Heiligabend

Bedürftige feierten im Wichernhaus Weihnachten

Eine Tradition setzte sich am Heiligen Abend im Wichernhaus fort. Zum 45. Mal rückten rund 150 Menschen zusammen. Alleine sein, das war für Markus Stanslavski eine schauderhafte Vorstellung.

"Weihnachten ist für Viele die heikelste Zeit des Jahres", erklärte Annegret Söding. Die ehrenamtliche Helferin weiß, wovon sie spricht. Neben den aufwändigen Vorbereitungsarbeiten, die sie mit einem 30-köpfigen Team Jahr für Jahr bewältigt, kennt sie auch die Schicksale vieler Gäste.

Sie erinnerte sich an einen Mann, dessen Ehefrau einige Tage vor Weihnachten verstorben war. "Wir haben uns bestimmt eine halbe Stunde unterhalten", sagte sie. "Als der Mann dann sagte er sei so dankbar, dass ich mir Zeit für ihn genommen habe, hat mich das selbst glücklich gemacht."

So ähnlich sehen das auch die anderen ehrenamtlichen Helfer. Nicht nur Urgesteine wie Johannes Beisenherz, der als Initiator der Veranstaltung vor 44 Jahren verantwortlich war, auch junge Leute bringen sich gern bei der Weihnachtsfeier für Alleinstehende ein.

Seit dem fünften Lebensjahr dabei

"An Weihnachten kann man ja auch mal was für andere Menschen tun", sagte die 17-jährige Laura Wallbruch. Sie war die jüngste Helferin, die den Besuchern mit ihrer Unterstützung eine Freude machte. Kaffee und Kuchen servieren, Tische abräumen und vor allem Gespräche mit den Gästen führen, gehörte am 24. Dezember zu ihren Aufgaben.

Auch Christina Huning ist schon seit ihrem fünften Lebensjahr als Helferin dabei. Zusammen mit ihren Eltern, Familie Süper, ist die Feier im Wichernhaus ein fester Bestandteil des Heiligen Abends. Und die Tradition scheint sich bei ihrem eigenen Nachwuchs fortzusetzen. Der nur vier Monate alte Filius Jonathan verfolgte das Geschehen gelassen auf dem Arm seines Vaters Christian.

Während die Gäste sich bei Kaffee und Kuchen die stimmungsvolle Weihnachtsmusik der Musikschule Recklinghausen anhörten, wurde im Nebenraum an der reibungslosen Logistik für die Nikolaustütenübergabe gearbeitet. 150 Tüten warteten darauf, von Wolfgang Bartkowiak im Nikolauskostüm an die Gäste ausgeteilt zu werden.

Tod der geliebten Schwester

"Eine tolle Atmosphäre ist das hier", entfuhr es Markus Stanslavski. Für den 43-Jährigen war die Vorstellung, den Heiligen Abend allein zu Hause zu verbringen, einfach schauderhaft. "Wo wird man heute schon einfach so eingeladen?", fragte er sich. "Hier fragt auch niemand wer du bist und wo du herkommst." Ihn hatte das Schicksal hart getroffen. Zuerst die Scheidung vor vier Jahren. Danach der Tod seiner geliebten Schwester, seiner Vertrauten in der schwierigen Zeit. "Sie hat mich sehr unterstützt", sagte er. "Vor einem Jahr ist sie verstorben. Ihr Jahrestag ist erst einige Tage her. Darum bin ich sehr froh, dass ich heute hier sein darf und nicht zu Hause allein versauern muss." Johannes Beisenherz ist sich sicher, dass diese liebgewordene Tradition noch lange Bestand haben wird.

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