Organtransplantation

Mehr Organspenden - Rochus-Experte sieht aber noch keine Trendwende

Die Zahl der tatsächlich erfolgten Organspenden hat im laufenden Jahr zugenommen, vermeldet die DSO. Ist das eine Trendwende? Wir befragten Oliver Lohr vom Rochus-Hospital.

Die Geschichte von Klaus Baumert aus Ickern, die wir vor einigen Wochen hier erzählten, ist die einer geglückten Organspende: Der 71-Jährige lebt seit inzwischen fast zehn Jahren mit dem Herzen eines anderen Mannes weiter, der 2008 Hirntod war, aber ein gesundes Herz im Leib trug. Sein Schicksal war das Glück der Baumerts.

In den vergangenen Jahren ging aber wohl auch aufgrund verschiedener Organspende-Skandale die Zahl der Spender zurück. Die Warteliste auf Spender-Nieren, -Lebern oder -Herzen, die in Deutschland bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) geführt wird, wurde über die Jahre immer länger. Das Jahr 2018 könnte aber eine Trendwende bringen. Denn die DSO sagte jetzt auf einer Tagung, dass bis Mitte November 832 Spender registriert wurden. Das sind jetzt, also anderthalb Monate vor Jahresende, schon mehr als im gesamten Vorjahr, als es nur 797 Organentnahmen zu Spendenzwecken waren - der Tiefpunkt der vergangenen 20 Jahre.

1317 Nieren, 644 Lebern, 286 Lungen, 245 Herzen

In diesem Jahr konnten bis Mitte November nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP 2566 Organe aus Deutschland an schwerkranke Patienten vermittelt werden: 1317 Nieren, 644 Lebern, 286 Lungen, 245 Herzen, 72 Bauchspeicheldrüsen und 2 Dünndärme. Die DSO erklärte: "Jedes einzelne Organ bedeutet Hoffnung für schwerkranke Menschen, für die es keine anderen Therapiemöglichkeiten mehr gibt." Wie für Klaus Baumert vor zehn Jahren.

Aber ist das schon eine Trendwende? 2009, 2010 und 2011 lagen die Zahlen noch bei über faktischen 1200 Organspendern. Oliver Lohr, Standortleiter am Rochus-Hospital und Mitglied der Arbeitsgruppe Organspende bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft, sagte am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion: "Grundsätzlich ist positiv zu bewerten, dass das Thema Organspende in der Öffentlichkeit diskutiert wird. 832 Spender hochgerechnet auf das Jahr sind 870, vielleicht 900. Das ist zwar besser als im letzten Jahr gut, aber noch längst nicht genug. Daher stellt das für mich leider noch keine Trendwende dar."

Diskussion schaffe mehr Öffentlichkeit

Die Diskussion schaffe mehr Öffentlichkeit. Nach DSO-Einschätzungen führe das vor allem dazu, dass Ärzte und Pfleger in den Kliniken eine höhere Sensibilität an den Tag legten dafür, dass bei der Feststellung eines Hirntodes die entsprechenden Maßnahmen ergriffen werden, um die Organspende dann überhaupt erst zu ermöglichen.

Auch die politische Debatte, zuletzt im Bundestag ausgefochten, über das Spendeverfahren in Deutschland trägt womöglich dazu bei. "Sie schafft mehr Öffentlichkeit, das ist sehr gut", so Lohr. Persönlich würde er sich wünschen, dass es zur Widerspruchslösung kommt, nach der also jeder, der nicht widerspricht, automatisch im Falle eines Hirntodes Organspender würde. "Ich erwarte dadurch eine deutliche Erhöhung der Spenderzahlen", so Lohr. Unabhängig davon verweise er aber auf den Spenderausweis: "Dieser ist unabhängig von jedem Gesetz die beste Regelung. Jeder sollte sich einen zulegen. Es gibt ihn kostenlos in Krankenhäusern, Apotheken und bei niedergelassenen Ärzten", so Lohr.

Organentnahmen hier sind äußerst selten

Sowohl im Rochus-Hospital als auch im Evangelischen Krankenhaus kommt es äußerst selten zu einer Organentnahme. Die Patienten, die einen Hirntod erleiden, aber ansonsten ein gesundes Organsystem haben, werden meist in Traumazentren in der Umgebung gebracht. In den vergangenen Jahren kam es in Castrop-Rauxel nur in zwei Fällen zu einer Organentnahme.

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