die Urteile an. Zuvor sorgte einer der Angeklagten jetzt im Gericht noch für einen echten Aufreger.

Nach monatelanger Verhandlung ist der Prozess um eine Einbruchs-Serie in Castrop-Rauxel und Umgebung auf die Zielgerade eingebogen. Ehe Mitte September die Urteile gesprochen werden sollen, startete der 16. Sitzungstag am Bochumer Landgericht am Freitag mit einem richtigen Aufreger.

Denn beim Betreten des Gerichtsgebäudes hatte bei einem der fünf Angeklagten der Metall-Detektor in der Durchgangsschleuse Alarm geschlagen. Justizwachtmeister hatten anschließend in der Tasche des 22-Jährigen tatsächlich ein Messer sichergestellt und sofort an das Gericht übergeben. Gleich zu Prozessbeginn hielt Richter Johannes Kirfel das inzwischen in einem Plastikbeutel verstaute Taschenmesser in die Höhe und konfrontierte den mutmaßlichen Serieneinbrecher mit den unangenehmen Fragen: "Können Sie mir das erklären? Warum betreten Sie ein Gericht mit einem Messer?"

Verbot durch das Waffengesetz?

Der Angeklagte verwies auf ein Versehen. "Ich brauche das für mein Auto, als eine Art Schraubendreher", ließ er eine Dolmetscherin übersetzen. Die Staatsanwaltschaft wird jetzt wohl überprüfen, ob das beschlagnahmte Messer einem möglichen Verbot durch das Waffengesetz unterliegt. Fest steht: Der 22-Jährige war zuletzt schon häufiger mit seinem Auto liegen geblieben und deshalb deutlich zu spät zu den Gerichtsterminen gekommen. Einmal hatten ihn die Richter deswegen zwischenzeitlich sogar mal für eine Woche in U-Haft gesteckt.

Die Staatsanwaltschaft wirft den laut Anklage zu einer in Serbien, Italien und Frankreich weit verzweigten Familiensippe gehörenden zwei Frauen (21 und 29) und drei Männern (16, 22 und 24) vor, in der ersten Jahreshälfte 2017 mindestens acht Einbrüche verübt zu haben - unter anderem in eine Doppelhaushälfte auf Schwerin.

Vier Angeklagte legen Geständnis ab

Zentrale der mutmaßlichen Einbrecherbande war angeblich eine Wohnung in Herten. Dort sollen die Tageswohnungseinbrecher unter katastrophalen Bedingungen beherbergt worden und Tag ein, Tag aus zu den Tatorten ausgeschwärmt sein.

Nach wochenlangem Schweigen hatten zuletzt vier von fünf Angeklagten nacheinander weitreichende Geständnisse abgelegt. Die Richter der 3. Strafkammer am Bochumer Landgericht wollen nun am 10. September die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung entgegennehmen. Am 19. September sollen dann die Urteile verkündet werden.

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