Pfandbetrüger fliegt auf

27-Jähriger soll über eine Million Euro erbeutet haben

Castrop-Rauxel/Bochum - Mit manipulierten Pfandflaschenautomaten soll ein Familienvater aus Castrop-Rauxel einen Millionenschaden angerichtet haben. Vor Gericht beteuert er seine Unschuld und sagt, dass er nur als "Strohmann" fungiert habe.

Einwegbehälter reinlegen, abscannen und klein schreddern lassen, Pfandquittung ziehen: So oder so ähnlich funktionieren üblicherweise Rücknahmeautomaten für Pfandflaschen oder -dosen. Vor dem Bochumer Landgericht hat am Mittwoch ein Prozess um einen millionenschweren Trickbetrug mit Hilfe von zwei manipulierten Pfandautomaten begonnen. Auf der Anklagebank sitzt ein 27-jähriger Ex-Azubi aus Castrop-Rauxel. Es geht um still gelegte Schredder-Walzen, fünf Millionen Scan-Vorgänge mit immer denselben Flaschen und um rund 1,2 Millionen Euro Schaden für die Getränkeindustrie.

Millionenschaden laut Anklage

Die Anklage ist ein echtes Schwergewicht: Laut Staatsanwaltschaft soll der Castrop-Rauxeler von Juli 2013 bis Februar 2014 in seiner Eigenschaft als alleiniger Geschäftsführer einer Getränkehandel GmbH einen Millionenschaden angerichtet haben. Er soll zwei Rücknahmeautomaten gezielt so manipuliert haben, dass die eingelegten Pfandbehälter nach dem Abscannen nicht zerstört, sondern stattdessen völlig unbeschädigt entnommen und dann immer wieder aufs Neue in den Automaten eingelegt werden können. Insgesamt geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Angeklagte im fraglichen Zeitraum vorgetäuscht hat, von mindestens fünf Millionen Flaschen oder Dosen den Barcode abgescannt und Kunden das entsprechende Pfandgeld ausgezahlt zu haben. Anschließend habe er sich mit den dazugehörigen, betrügerisch erstellten Datensätzen insgesamt mehr als 1,2 Millionen Euro rückerstatten lassen. Unterm Strich geschädigt sind laut Anklage zahlreiche Getränkehersteller - von Adelholzener über Bacardi, Coca-Cola und Co. bis hin zu Veltins.

"Die Anklage gegen mich ist falsch"

Zum Prozessauftakt wies der Castrop-Rauxeler die Betrugs-Vorwürfe zurück. "Die Anklage gegen mich ist falsch", hieß es. Und weiter: "Ich kann zu der Vorgehensweise überhaupt nichts sagen. Ich war damals nur als Strohmann eingesetzt." Nach eigenen Angaben hat der 27-Jährige seinerzeit in Recklinghausen eine Ausbildung in der Versicherungsbranche gemacht.

In diesem Zusammenhang habe ihn dann eines Tages ein Kunde angesprochen und gefragt, ob er nicht Lust hätte, Geschäftsführer einer Getränkehandel-Firma zu werden. Für 1600 Euro brutto nebenher müsse er lediglich ein paar Buchhaltungsaufgaben übernehmen - der Rest würde ihm abgenommen. Daraufhin habe er - so der 27-Jährige - zugestimmt. Dass der Kunde als Grund für das Angebot angegeben habe, dass er selbst wegen laufender Pfändungen als Geschäftsführer ausfalle, will den Ex-Azubi nicht weiter gestört haben. "Ich habe mir da keinen Kopf drüber gemacht", sagte der 27-Jährige.

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