Körperverletzung

Opfer erzählt von einer Autofahrt mit Schlägen und Bissen

Am Castrop-Rauxeler Amtsgericht ging es jetzt noch einmal um einen Fall von Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Beleidigung. Die Schilderungen könnten nicht gegensätzlicher sein.

Die Zeugenvernehmung war sichtbar eine Tortur für die 20-jährige Zeugin. Erst brachte sie keinen Ton heraus, dann schilderte sie mit leiser Stimme eine dreistündige Autofahrt mit dem 42-jährigen Angeklagten, die Auslöser für die Anzeige war wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Beleidigung.

Im Sommer 2017, da war die Zeugin gerade 18 geworden, hatten die beiden eine Beziehung. Heimlich. Die habe sie, so die junge Frau, aber im Oktober 2017 beendet. Man habe sich nicht mehr gesehen, wohl aber über elektronische Medien noch Kontakt gehabt. Während dieser Zeit hielt sich der Angeklagte wegen eines Todesfalls in seiner Familie rund ein Vierteljahr in seiner Heimat auf, suchte nach seiner Rückkehr im April 2018 Kontakt, fing die Ex-Freundin eines Nachmittags vor ihrer Arbeitsstelle ab.

Beide hatten Blessuren

Dort begann die lange Fahrt, deren Schilderung stark voneinander abweicht. Während der 42-Jährige durch seinen Anwalt vor zwei Wochen vortragen ließ, man habe mehrere Stopps eingelegt, bei Spaziergängen versucht, die Wogen zu glätten, schilderte die 20-Jährige, dass die Fahrt nicht unterbrochen worden sei.

Der Mann habe ihr gleich zu Beginn das Handy weggenommen. Wohl, um Infos über ihren neuen Freund zu finden, den sie seit einiger Zeit hatte. Die ganze Fahrt über habe er geschrien, an ihren Haaren gezerrt, ihren Kopf vor die Scheibe geschlagen. Als sie ihm den Mund zuhalten wollte, habe er ihr in den Arm gebissen. Sie gab aber auch zu, sich gewehrt zu haben. Atteste bestätigen bei beiden Blessuren.

Hilfe einer Bekannten

"Hatten Sie denn keine Gelegenheit, unterwegs auszusteigen", wollte der Richter wissen. "Nein, keine Chance", sagte sie, außerdem habe er ja auch ihr Handy und ihren Schlüssel, den er ihr ebenfalls abgenommen hatte, gehabt. Das Auto konnte sie erst nach rund drei Stunden auf dem Parkplatz eines Discounters verlassen, wo der Mann Getränke kaufen wollte. Sie lief ebenfalls in den Laden, sah dort eine Bekannte und bat um Hilfe. Die 27-Jährige brachte die aufgelöste Frau nach Hause, konnte sich von dem Angeklagten, wie sie als Zeugin am ersten Verhandlungstag geschildert hatte, zuvor auch noch Handy und Schlüssel der Geschädigten geben lassen, als er ihnen mit seinem Wagen entgegen kam.

Seit diesem Vorfall ist die junge Frau in therapeutischer Behandlung, leidet an Angststörungen, ist mit ihrer Familie inzwischen in eine andere Stadt gezogen. Bevor der Richter ein Urteil fällt, sollen alle Beteiligten Gelegenheit haben, die Sachlage zu überdenken. Auch weitere Zeugen sollen noch gehört werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Westerholter Sommerfest: Enttäuschung zum kleinen Jubiläum
Westerholter Sommerfest: Enttäuschung zum kleinen Jubiläum
Hertens Bürgermeister Toplak kommentiert die Gegenkandidatur seines langjährigen Bekannten
Hertens Bürgermeister Toplak kommentiert die Gegenkandidatur seines langjährigen Bekannten
Am Montag startet die Baustelle in Marl-Brassert: Worauf sich Autofahrer einstellen müssen
Am Montag startet die Baustelle in Marl-Brassert: Worauf sich Autofahrer einstellen müssen
Halb Waltrop lernte hier schwimmen - jetzt liegt das Gebäude in Trümmern
Halb Waltrop lernte hier schwimmen - jetzt liegt das Gebäude in Trümmern
Den Bächen in Recklinghausen geht das Wasser aus - Amphibien werden "obdachlos"
Den Bächen in Recklinghausen geht das Wasser aus - Amphibien werden "obdachlos"

Kommentare