Kultur im Knast

Kalle Pohl gab sich bei seinem Auftritt im Meisenhof ganz offen und ehrlich

Mit "Von allem das Beste" eröffnete Kalle Pohl jetzt die Kultur-im-Knast-Saison in der Justizvollzugsanstalt Castrop-Rauxel. Und verriet so manches Geheimnis.

Mit ihm betrat ein ganz Großer die Bühne. Dabei ist er körperlich, mit 1,69 Metern, eher ein kleiner Mensch. Daraus machte er auch keinen Hehl. Mit seinem neuen Programm versprach er "Von allem das Beste". Ein Best-of-Programm von einem Künstler, der bereits seit 38 Jahren auf der Bühne steht. Hört sich das etwa nach einer Abschiedstournee an? "Nein", verspricht Kalle Pohl. "Das ist höchstens meine letzte Tour. Danach kommt die allerletzte, dann die ultimativ letzte und zum Schluss die allerallerletzte." Damit spielte er auf so manchen Kollegen an.

Intelligente und gleichzeitig komische Highlights

"Kalle Pohl ist ein Künstler, der sein Handwerk bestimmt von der Pieke auf gelernt hat", vermutete JVA-Mitarbeiter Michael Piehl, der für dieBühnengestaltung verantwortlich war. Da lag er daneben. Kalle Pohl hat niemals eine Schauspielschule besucht. Seine Kunst komme aus ihm selbst - aus seinem Inneren, so Pohl. Er lieferte intelligente und gleichzeitig komische Highlights. Für aberwitzige Dialoge mit erfundenen Figuren erntete der Künstler viel Applaus.

Dabei kommt er ganz ohne derbe Schenkelklopfer aus. Er verzichtet bewusst auf schrille Verhohnepipelung seiner Mitmenschen, macht sich nicht auf Kosten anderer lustig. Vielmehr lässt er dem Zuschauer bei seinen Liedern, Gedichten und Dialogen mit Tante Mimi, Vetter Hein Spack oder dem ungeliebten Schang Raum für die eigene Fantasie. Das kam sehr gut an, weil das Publikum bei den unvollendeten Gags über seine eigenen Gedanken lacht. Sein Akkordeon setzte er dabei als Begleiter auf der Bühne ein.

Im zarten Alter von neun Jahren fing alles an

Im zarten Alter von neun Jahren fing alles an. "?Quatsch' hieß mein Programm damals", erinnerte der Künstler sich. Seitdem ließ ihn der Gedanke, Quatschmacher zu werden, nicht mehr los. "Ich bin ein Spaßhandelsreisender", sagte er mit einem verschmitzten Lächeln. "Damals war es einfach undenkbar, mein Talent zum Beruf zu machen", erzählte er.

"So was kannst du beim Gemeindekarneval machen", so sein Vater damals. Weil er erst etwas Anständiges lernen sollte, wurde er Koch und dann Polizist. Und nachdem ihm das "Lalülala" als Polizeihauptwachtmeister zu langweilig wurde, konnte er große Erfolge bei "7 Tage 7 Köpfe" mit Rudi Carrell feiern. Er erhielt den deutschen Comedy-Preis und den "Goldenen Löwen" in Berlin. Und je Menge Applaus im Meisenhof in Ickern.

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