Heiraten am 18.08.2018 in Castrop-Rauxel

Zwei Paare, zwei Konzepte - aber ein ganz besonderer Tag

Castrop-Rauxel - Die Ehe hat an Bedeutung verloren. Das belegen Zahlen aus den vergangenen 70 Jahren. Doch noch immer gibt es Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen als den Bund fürs Leben. So auch zwei Paare aus Castrop-Rauxel. Beide Pärchen geben sich am 18.08.2018 das Ja-Wort. Ihre Liebesgeschichten und Planungen sind jedoch gänzlich verschieden.

Ein weißes Kleid mit Schleier, gediegene Stimmung mit seichter Musik und goldene Eheringe - das womöglich klassische Bild der Dinge, die zu einer Hochzeitsfeier dazugehören. Nicht bei Simona Aigner (39) und Uwe Kobusinski (38). Die Fans von Heavy-Metal-Musik sitzen im heimischen Wohnzimmer auf der Couch, seine Hand liegt auf ihrem Knie. Die Zwei schauen sich an und Uwe Kobusinski sagt: "Wir haben uns ein ganz besonderes Rahmenprogramm für unsere große Feier ausgedacht. Standard kann ja jeder."

Kennen tun sich Simona Aigner und Uwe Kobusinski aus der Schulzeit. "Danach haben wir uns aber zunächst aus den Augen verloren", erzählt die 39-Jährige. Wiedergetroffen haben sie sich eines Tages beim Kickboxen. Simona Aigner als gelehrige Schülerin und Uwe Kobusinski als Lehrer. "Wir haben oft das Sparring (Trainingskampf im Boxen - Anm. d. Red.) zusammen gemacht", sagt er. Nach und nach hätten sich daraus ernste Gefühle füreinander entwickelt, die dann vor acht Jahren, am 18. August 2010, in einer Beziehung mündeten. Neben der gemeinsamen Leidenschaft für den Sport verbindet die Zwei auch derselbe Musikgeschmack sowie die deckungsgleiche Lebensphilosophie: "Es passt einfach alles", findet Uwe Kobusinski.

Beim zweiten Pärchen, das sich am 18. August 2018 das Ja-Wort geben wird, passt es ebenfalls. Lisa Schmidt (26) und Robin Guder (28) liefen sich zum ersten Mal in der Diskothek Gigaparc in Dülmen über den Weg. Das war 2009. "Mit dem Zusammenkommen haben wir uns Zeit gelassen", sagt Lisa Schmidt. Schließlich hätten beide eine anstrengende und verkorksten Beziehung hinter sich gehabt. "Wir brauchten erst mal unsere Freiheiten", ergänzt Robin Guder. Ein Jahr später, am 14. Februar 2010, wurde aus der Zuneigung eine Beziehung.

Die Rolle der Gesellschaftsstruktur

Bis bei beiden Paaren der Gedanke reifte, sich mit einer Hochzeit fest aneinanderzubinden, strichen noch viele Jahre ins Land. Das ist in der heutigen Zeit nichts Ungewöhnliches, wie Gesellschaftsforscher Harald Rost weiß. Er ist stellvertretender Leiter des Staatsinstitutes für Familienforschung an der Universität Bamberg und kennt sich mit der Materie Eheschließung aus. Die Entwicklung, die er in den vergangenen Jahrzehnten ausgemacht hat, hängen seiner Meinung nach auch mit der sich veränderten Gesellschaftsstruktur zusammen.

Dadurch, dass die Menschen immer älter und gleichzeitig weniger Menschen geboren werden, gäbe es schlicht weniger Menschen im heiratsfähigen Alter. Und die Bedeutung der Ehe als solche hätte im Laufe der Jahre abgenommen. "Früher war die Ehe ein Muss, heute ist sie ein Kann", sagt Rost. Das zeigen auch Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Seit 1950 hat sich die Zahl der Eheschließungen in Deutschland halbiert. 2016 gab es gut 410.000. Und: Paare würden heute erst mal Fuß fassen wollen, ehe sie den Schritt in die Ehe in Erwägung ziehen würden, so Rost.

Das trifft auch auf die zwei Paare aus Castrop-Rauxel zu. Simona Aigner hat sich über den zweiten Bildungsweg doch noch den Wunsch eines Studiums erfüllt und liegt in den letzten Zügen ihrer Masterarbeit. "Jetzt", sagt sie, "war einfach der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt."

Dabei hätten sie und ihr Verlobter eigentlich nie so richtig über das Thema Hochzeit gesprochen. Uwe Kobusinski nickt zustimmend, und Simona Aigner sagt: "Eigentlich immer nur so aus Spaß." Und so kamen sie gemeinsam vor einiger Zeit auf das Datum 18. August 2018. "Es ist unser Jahrestag, an diesem Tag haben wir das verflixte siebte Jahr rum und die Acht ist die Schicksalszahl sehr zielstrebiger Menschen", so Simona Aigner.

Auch Lisa Schmidt wollte vor ihrer Hochzeit noch einen Meilenstein schaffen. "Mir war ganz wichtig, dass ich davor noch eine Festanstellung bekomme", sagt sie bestimmt. Stichwort: Planungssicherheit. Eine solche Stelle bekam sie auch, und so steht der Eheschließung nichts mehr im Wege. Auch bei Lisa Schmidt und Robin Guder fiel die Wahl bewusst auf den 18. August 2018. "Dann sind wir acht Jahren zusammen", sagt Lisa Schmidt. Robin Gruber ergänzt: "Und diesen Tag kann man sich, gerade als Mann, gut merken."

Dieser Tag ist ein Termin, der in Castrop-Rauxel in diesem Jahr gerne für den großen Tag genommen wird, wie Stadtpressesprecherin Nicole Fulgenzi auf Nachfrage sagt. "Bei Trauungen an anderen Orten außerhalb des Standesamtes im Rathaus ist der Samstag besonders beliebt." Und der 18. August ist ein Samstag. Für die Feierlichkeiten im Anschluss an die Trauung ist das nicht von Nachteil. Und in Castrop-Rauxel gibt es Orte, an denen sich besonders gerne das Ja-Wort gebeben wird. Fulgenzi berichtet: "Ganzjährig sind Eheschließungen im Kaminnebenzimmer im Haus Goldschmieding möglich und zwischen Mai und September im Rittersaal im Schloss Bladenhorst." In beiden Örtlichkeiten trauen derzeit ausschließlich der jetzige und der frühere Bürgermeister Beisenherz.

Für Schloss Bladenhorst haben sich auch Simona Aigner und Uwe Kobusinski entschieden. Das Motto der Feier: Heavy-Metal-Wedding. Ganz im Stile echter Metalfans. "Da gibt es dann richtig gute Metal- und 80er-Jahre-Musik", sagt Uwe Kobusinski. Und natürlich gibt es auch einen Dresscode für die Gäste. Das Motto: ganz in Schwarz. Auf der Hochzeitseinladung steht: "Lieber rockig-cool als gothic-chic." Gerne mit Bandshirt, wer eines hat. "Bei uns heißt es also schwarze statt weiße Hochzeit", sagt Simona Aigner lachend und ergänzt: "Die Hochzeit macht das offiziell, was ich schon lange im Herzen spüre, nämlich dass wir zusammengehören."

Lisa Schmidts und Robin Guders Wahl fiel auf das Kaminzimmer im Haus Goldschmieding. Die Feier findet im Bootshaus in Herne statt. Aus gutem Grund. "Ein tolles Ambiente, viel Platz, und man stört mit der Musik keine Nachbarn", so der 28-Jährige. Übrigens: In diesem Fall wird Lisa den Namen von Robin annehmen. Nach diversen Diskussionen gab die 26-Jährige letztlich nach. Auch, weil Robin Guder hartnäckig blieb. Er sagt: "Für mich war immer klar, dass ich meinen Namen behalten will. Gibt man seinen Namen ab, dann gibt man ja auch ein Stückchen seiner Identität ab."

Etwas, dass die Paare auf traurige Art und Weise eint, ist die Tatsache, dass nicht alle Elternteile die Hochzeiten miterleben können. "Mein Vater ist Ende des vergangenen Jahres verstorben, nachdem wir ihn eine lange Zeit gemeinsam gepflegt haben", berichtet Simona Aigner, und ihre Stimme zittert dabei leicht. Deshalb habe ihr zukünftiger Mann ihren Vater auch nicht um ihre Hand bitten müssen. "Aber", und schon kehrt das Lächeln zurück, "wir haben das meinem Vater kurz vor Weihnachten 2017 noch erzählt. Ich habe zu ihm gesagt: Papa, der Uwe wird ein Aigner."

Auch Lisa Schmidt stockt einen Moment, als sie erzählt, dass ihr Verlobter ihren Papa um ihre Hand gebeten hätte. Denn: "Meine Mama kann den Tag leider nicht mehr miterleben. Sie ist bereits verstorben." Doch bevor sich eine Träne den Weg über ihre Wange bahnen kann, schaut ihr Robin Guder tief in die Augen und sagt: "Sie schaut dir auf andere Art und Weise aus dem Himmel zu." Schon kehrt das Lächeln in ihr Gesicht zurück.

Unterschiedlicher Planungsstand

Es gibt aber auch etwas, das die zwei Paare unterscheidet. Unterscheidet, was den Planungsstand für den großen Tag und auch danach betrifft. "Die Eheringe müssen wir noch besorgen", sagt Uwe Kobusinski. Eine klare Vorstellung, wie diese aussehen sollen, haben die Verlobten aber schon. "Wir möchten Ringe, in denen unsere Fingerabdrücke eingraviert sind", berichtet Simona Aigner, "es sollen eben ganz besondere Ringe sein."

Schließlich gab es zur Verlobung keinen Ring, da es ja auch nie einen offiziellen Antrag gab. "Das holen wir jetzt also nach", sagt Uwe Kobusinski. Und auch das genaue Ziel der Flitterwochen steht noch nicht fest.

Lisa Schmidt und Robin Guder sind da schon zwei Schritte weiter. Die Ringe liegen parat, und auch das Ziel der Flitterwochen steht fest. Im Januar 2019 geht es per Kreuzfahrt nach und um Mittelamerika herum. "Das wird etwas ganz Großes. Etwas komplett Spannendes. Genau so wie der Lebensabschnitt, den wir am 18. August 2018 beginnen werden", sagt Lisa Schmidt.

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