Was macht der Vizepräsident des CCCS?

Ralf Renker ist ein Botschafter des Karnevals

Castrop-Rauxel - Ein eigenes Prinzenpaar ist zwar längst Vergangenheit. Die Begeisterung bei den Karnevalisten vom CCCS Rot-Weiß fürs Feiern aber ist geblieben. Bei Präsidentin Conny Straßmann sowieso. Aber auch bei ihrem Stellvertreter Ralf Renker. In unserer Serie "Die Nummer 2" stellen wir heute den Vizepräsidenten vor - und erfahren dabei, wie wohl er sich in seiner Nebenrolle fühlt.

Man könnte ihn durchaus als Botschafter bezeichnen - für den Spaß an und mit dem Karneval. Aber für Ralf Renker, der seit vielen Jahren beim CCCS Rot-Weiß als Vize die zweite Geige hinter Vereinspräsidentin Conny Straßmann spielt, geht es beileibe nicht nur um Spaß, sondern auch um gelebte Gemeinschaft, um Verantwortung. Es geht um den Nachwuchs und die Älteren. "Freude erleben zu dürfen und Anlass dafür zu sein, ist auch ein Geschenk", sagt der 58-Jährige.

Er wohnt gar nicht in unserer Stadt, aber er ist auch ein Stückchen Kind geblieben in Castrop-Rauxel, wo er aufgewachsen ist. An der Funkestraße auf Schwerin, wo er als Steppke auf der Halde gespielt hat, sich den Hang hoch eroberte, als der Bergbau auf Graf Schwerin noch dampfte, die Züge ratterten und die Schlacke aus dem Kohleabbau den kleinen Bengel schmutzig machte.

Renker wohnt in Lütgendortmund

Ralf Renker lacht, Erinnerungen brechen sich Bahn. Renker ist in Lütgendortmund zu Hause, im Dreistädteeck zwischen Bochum, Dortmund und Castrop-Rauxel. "Bei uns kannst Du vorne auf das Nummernschild Dortmund draufschreiben und hinten Bochum", sagt der Mann vom Harpener Hellweg. Und wenn die B 235 leer ist, sei er in Nullkommanichts in Castrop-Rauxel.

Hier hat er sein Herz für den Karneval als ganz junger Mann entdeckt. Geküsst vom Zufall. Vorher hatte er damit rein gar nix am Hut, den er heute gerne aufsetzt. Wenn er der heiß geliebte "Onkel Ralli" ist. Aber davon später mehr. Renker ist Opelaner. "Ich hatte einfach mal Glück", erzählt er. Als gelernter Kfz-Mechaniker war er 25 Jahre bei dem Autobauer, bei dem in Spitzenzeiten mal fast 800 Castrop-Rauxeler Brot und Arbeit fanden. "Ich kam raus in den Ruhestand, die Kollegen, die nach dem Stichtag 1. Januar 1960 registriert waren, nicht", sagt er.

Kollege brachte in zum Karneval

Es war bei den Verpackungswerken Thimm in Merklinde, bei denen Reker vor seiner Opel-Zeit arbeitete, wo ihm der Karneval begegnete und seine Freizeit entscheidend beeinflussen sollte. Ein Kollege berichtet ihm vor vielleicht 35 oder 36 Jahren, so ganz genau weiß er es nicht, vom CCCS Rot-Weiß, der ausgeschrieben Carnevals Club Castrop-Rauxel Rot-Weiß heißt und der der älteste und mitgliederstärkste Karnevalsverein in unserer Stadt ist. Dessen Männerballett brauche Verstärkung und er sei der richtige Mann dafür. "Ich hatte das schon verdrängt, und dann kam vor dem ersten Training in der neuen Session eine Erinnerung von dem Kollegen", sagt Renker. Für den stand eigentlich fest, dass Karneval und Fröhlichkeit so auf Kommando nichts taugten. Ihm kam alles so klischeehaft vor. Er ging trotzdem hin. Und fand das, woran heute noch immer sein Herz hängt.

Renker tanzte mit im Männerballett. Die Stachelbären machten Furore. Weit über die Stadtgrenzen hinaus. Mit Conny Straßmann als Trainerin. Sie tanzten den Sterbenden Schwan, was Pina Bausch oder Tschaikowsky dazu gesagt hätten, war ihnen schnuppe, sie übertrafen sich selbst, wenn sie die Deutungshoheit gewannen über das, was im Karneval das Maß der Dinge ist: die pure Freude am Leben. Und sie bekamen jede Menge Orden dafür. Preise vom Bund Ruhr Karneval. Der hat Renker vor zehn Jahren mit dem "Schwarzen Diamanten" ausgezeichnet, mehr geht nicht. Für den jungen Ralf Renker war die Anerkennung ein bisschen auch Krönung, dabei ist er überhaupt kein lauter Selbstdarsteller. 2016 war Schluss mit den Stachelbären.

Rote Fußnägel im Opelwerk

Aber zurück zur Premiere: Montag war Schicht bei Opel. Am Sonntag hatte er sich die Fußnägel noch rot lackiert. Für die erste Nummer als Stachelbär. Ab zur Oma und Nagellackentferner besorgen. Dumm gelaufen, das war ein Klarlack, mit dem die Oma aushelfen wollte. "Kam gut unter der Dusche im Werk bei Opel", erinnert er sich schmunzelnd.

Als der CCCS Rot-Weiß, dessen Wiege auf Schwerin stand, vor 59 Jahren gegründet wurde, ist Renker zur Welt gekommen. "Das war vielleicht ?ne Fügung", sagt er heute. Seit 19 Jahren ist er Vize-Präsident des Vereins, der für ihn auch ein Stück Heimat ist. Seinen Part als Nummer Zwei liebt er. "Conny kann keiner überbieten", sagt er. Er fügt hinzu: "Wir sind wie eine Familie."

Seit vielen Jahren "Onkel Ralli"

Seit vielen Jahren ist der Kinderkarneval des CCCS am Sonntag vor dem Rosenmontag in der Europahalle seine ganz persönliche Bütt. Dann lebt er auf als "Onkel Ralli". Der Name stammt übrigens auch von Conny Straßmann. "Onkel Ralli" ist Garant dafür, dass weit über 1000 Kinder jedes Jahr Spaß haben am Karneval in Castrop-Rauxel. Dann zieht er sich seine Jacke an, setzt sich einen Hut auf. Und improvisiert. Macht sein Programm, damit die Kinder richtig Spaß haben. "Wenn dir 1300 Kinder zujubeln, weißt du, dass du alles richtig gemacht hast", sagt er. Und das gehe runter wie Butter.

Er versucht, die Kinder auf spielerische Art mitzunehmen. Aber auf der Hut ist der Mann mit dem Hut schon ein bisschen, wenn er mit Martin Donsbach, der ihn bei der Programmgestaltung unterstützt, guckt, was denn so angesagt sein könnte bei den Spielen. "Da sagst du ja was, und das ist immer auch irgendwie eine Botschaft, an der du gemessen werden könntest", erklärt er. Wichtig sei auf jeden Fall, offen zu sein fürs Improvisieren. Und auch an sich zu glauben, das hinkriegen zu können.

Seine Kinder sind keine Karnevalisten

Unterstützung aus seiner Familie ist ihm gewiss. Sein Sohn hat es nicht so mit Karneval, verrät er. Seine Tochter auch nicht. Aber der Enkel, der könnte vielleicht mal in die Kerbe hauen. Und die Hilfe seiner Frau, die ist klar. Die hat er vor 29 Jahren über den Karneval kennen gelernt. Er kannte ihren Bruder. Der Rest ist dann doch zu privat, um es hier aufzuschreiben.

Für Ralf Renker steht fest, dass sein Ehrenamtsjob als Vize des CCCS Rot-Weiß weiter sein Leben begleiten wird. "Wenn wir abdanken, tun Conny und ich das vielleicht gemeinsam", sagt er. Bange um den Nachwuchs sei ihm dabei nicht. "Unser Potenzial für den Nachwuchs ist da", sagt er. Es sind immerhin 120 Kinder, die der CCCS Rot-Weiß da in seinen drei Tanzgarden betreue, in denen er mit ihnen arbeite, und immer wieder deren Begeisterung spüre. Nein, Nachwuchssorgen, wie sie viele andere Vereine auch in unserer Stadt beklagen, gibt?s beim CCCS nicht.

Vereinsleben geht nach Aschermittwoch weiter

Sein Job als Vize bedeutet, dass er nicht nur Moderator in der fünften Jahreszeit ist, sondern mit dafür sorgt, dass die Karnevalsfamilie inneren Zusammenhalt lebt. Keine Frage: Am Aschermittwoch ist das Leben für die Narren nicht vorbei, auch wenn?s deutlich ruhiger wird. "Wir geben uns Mühe, dass alle bei der Stange bleiben", sagt er. Die Leute vom CCCS Rot-Weiß organisieren Ausflüge, setzen sich einmal im Quartal zusammen, um ihre To-do-Liste abzustimmen. Denn das Ganze hat auch mit Geld zu tun. Neben Conny Straßmann und Ehrenpräsident Hans-Günter Brand ist Renker eingetragen bei Gericht, steht für den eingetragenen Verein gerade.

"Wir müssen ja gucken, dass wir genug Geld erwirtschaften, also auch mit Eigenkapital dafür stehen, dass wir etwa den Kindern den Karneval in dieser Form ermöglichen können", erklärt er. Aktuell hat der Verein sieben Funkenmariechen. Schuhe und Strumpfhose zu zahlen, das ist dabei Part der Eltern. Fürs Kostüm kommt der CCCS auf. Das sind richtige Belege. Die Kostüme kosten richtig Geld, bis in den vierstelligen Bereich hinein.

Keine Nachwuchsprobleme

Speziell nach dem Kinderkarneval mit Onkel Ralli komme die große Euphorie auf, einmal mittanzen zu dürfen, "glänzende Augen auf der Bühne zu erleben, wenn der Applaus kommt", sagt Renker. Von zehn Kindern, die kämen, blieben am Ende vielleicht drei. Aber das sei schon gut. "Wir sind eben Botschafter für Spaß, Freude am Leben und die Devise, dass es mit Humor leichter geht", erklärt Onkel Ralli.

Er sagt: "Die Bühne macht einfach Spaß." Sein ureigenes Ding. Neben seiner Liebe zu Hunden. Aber auch das ist eigentlich eine andere Geschichte. Nur soviel: Ares ist fünf Monate jung. Der Nachfolgehund von Apollo, den es nicht mehr gibt. Und um den es viel Tränen gab. "Wir müssen immer schauen, dass wir vorwärts gucken", sagt Ralf Renker, "bei den Menschen und den Tieren, die uns anvertraut sind."

"Der Ralf ist herzensgut"

Conny Straßmann sagt einfach: "Der Ralf ist herzensgut. Mit einem großen Herzen für Tiere, Kinder und alle Menschen. Und eben immer freundlich." Sie macht schnell noch ein bisschen Werbung für den karnevalistischen Frohsinn: 2,5 Millionen Narren sind in 5300 Karnevalsvereinen engagiert - die neueste Zahl von der Jahreshauptversammlung des Bundes Ruhr Karneval am Sonntag.

Eins kommt zum Schluss: Der Castrop-Rauxeler Karnevalist zündet seine Rakete selbstverständlich drei Mal mit Castrop Helau, bei "Onkel Ralli" heißt es an dieser Stelle Ritsche Ratsche. Renker gibt das erste Wort vor, das Ratsche kommt aus 1300 Kinderkehlen. Für den Vize mit das schönste Geschenk.

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