Klimawandel

In den Wäldern kommen jetzt neue Baumarten zum Einsatz

Im Grutholz werden bald neue Bäume gepflanzt. Eine Fragebogenaktion hat gezeigt: Viele Menschen wissen die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald nicht einzuschätzen.

Die große Küsten-Tanne soll einziehen ins Revier des RVR-Forstbetriebsbezirks Mitte, das sich in der Gegend von Gelsenkirchen bis Bochum auf 1734 Hektar erstreckt - 454 Hektar davon in Castrop-Rauxel. RVR-Förster Matthias Klar erklärte in der Sitzung des Umweltausschusses am Dienstagabend die Gründe für diese Entscheidung. "Wir haben die Pläne aus dem Frühjahr dieses Jahres verworfen, in Castrop-Rauxel 15 Hektar Waldbestand zu durchforsten", sagte Klar. Grund dafür seien die hohen Ausfälle beim Nadelgehölz, bedingt unter anderem durch die lange Trockenheit seit dem Sommer und auch die immer noch existierenden Lücken durch den Pfingststurm Ela im Jahr 2014.

Hoher Brombeerbewuchs behindert

Seit Anfang dieses Jahres verfügt der RVR über eine Drohne, die aus 150 Metern Höhe klar macht, wie es etwa im Grutholz aussieht. Zu Fuß sei da zum Teil schweres Durchkommen, weil die Brombeeren in Brusthöhe stünden. Von den drei Hektar Waldfläche, die dort wieder aufgeforstet werden sollen, soll ein Drittel bestimmt sein für die große Küsten-Tanne, auf den beiden anderen sollen Stileichen, Hainbuche und Flatterulme zum Zug kommen. Auf der Pflanz-Agenda des RVR für die Küsten-Tanne stehen circa 5000 Exemplare. "Wir hoffen, dass wir dann 400 bis 500 dieser Bäume groß bekommen", sagte Klar. Fürs notwendige Mulchen gehe viel Arbeitskapazität drauf.

Das Grutholz stand auch im Mittelpunkt eines Vortrags von Fee Christiane Brauwers im Umweltausschuss. Die 22-Jährige aus dem Kreis Kleve, die derzeit einen Master-Studiengang in Forstwirtschaft in Hamburg absolviert, präsentierte ihre Bachelorarbeit zu Klimawandel und Urbanisierung, die sie festgemacht hat auch an einer Befragungsaktion von Spaziergängern im Grutholz.

Menschen wissen nicht, woran der Wald leidet

116 Leute habe sie während sieben Wochen befragt, 105 Fragebögen seien auswertbar gewesen, berichtete sie. Und sagte: "Grundsätzlich zeigten die Befragten großes Interesse am Zustand des Waldes." Sie nähmen zwar Veränderungen und Gefahren wahr, verbänden dies aber nicht mit den Auswirkungen des Klimawandels. Ihr Fazit: Es gebe dringenden Kommunikationsbedarf. "Der Klimawandel hat verheerende Auswirkungen auf den Wald."

Forstwirtschaftliches Handeln werde seit Jahren auf dem Prinzip der Nachhaltigkeit betrieben. Entnommen werden könne dem Wald nur so viel, wie tatsächlich auf der anderen Seite auch an Potenzial nachwachse. In fast 50 Prozent der Flächen im Grutholz seien mittlerweile Totholzbestände vorzufinden.

Bewusstsein muss entwickelt werden

Genau an dieser Stelle, das wurde deutlich, geht es offenbar darum, einen Mittelweg zu finden. Auf der einen Seite spiele gerade das Totholz eine elementar wichtige Rolle für Kleinstlebewesen, auf der anderen Seite koste so eine Waldnutzung auch viel Geld. Und der Druck auf den Wald, der wachse ständig, vor allem wegen seiner Funktion als Naherholungsort.

"Ein Freizeitwert, den wir alle gerne nutzen", kommentierte Josef Berkel (CDU). Grünen-Fraktionschef Bert Wagener sagte: "Wir sind gefragt, das Bewusstsein der Menschen zum Wald entwickeln zu helfen, das kommt nicht von alleine."

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