Prozess-Auftakt

Nigerianerinnen mit Voodoo-Fluch zur Prostitution gezwungen

CASTROP-RAUXEL/SELM/DORSTEN - Angelockt mit falschen Versprechungen und belegt mit rituellen Schwüren soll eine Gruppe junger Nigerianerinnen ab 2015 ins Ruhrgebiet geschleust und hier in Bordellen zur Prostitution gezwungen worden sein - unter anderem in Castrop-Rauxel, Selm und Dorsten. Seit Mittwoch beschäftigt ihr Fall das Bochumer Landgericht.

Die mutmaßlichen Opfer träumten von einer besseren Zukunft in Europa - und wurden laut Anklage sexuell ausgebeutet und bitter enttäuscht: Angeklagt sind vier Männer (27, 28, 34 und 42 Jahre) und zwei Frauen (34 und 35) aus Nigeria. Laut Staatsanwaltschaft sollen die Angeklagten die ausreisewilligen Landsfrauen (im Alter von 17 bis 22 Jahren) in Nigeria kontaktiert, ihnen einen Job in Deutschland versprochen und sie anschließend über libysche Schleuser in Schlauchbooten über das Mittelmeer nach Europa gebracht haben. Vor der Abreise sollen die Frauen in Nigeria von einem sogenannten Juju-Priester mit einem Voodoo-Schwur belegt worden sein. Dadurch sollte laut Anklage dafür gesorgt werden, dass die Frauen panische Angst haben und sich nicht trauen wegzulaufen beziehungsweise die Polizei zu alarmieren.

In Deutschland angekommen, sollen die weiblichen Angeklagten die Nigerianerinnen in Empfang genommen und anschließend an verschiedene Bordelle der Region vermittelt haben. Einmal wöchentlich soll den Frauen dann von zwei Angeklagten ihr gesamter Lohn abgenommen worden sein.

Kosten für Transport abarbeiten

Zu den betroffenen Rotlicht-Clubs zählten auch ein Etablissement in Castrop-Rauxel, ein Saunaclub in Selm und ein Bordell in Dorsten. Den Prostituierten soll erzählt worden sein, sie hätten die Kosten für den illegalen Transport nach Deutschland abzuarbeiten. Erst wenn sie 25.000 Euro verdient hätten, wären sie ihre Schulden los.

Sechs Angeklagte, sechs Dolmetscher, elf Rechtsanwälte, neun Wachtmeister: Der Prozess vor der 5. Strafkammer läuft auf ein monatelanges Mammut-Verfahren hinaus. Bislang sind noch 21 weitere Prozesstage bis zum 23. März anberaumt.

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