Jahresempfang des Trägervereins

276 Frauen im Frauenhaus abgelehnt

Es ist zwar ein wenig Entspannung eingetreten, aber überbelegt war das Frauenhaus auch im vergangenen Jahr wieder. Für dieses Jahr ist eine Neuerung geplant.

Nach der Quote von 107,86 Prozent für 2017 stand am Jahresende 2018 die Zahl von 100,7 Prozent. "Und die Verweildauer ist immer noch lang", sagte Frauenhaus-Chefin Katrin Lasser-Moryson beim zweiten Jahresempfang des Trägervereins "Frauen helfen Frauen" nach der gelungenen Premiere 2018 am Sonntag im Café Residenz, wo der Dank von Verein und Team vielen Unterstützerinnen und Unterstützern galt.

42 Frauen und 41 Kindern bot das Frauenhaus 2018 ein vorübergehendes Zuhause. Ein Jahr zuvor waren es 34 Frauen und 31 Kinder gewesen. "Der Wohnungsmarkt", sagte Lasser-Moryson habe sich insgesamt als etwas entspannter dargestellt. Dies gelte aber nach wie vor leider nicht für Alleinerziehende.

Die Frauen tatsächlich wie von der Landespolitik gewollt und gesetzlich fixiert nach drei Monaten in eine eigene Wohnung ziehen lassen zu können, schaffe man nicht. "Die Frauen mit ihren Kindern innerhalb von zwölf Wochen zu stabilisieren und mit ihnen eine neue Wohnung gefunden zu haben, das ist nicht möglich", erklärte Lasser-Moryson. Nach den drei Monaten muss ein Härtefallantrag gestellt werden.

Sind Frauen und Kinder mit einem ungeklärten Aufenthaltstatus betroffen, wird es laut Lasser-Moryson schwierig, denn die Zuständigkeiten zwischen verschiedenen Behörden sei noch immer nicht geklärt.

Frauen werden immer jünger

Abweisen musste das Frauenhaus im vergangenen Jahr 276 Frauen, 318 Anfragen hatte es gegeben - wobei die Frauen jünger werden und der Einzugsbereich größer. Aus dem Kreis Recklinghausen kamen vier Frauen, aus NRW 22, aus anderen Bundesländern 16. Aus Sicherheitsgründen sei das besser. "Wenn wir auf grün schalten, haben wir innerhalb einer Stunde 20 Anrufe", verdeutlichte Lasser-Moryson.

Eine Antwort, ob auch das Frauenhaus in unserer Stadt mehr Geld vom Land bekommt und damit mehr Plätze schaffen kann, steht übrigens immer noch aus. Für das Dortmunder Frauenhaus ist das hingegen schon seit sieben Wochen klar. Bei einer Anfrage unserer Redaktion im NRW-Gleichstellungsministerium am Donnerstag vergangener Woche hatte ein Sprecher auf die seit Mitte Oktober geltende Vereinbarung mit den Spitzenverbänden der Wohlfahrtspflege verwiesen.

"Uns wurde gesagt, unser Antrag sei noch in Bearbeitung", sagte Lasser-Moryson dazu. Zurück zum Jahresempfang: Da gab es auch die positive Nachricht, dass es in diesem Jahr ein eigenes Büro geben soll mit einem offenen Beratungsangebot für Frauen und Kinder, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. 72 Fälle wurden 2018 der Polizei gemeldet, die dann automatisch das Frauenhaus einschaltet.

Vor Ort allerdings kann eine solche Beratung nicht realisiert werden, bislang weichen die Frauen auf ein Café aus. Für Gespräche in schwierigen Situationen nicht der optimale Ort. Gemeinsam mit der Stadt wird nach einer Lösung geguckt. "Wir wollen mehr präventiv arbeiten, nicht bloß Nachsorge machen", so Lasser-Moryson. Denn die Gewalt gebe es auch mitten unter uns - in Castrop-Rauxel. Dagegen müsse etwas getan werden, auch in der Arbeit in Schulen.

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