Platzverweis dem Dreck

Was hunderte ehrenamtliche Müllsammler am Samstag in Castrop-Rauxel feststellten

Über 300 Helfer erteilten Samstag achtlos weggeworfenem Müll im Stadtgebiet einen Platzverweis. Dabei kam der Eindruck auf: Unsere Stadt ist sauberer geworden. Aber es gibt wundersame Funde.

Am Samstag ging es um 9 Uhr los: 34 Gruppen machten sich vom Norden bis zum Süden der Stadt auf, um ihren Stadtteil in Castrop-Rauxel zu säubern. Am Bahnhof in Rauxel stießen Tobias und Julia Schulze mit einer Schubkarre zu ihrem Sammeltrupp. Acht Müllsammler des Stadteilvereins "Unser Rauxel" streiften sich Handschuhe über. Dann schwärmten sie aus, um möglichst viel Unrat einzusammeln. Von der Schulstraße bis zum Industriegebiet hinter dem Bahnhof erstreckte sich ihr Einsatzgebiet.

Das gleiche Bild bot sich in Frohlinde. Der siebenköpfige Sammeltrupp wurde von einem Trecker mit Anhänger begleitet. "Der Müll ist in diesem Jahr weniger geworden", stellte Hubert Staudinger von der CDU fest. Vom Mühlenteich bis zur Dortmunder Straße war der größte Fund ein alter Autoreifen. "Allerdings wird hier wohl gerne Wodka getrunken", bemerkte Stefan Oelmann. Viele Schnapsfläschchen, Kaffee-Becher und Abfälle einer Burgerkette pickten die Sammler auf.

Die Rauxeler waren erstaunt, was gedankenlos in der Natur entsorgt wird. Alte Kinderwagen und Ledersofas gehörten bis 13 Uhr zu ihren Fundstücken. Gefüllte Kotbeutel, die nicht nur von Hundehaufen stammten konnten, so Sabine Wendt, waren auch keine Seltenheit. "Wir vermuten, dass Lkw-Fahrer hinter dem Hauptbahnhof übernachten. Riesige Mengen an geöffneten Lebensmittelkonserven lieferten den Beweis. So richteten die Müllsammler beim Abschlusstreffen eine Bitte an Karin Graf, Umwelt- und Klimaschutzkoordinatoren der Stadt. "Wie wäre es, wenn einige Müllbehälter aufgestellt würden?" "Das ist eine gute Idee", sagte Karin Graf.

Die Frage, warum sich so viele freiwillige Helfer trafen, um den Müll verantwortungsloser Bürger einzusammeln, beantwortete Dirk Rahn. "Unser Rauxel soll sauber sein", stellte er klar. Außerdem freute sich der Fußballer des VfR Rauxel schon darauf, am Ende gemeinsam mit seinen Mitstreitern am Fußballplatz zu grillen.

Auch in den übrigen Stadtteilen tat sich am Samstag viel. Die stellvertretende Bürgermeisterin Katrin Lasser-Moryson freute sich besonders über Eltern, die sich am Bogi's mit ihren Kindern eingefunden hatten. "Wir wollen unsere Kinder für den Umweltschutz sensibilisieren", brachte sie als Botschaft mit. Warum in diesem Jahr etwas weniger Dreck als in den vergangenen Jahren zu finden war, lieferte Sabine Wendt eine Erklärung: "Meine Mutter nimmt zum Beispiel bei der Hunderunde immer eine Tüte mit, damit sie Unrat direkt entsorgen kann", sagte sie. Außerdem fände sie regelmäßig Pfandflaschen. Das bringe meist 8 Euro pro Woche. Und die landen in der Spardose.

Dieser Bilder schickten unsere Leser:

Marianne Scheer, Wildgehege Grutholz: Man glaubt es kaum - wer bitte schmeißt einen PC-Bildschirm in den wunderschönen Wald? Im Grutholz war eine recht große Gruppe vom Förderverein des Wildgehedes unterwegs und sammelte reichlich Müll auf. Darunter waren auch die Tierpaten, also die Kinder mit ihren Eltern, die sich um das Damwild, die Sikahirsche und die Pfauen im Gehege bemühen. Staubsauger- und Kühlschrankteile, ein Autoreifen, Damenschuhe - all das zählte zu den Funden, die die Gruppe machte.

Marcus Liedschulte und "Die Partei" in der Altstadt: Der Platz von Kuopio, der Taubenvatte - das war das Revier von "Die Partei", die am Samstag dort Müll aufsammelt und die Gegend reinigte.

Die DoCasBlinker waren in den Innenstadtparks unterwegs: Elf Teilnehmer und 49,5 Arbeitsstunden zählte August Wundrok zusammen, um am Grutholzteich und anderen Gewässern zu arbeiten. "Dort haben wir in einer Plastiktüte ein totes Meerschweinchen am Ufer gefunden, einfach an die Uferkante geworfen", sagt er. Am Rennbahn-Biotop habe man zehn Fingerhüte gepflanzt und drei Veilchen, und den Müll aufgesammelt. Dann war man noch am Gondelteich und im Stadtgarten, in den Biotopen und am Obercastroper Bach mit dem Bachumlauf. Auf dem Erin-Gelände reinigte die Gruppe den Obercastroper Bach auf beiden Seiten und fischte eine Bahnbarke heraus. Teich 1 und Teich 2 im Erin-Park kamen auch noch dran. Am Goldschmieding-Teich brachte der Verein ein neues Überlaufrost an. "Wir haben rund 500 Liter Müll eingesammelt", so Wundrok. Man musste den Müll in drei Autos mitnehmen, weil der EUV sich nicht meldete. "Da hat die Koordination bis 13 Uhr leider nicht geklappt", sagt Wundrok. Zum Abschluss gab es ein Bierchen und Gegrilltes.

Betreuerin Christel Brandt von der Hausgemeinschaft der Lebenshilfe in Ickern schreibt: Die Lebenshilfe-Hausgemeinschaft in Ickern beteiligte sich an der Müllsammel-Aktion "Platzverweis dem Dreck". Sieben junge Erwachsene mit einem Handicap, die seit anderthalb Jahren in Ickern wohnen, gehören dazu. Die Hausgemeinschaft besteht aus behinderten und nicht behinderten Personen.

Der EUV schreibt am Montag in seinem Abschluss-Statement: 35 Gruppen, rund 300 Helfer, die 5,8 Tonnen Müll sammelten. Und jetzt kommen noch Schulen und Kindergärten hinzu, die in dieser Woche ebenfalls noch unterwegs sind.

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