Großes Interview zum Geburtstag

Wie läuft's denn bei Radio RCR, Herr Moderator?

Castrop-Rauxel - Ein Vollprogramm-Radiosender aus Castrop-Rauxel mit eigenem Studio, Moderatoren, stündlichen Nachrichten: Das war neu am 9. Januar 2017. So ging "Radio RCR" auf Sendung. Heute ist ein Jahr vorbei. Der Sender ist noch da, bleibt aber aktuell ein reines Ehrenamts- oder Hobbyprojekt. Wir sprachen mit Macher Martin Krix.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Vor einem Jahr war der erste Sendetag von Radio RCR.

Stimmt, am 9. Januar im vergangenen Jahr. Wir feiern Einjähriges. Aber die Feier übernehme nicht ich, weil ich in einem dreiwöchigen Urlaub bin. Das macht der Kollege Sascha Frenzel.

Aha. Wie feiert man im Radio denn?

Er moderiert Freitagabends von 20 bis 24 Uhr eine Partysendung, darin wird auch ein bisschen gefeiert.

Nach so langer Zeit kann man die erste richtige Bilanz ziehen: Wie fällt sie aus?

Sehr positiv, denn: Wir haben uns eine Stammhörerschaft erarbeitet, die aber in Zahlen nicht genau zu beziffern ist. Denn das Zählen der Hörer ist nicht so einfach bei einem Webradio. Man kann uns über den Player auf der Homepage empfangen und über alle Radio-Apps und Internet-Radio-Betreiber, die es gibt. Bis hin zu einer eigenen App, die wir hatten, die im Moment aber nicht mehr in den App-Stores steht.

Wie viele Hörer haben Sie durchschnittlich am Tag?

Wir können das nur grob schätzen. Wir erreichen aber vierstellige Hörerzahlen im Durchschnitt.

Wo?

Im Prinzip weltweit. Wir haben aber dadurch, dass wir ja auch mit Hörern in Kontakt treten, ein bisschen eine Ahnung, woher sie vor allem kommen: aus dem Ruhrgebiet, aber auch aus Hamburg und Süddeutschland. Das sind oft Leute, die früher mal im Ruhrgebiet gelebt haben.

Dann können Sie auch nicht sagen, welche Sendung am meisten gehört wird, oder?

Doch. Montags ab 20 Uhr präsentiert Harry, bekannt vom Polizisten-Duo "Toto und Harry", alle 14 Tage eine Rocksendung, in der auch Heavy Metal läuft. "Rock the nation" heißt sie. Auch der "Klangwald" von Nils Bettinger, den wir auch anderen Sendern kostenfrei zur Ausstrahlung bereitstellen, läuft gut. Unser Programm besteht grundsätzlich aus drei Elementen: Live moderiert aus dem Studio in Castrop-Rauxel - mindestens vier Stunden täglich in der Hauptzeit.

Moment. Ist das sinnvoll zu der Zeit?

Bei uns arbeiten alle ehrenamtlich. Wir werden über Werbung finanziert. Damit decken wir die Kosten von rund 1000 Euro im Moment: Studiomiete, Gema- und Streaming-Gebühren, Lizenzen, Werbung und so etwas. Wir arbeiten mit dem TuS Ickern Handball zusammen: Sonntags berichten wir über deren 1. Handball-Mannschaft und bekommen im Gegenzug dafür Werbefläche in der Halle. Wir streben weitere Kooperationen mit Sportvereinen in Castrop-Rauxel an. Beim TuS Ickern bin ich Hallensprecher und Berichterstatter.

Also Sport live im Radio?

Live dürfen wir leider nicht berichten, das ist von den Verbänden verboten. Aber wir würden gern in weiteren Sportarten vor Ort sein. Aber dann brauchen wir Leute, die für Live-Schalten mit dem Studio telefonieren. Das läuft allerdings alles ehrenamtlich.

Sie sind selbst auch ohne Bezahlung tätig?

Ja. Ich bin Polizeibeamter bei der Kripo Bochum. Daher kenne ich Harry. Oder Willi Thomczyk und Michael Wurst, der aber zurzeit nichts für uns machen kann, weil er eine Doku fürs Fernsehen dreht. Wenn einer beruflich andere Verpflichtungen hat, sind wir immer hinten dran.

Sie wollten aber noch Ihre drei Standbeine sagen. Eines haben wir, zwei fehlen noch.

Ich habe darauf bestanden, dass wir ein Studio mit teurer Technik haben. Es gibt Tausende Radios, die aus Wohnzimmern kommen - oft mit schlechten Mikros. Bisher waren wir an der Marsstraße, sind aber Mitte Dezember umgezogen ins Haus der Wirtschaft. Das zweite Standbein neben den Live-Sendungen ist dann der Auto-DJ, der nach einem programmierten Schema die Nachrichten, die Jingles, die Musik aussucht. Das dritte Standbein ist Content: Es gibt in Deutschland viele semiprofessionelle Menschen, die Sendungen erstellen und sie Webradios kostenlos zur Verfügung stellen. Darum läuft nicht nur ununterbrochen Musik, sondern wir haben ab morgens gegen 10 Uhr und bis Mitternacht ein moderiertes Programm. Wir geben auch selbst Sendungen ab, zum Beispiel mein Magazin "Endlich Feierabend" oder den "Klangwald".

Wo gibt es den größten lokalen Bezug?

Den Sport haben wir angesprochen, für meine Live-Sendung hole ich mir Gäste zu Gesprächen aus dem Ruhrgebiet oder fahre zu ihnen. Wir berichten über Künstler, Ausstellungen, Sportler - alles Mögliche, was sich im Ruhrgebiet tut. Und das ist ja sehr vielseitig.

Was haben Sie gelernt im ersten Jahr? Was machen Sie heute anders als am Anfang?

Sicher das: Wenn sich ein neuer Moderator bewirbt und ich feststelle, dass der Mensch dafür nicht geeignet ist, dann sage ich ab: Tut mir leid, bei uns nicht! Denn es gibt viele, die meinen, sie seien der nächste Thomas Gottschalk. Aber sie können dann nicht mehr als den Titel und den Interpreten nennen. Jeder kann sich über unser Homepage-Formular bewerben. Es gibt nicht nur die Moderationsarbeit: Beiträge, Werbe-Akquise und andere Arbeit ist auch zu leisten.

Warum sollte man das denn tun? Warum machen Sie persönlich das?

Ich bin 58 Jahre alt, habe mit 14 Jahren in Herne als DJ angefangen. Dort habe ich Jugenddiscos mit Tausenden von Gästen gemacht. Ich habe bei der Ruhrwelle Sendungen moderiert, mache also seit vielen, vielen Jahren Moderation. Ich fühlte mich in meinem Alter nicht mehr so geeignet, Leute in Diskotheken zu bespaßen, die meine Enkel sein könnten. Da kam die Webradio-Idee gerade recht. Geldverdienen wollen wir damit im Moment nicht, sondern nur die Kosten decken - und vielleicht eine Weihnachtsfeier bezahlen können. Wenn mehr übrig bleibt, bin ich auch bereit, denen, die mitarbeiten, ihre Arbeit zu bezahlen. Aber erst müssen wir 1000 Euro Kosten decken.

Würden Sie den Sender heute wieder aufmachen mit den Erfahrungen des ersten Jahres?

Selbstverständlich. Auch wenn zwei, drei Sachen in die Hose gegangen sind: Ich würde es wieder so machen.

Was war schlecht?

Wir haben zum Beispiel unsere Technik komplett umgestellt. Heute können wir sagen: Ob man uns einschaltet oder einen Profi-Sender - man dürfte keinen akustischen Unterschied mehr merken. Einige Moderatoren hatten auch schon Erfahrungen, zum Teil beim Sender "CAS-fm". Im Moment sind wir knapp 20 Leute - aber es werden mehr.

Was dürfen Hörer für 2018 erwarten?

Am Sonntag gibt es jetzt einmal im Monat eine neue Chart-Show, die ist neu. 2018 wollen wir eine erste eigene Veranstaltung, eine Show, auf die Beine stellen, bei der auch Künstler auftreten sollen. Aber das Pflänzchen ist noch klein.

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