Laubholzbestände gehen zurück

Neun Prozent der RVR-Wälder sind in Castrop-Rauxel kaputt

Castrop-Rauxel - Von 75 Hektar der Laubholzaltbestände in den Castrop-Rauxeler Wäldern des Regionalverbandes Ruhr (RVR) sind fast 42 Hektar nicht mehr bewaldet oder lösen sich auf. Das entspricht immerhin neun Prozent der insgesamt 454 Hektar Wald des RVR in Castrop-Rauxel. Die Luft leidet unter dem fehlenden Grün.

Die alarmierenden Zahlen nannte RVR-Förster Matthias Klar in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses. "Der Bestand ist da buchstäblich in den Wicken", sagte Klar. Als Gründe nannte Klar den Pfingststurm Ela 2014, das Absterben von Altbuchen durch Wurzelschäden, lange Trockenperioden im Herbst 2016 und im Frühjahr 2017, Rindenbrand, weil die Bäume nach dem Sturm ungeschützt der Sonne ausgesetzt waren und einfach fehlende Altbuchen und Alteichen, die Samen abwerfen.

Konkurrenz macht den Laubbäumen zu schaffen

Und dann gibt es noch die überwiegend flächendeckende geschlossene Konkurrenzflora: Sprich die hartnäckige Brombeere, den Adlerfarn, den japanischen Staudenknöterich oder die spätblühende Traubenkirsche: Eine natürliche Verjüngung des alten Baumbesatzes sei so nicht hinzukriegen, erklärte Klar. Standorte für diesen Altbestand sind das Castroper Holz, das Grutholz und der Beerenbruch. 422.000 Euro, rechnete er vor, müsste man für eine künstliche Wiederbewaldung der jetzigen Schadensflächen aufwenden. Dabei rechnete er 1500 Euro fürs Mulchen eines Quadratmeters aus, 5000 Euro pro Hektar für Pflanzenankauf und für die Pflanzung selbst 0,61 Cent pro Stück.

"Dass uns Land oder Bund da helfen, scheidet nach jetzigem Stand aus", sagte Klar. Offen blieb, wie der RVR in dieser Sache weiter vorankommt. Bei Ersatzpflanzungen, erklärte Klar, arbeite man hauptsächlich mit Stileichen, Buchen kämen mit den veränderten Bodenverhältnissen - bedingt durch den Klimawandel - überhaupt nicht gut zurecht. Auf der Hand liegt, dass neun Prozent weniger Wald für einen deutlich verringerten Abbau von Schadstoffen aus der Luft sorgen, hielt die Ausschussvorsitzende Notburga Henke (Grüne) fest.

Grenzwerte in der Altstadt knapp verfehlt

Die Luftgüte in Castrop-Rauxel ist nicht gerade überragend. Bei Feinstaub und Stickstoffdioxid, das sind die wichtigsten Schadstoff-Komponenten in der Luft, schrammte Castrop-Rauxel zuletzt nur knapp an den Grenzwerten vorbei. Berechnet wurde dies zuletzt Ende 2017 explizit für die Altstadt, weil hier die Luft am dicksten ist.

Offizielle Messgeräte oder -stationen gibt es in Castrop-Rauxel nicht. Also muss auf Grundlage von Referenzwerten gerechnet werden: Danach wurde etwa am Biesenkamp in einem ersten Abschnitt ein Wert von 38,1 Mikrogramm für Stickstoffdioxid berechnet, hier liegt der Grenzwert bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Den Höchstwert bei Feinstaub gibt es an der Wittener Straße (B 235) mit 26,1 Mikrogramm, hier liegt der Grenzwert bei 30 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Über Erfahrungen mit Luftreinhalteplänen verfügt Castrop-Rauxel durchaus. Den ersten stellten vor 15 Jahren in einer konzertierten Aktion Bezirksregierung, Stadt, Kreis, IHK, Naturschutzverbände, Landesumweltamt, Staatliches Umweltamt sowie Rütgers auf die Beine.

In der Messstation Cara 6 an der Juliusstraße in Rauxel waren 2003 der Wert von 19,5 Mikrogramm Benzol gemessen worden. Zehn Mikrogramm pro Kubikmeter bildeten seinerzeit den Grenzwert, ab dem Jahr 2010 sollten es fünf Mikrogramm sein.

Rütgers schaffte es damals mit hohen Investitionen schnell, den Benzolausstoß deutlich zu reduzieren. Das Unternehmen investierte mehr als 19 Millionen Euro dafür. 2005 gab es an Cara 6 nur noch 2,75 Mikrogramm Benzol.

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