Neue CD am Start

Terrortucken könnten sich auch am Ballermann vorstellen

Castrop-Rauxel - Sie wollen anders sein als andere und stehen für Respekt und Toleranz. Die Terrortucken aus Castrop-Rauxel treten in ganz NRW auf. Mit ihrer neuen CD "Tanz unterm Regenbogen" können sie sich sogar Auftritte am Ballermann vorstellen. Gründer Jörg Schlösser spricht im Interview über die Entstehung des Songs und die Showbranche.

Was kann ich mir unter der CD "Tanz unterm Regenbogen vorstellen"? Machen Sie ruhig mal ein bisschen Werbung.

Es ist ein Remake. 1997 hat ein Kölner Künstler ihn herausgebracht. Der Song ist ein absoluter Ohrwurm und wurde damals hauptsächlich auf Christopher Street Days (CSD's) gespielt.

Wie kam es zum dem Song?

Wir wollten noch eine CD aufnehmen. Ich habe lange überlegt, was wir machen wollen. Schnell war klar, dass es ein Coversong wird. Ich musste mich zwischen zwei Songs entscheiden und habe "Tanz unterm Regenbogen" gewählt. Das Ziel der Terrortucken ist es ja, alle Menschen miteinander zu verbinden. Und genau das kommt auch in dem Songtext vor. Den Text haben wir nicht verändert, das darf man bei Coverversionen auch nicht. Wir haben nur die Musik dem Jahr 2017 angepasst und die Geschwindigkeit etwas erhöht.

Darf man denn so einfach einen Song covern?

Nein, wir mussten bei der damaligen Plattenfirma um Freigabe bitten. Denn dort liegen ja die Rechte an dem Lied. Das muss man auch machen, sonst bekommt man das Playback gar nicht. Und das braucht man, um den Song aufzunehmen. Das Team, das den Song damals produziert hat, war ganz begeistert von unserer Idee.

Wo wurde der Song aufgenommen?

Produziert haben wir den Song in einem Studio in Witten. Roger Hunt, ein bekannter DJ aus Hamburg, hat für die CD dann noch einen Remix des Lieds gemacht. Das hat er auch schon bei unserer ersten CD. Ich bin dabei in einer Doppelrolle aufgetreten: als Sänger und als Produzent. Der Rest der Terrortucken tritt als Background-Chor an, während ich solo die Strophen singe.

War das bei der ersten CD auch schon so?

Nein, da war das anders. Da wurde uns der Song präsentiert und ich konnte sagen, ob wir es machen, oder nicht. So viel mitgestalten wie jetzt konnten wir damals nicht.

Zu dem Song gibt es auch ein Video. Wo wurde das gedreht?

Es war witzig, denn wir haben mit der Produktionsfirma lange nach einer Location gesucht. Niemand anderes als Bert Wollersheim (Rotlichtkönig aus Düsseldorf und Trash-TV-Promi, Anm.d.Red.) hat uns dann den Tipp gegeben. Er kannte eine Table-Dance-Bar in Duisburg und hat den Kontakt vermittelt.

Er ist durch sein Engagement bei der Aids-Gala ein Freund der Terrortucken geworden. Die Table-Dance-Bar passte perfekt. Dort ist alles verspiegelt und in weiß gehalten. Der Betreiber war den ganzen Tag beim Dreh dabei und nachher auch auf der Aids-Gala. Das Video scheint anzukommen, denn wir hatten innerhalb einer Woche schon 30.000 Aufrufe bei Youtube.

Dann haben die Terrortucken in der Bar auch an der Stange getanzt?

Ja, ein paar schon. Ich aber nicht (lacht laut).

Ist man nicht furchtbar aufgeregt, wenn man in einem richtigen Musikstudio steht und dort einsingen muss?

Ich muss sagen, im Studio bin ich nicht so aufgeregt. Wir haben den Song in diesem Jahr zum ersten Mal bei der Aids-Gala aufgeführt. Das war unser großer Testlauf. Da war ich wirklich aufgeregt. Denn da standen über 2000 Leute und man weiß nicht, wie der Song ankommt. Aber die Leute haben es abgefeiert und fanden es genial.

Da ist man dann aber auch erleichtert, oder?

Schon, aber ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl bei dem Lied. Ich bin aber auch eher der optimistische Typ. Und wir haben ein Jahr lang an der neuen Show geprobt. Das musste klappen.

Was ist denn das Besondere an der neuen Show?

Sie ist ziemlich kontrovers, beginnt mit einem Stück von Falco, dann läuft der "Schrei nach Liebe" von den Ärzten und dann kommt unser "Tanz unterm Regenbogen". Aber diese Vielfalt macht unsere Shows aus. Jeder Auftritt von uns ist anders.

Sie setzen bei dem Lied ja auch ein politisches Statement...

Ja, das stimmt. Bei der Zeile "haltet unsere Fahnen hoch" halten wir nicht nur eine Regenbogen-Fahne, sondern auch eine Anti-Putin-Fahne hoch. Denn in Moskau herrscht ziemlicher Hass gegen Homosexualität und die Terrortucken stehen für Toleranz und gegen Homophobie. Als wir beim Supertalent mitgemacht haben, haben wir die Fahne auch schon gezeigt.

Wie viele Auftritte machen die Terrortucken denn eigentlich in einem Jahr?

Wir können gar nicht alle Auftritte annehmen, für die wir angefragt werden. Denn wir haben alle noch einen Hauptjob und jede Woche trainieren wir einmal. Wir bekommen viele Anfragen, denn wir haben uns NRW-weit einen Namen gemacht. Es gab zum Beispiel Überlegungen, mit Willi Herren bei einer Après-Ski-Party aufzutreten, aber das passte zeitlich nicht.

Mit 25 Leuten ist es nicht einfach, alle unter einen Hut zu bekommen. Aber die Terrortucken müssen nicht zwangsläufig mit Allemann auftreten.

Dann sehen Sie sich aber trotzdem häufig oder?

Ja klar. Aber wir sind mittlerweile mehr wie eine Familie geworden. Wir unternehmen auch so privat Vieles zusammen. Jeder, der bei uns mitmachen will, muss auch zu uns passen. Wir sind schräg, wir sind nicht konservativ. Unser Motto lautet ja "Anders sein als andere". Und das sind wir: anders. Das heißt aber nicht, dass wir alle homosexuell sind, wie viele denken. Die meisten von uns haben Familie. Das jüngste Mitglied ist 16 und das älteste 62.

Haben Sie denn genug Mitglieder oder könnte es ein bisschen mehr sein?

Irgendwann muss man Stopp sagen, aber wir sind natürlich froh, wenn jemand bei uns mitmachen möchte. Vor allem junge Männer haben wir viel zu wenig. Es gibt da schon einen Überschuss an Frauen (lacht).

Also melden sich viele, die bei den Terrortucken mitmachen wollen?

Ja, aber Viele unterschätzen das auch. Die sehen uns nur auf der Bühne und denken sich: Wow, da will ich auch mitmachen. Aber da steckt viel Arbeit hinter. Ich bin jetzt seit 27 Jahren im Showgeschäft und das ist nicht immer nur Kirschenessen.

Wer hat eigentlich die neue CD finanziert? Sowas kostet doch...

Die Terrortucken haben die CD selbst finanziert. Wir sind ein Verein, dem wir als Showgruppe angeschlossen sind. Wir hoffen aber, dass wir das Geld durch den CD-Verkauf wieder reinbekommen.

Können Sie sich vorstellen, das auch hauptberuflich zu machen?

Ich habe nicht die Illusion, dass das passiert. Ich habe jetzt Spaß daran und ich habe Angst, dass sich das ändert, wenn es zu meinem Hauptberuf wird und der Druck wächst. Ich bin froh, dass ich einen Partner habe, der da so mitzieht.

Und was, wenn der Ballermann auf Ihren neuen Hit aufmerksam wird?

Es kann schon sein, dass DJ's auf Mallorca unseren Song spielen. Da müssten wir dann gucken, ob wir zeitlich auch ein paar Auftritte dort hinbekommen.

Jetzt kommt erst mal Silvester. Und ein großer Auftritt der Gruppe?

Nein, wir haben in diesem Jahr bewusst keine Auftritte für Silvester angenommen. Wir schmeißen eine große Privatparty. In diesem Jahr haben wir keine Auftritte mehr. Im Januar und Februar sind wir schon wieder komplett ausgebucht.

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