Handyverträge

Verbraucherzentrale warnt vor Vertragsabschlüssen in Mobilfunk-Geschäften

Wer einen Vertrag in einem Mobilfunkladen abschließen möchte, sollte sich diesen zuvor gründlich durchlesen. Ansonsten geht das ordentlich schief, wie zwei Castrop-Rauxeler Fälle beweisen.

Damit Kunden im Gewirr von Kosten, Extras und Tarifen einen für sie passenden Handyvertrag finden können, ist der Handel rechtlich verpflichtet, über die wichtigsten Details vor einem Vertragsabschluss zu informieren. Doch das passiert nicht in allen Fällen. Eine 65-jährige Castroperin und ein 64-Jähriger aus Ickern hatten in Castrop-Rauxeler Mobilfunkläden einen Vertrag mit der Telekom beziehungsweise Vodafone abgeschlossen. Im Nachhinein stellte sich bei beiden heraus, dass sie für Leistungen zahlen müssen, von denen ihnen im Vorfeld nichts bekannt war.

Fall 1: Die 65-jährige Castroperin bekam Anfang des Jahres 2018 einen Anruf der Telekom. Darin wurde ihr mitgeteilt, dass Daten von ihr fehlen würden. "Ich bin seit 40 Jahren Kundin der Telekom, das kann gar nicht sein", sagt die Castroperin. Dennoch machte sie sich auf den Weg zum Telekom-Shop vor Ort, um den Fall zu klären.

Dort wurde ihr gesagt, dass die Telekom in einer Umstellungsphase sei und sie einen neuen Vertrag abschließen müsse. Die Kosten waren ihr zu hoch. Sie ging zu Unity Media und schloss dort einen Vertrag ab. Unity Media wiederum gab an, sich um die fristgerechte Kündigung des bisherigen Telekom-Vertrags und der Portierung der Rufnummer zu kümmern. Als die Castroperin 14 Tage später den Unity-Media-Vertrag zugesendet bekam, fiel ihr eine Kostenänderung auf.

Vertragsinhalt war anders, als im Laden besprochen

"Das war ein ganz anderer Tarif, als der, den wir im Laden besprochen hatten. Ein DSL-Tarif, dabei nutze ich gar kein Internet", so die 65-Jährige. Zusätzlich bekam sie einen Anruf der Telekom: Der Vertrag könne nicht gekündigt werden, da die Frist abgelaufen sei. Bis heute ist die Verbraucherzentrale an der Sache dran. Die 65-jährige Castroperin zahlt aktuell für zwei Verträge - einen bei Unity Media und einen bei der Telekom.

Fall 2: Der 64-jährige Ickerner hat einen Business-Vertrag bei Vodafone. Der lief aus und somit wollte er den Vertrag in einen Partnervertrag mit seiner Lebensgefährtin ändern. Im Vodafone-Shop wurde ihm ein Angebot gemacht, bei dem er zwei neue Handys sowie als Geschenk ein Tablet bekäme. Der Ickerner hatte seine Lesebrille nicht dabei, konnte sich also den Vertrag nicht genau durchlesen.

"Machen Sie sich keine Sorgen", sagte ihm der Mitarbeiter im Gespräch. "Ich war blauäugig und unterschrieb den Vertrag einfach", so der 64-Jährige. Da der Ickerner fortan verreist war, konnte er sich erst drei Monate später um sein versprochenes Geschenk - das Tablet - kümmern. Das Problem: Der 64-Jährige wunderte sich über die hohen Kosten.

Gleich drei Verträge abgeschlossen

Letztlich stellte sich heraus, dass er drei Verträge abgeschlossen habe: Weiterhin den Business-Vertrag, der ohne Wissens des Ickerners auch ein Tablet beinhaltete, den Vertrag für zwei Handys sowie den Vertrag für das eigentlich geschenkte zusätzliche Tablet. "Zusammen mit der Verbraucherzentrale versuche ich, aus dem Tablet-Vertrag herauszukommen. Zusätzlich habe ich eine Anzeige wegen Betrugs bei der Polizei erstattet", so der 64-Jährige. Aus dem Business-Vertrag wurde mittlerweile das andere Tablet gestrichen, die Kosten dafür würden dem Ickerner erstattet.

Das rät die Leiterin der Verbraucherzentrale, Rose Sommer: "Bei Abschlüssen von Mobilfunk- oder Festnetz- und Internetverträgen im Laden sollten Kunden immer besonders aufmerksam sein. Der Kunde hat dort entgegen der üblichen Annahme kein Widerrufsrecht, weil sich die Personen leiblich gegenüberstehen. Am besten sei es, wenn eine zweite Person dabei sei, um gemeinsam die Sache genau zu durchdenken", so Rose Sommer. Besser sei eine Verständigung über einen Vertrag im Internet oder am Telefon. "Dort haben die Kunden das Recht, den Vertrag zur Not zu widerrufen."

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