Serie: Die Zeche Erin - Teil 7

Wie Erin vom Pütt zum Park wurde

CASTROP-RAUXEL - Vor 24 Jahren endete die Geschichte des Castrop-Rauxeler Bergbaus. Wo einst Kohle gefördert wurde, ist längst ein Landschafts- und Gewerbepark entstanden - mit einigen Überraschungen. Im letzten Teil unserer Zechenserie widmen wir uns dem Erin-Park.

Viel Grün, Wasserläufe, Halden, zwei Teiche und mehr als 30 Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe statt Kokerei, Kohlebergen und Gastanks - die über 40 Hektar große Fläche mitten in Castrop-Rauxel, auf der bis vor 24 Jahren noch fleißig Kohle gefördert wurde, hat sich nach der Schließung der Zeche am 23. Dezember 1983 deutlich verändert. Aber wie konnte es überhaupt dazu kommen?

Nachdem die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) die Zechenfläche 1985 erworben und genauer untersucht hatte, stand nicht nur relativ schnell fest, dass auf dem Ex-Pütt etwas völlig Neues entstehen sollte, sondern auch, was genau es sein sollte: "Wohnen und Arbeiten im Park" - das sei zu dieser Zeit, in der auch viele andere alte Zechenflächen saniert wurden, ein beliebtes Motto gewesen, erinnert sich Peter Freudenthal.

Halden mit kontaminiertem Boden

Nicht viele Menschen haben sich nach der letzten Schicht auf dem Castrop-Rauxeler Pütt wohl so sehr mit dem Gelände beschäftigt, wie der Architekt aus Lünen. Im Auftrag der LEG plante Freudental in enger Kooperation mit der Stadt eines der größten Projekte der Internationalen Bauausstellung zwischen 1989 und 1999. "Aber eigentlich bin ich noch bis heute mit dem Erin-Park beschäftigt. Ich gehe auch immer noch gerne hier durch und freue mich darüber, was hier passiert", sagt er und zeigt auf das große Straßenachsenkreuz.

Das verläuft 600 Meter von Ost nach West und 300 Meter von Nord nach Süd - und dient laut Freudenthal als ordnendes Element zwischen Gewerbeteil und dem eigentlichen Landschaftspark mit den beiden großen Halden, in denen sich immer noch kontaminierter Boden befindet. "Man musste hier damals alles abräumen und teilweise vier bis fünf Meter tief auskoffern", erklärt der Architekt.

Artefakte aus dem 3. Jahrhundert gefunden

Dabei stieß man sogar auf archäologische Funde - in noch größerem Ausmaß, als man es sich hätte träumen lassen. Bereits 1955 waren auf dem Gelände unter anderem Tongefäße, Scherben und Münzen aus dem dritten Jahrhundert nach Christus gefunden worden. Die Ausgrabungen zwischen 1991 und 1994 brachten jedoch noch einiges mehr ans Tageslicht - etwa rund 10.000 gut erhaltene Tierknochen, einen Knochenkamm, Perlen, Ringe und vieles mehr. Aufgrund dieser Funde lässt sich davon ausgehen, dass der spätere Pütt und heutige Park einst als Handels-, Werk- und Marktplatz fungierte.

Die Umgestaltungsarbeiten nach der Schließung der Zeche behinderten die Funde allerdings nicht. "Das war kein Problem. Das hat eher für Begeisterung gesorgt", sagt Freudenthal. Der Architekt war ohnehin mehr damit beschäftigt, das zukünftige Aussehen des Parks zu planen - nicht nur die Verbindung von irischer Landschaft, die man in Anlehnung an Zechengründer William Thomas Mulvany als Vorlage gewählt hatte, und dem modernen Arbeitsstandort, sondern vor allem die Architektur der Gebäude.

Kein Bauen nach Lust und Laune

Das Mulvany Center sei in seiner Form beispielsweise an den benachbarten Förderturm angepasst und auch für alle anderen Gebäude gebe es Richtlinien, nach denen sie erbaut werden durften, erklärt Freudenthal. Wild drauf los bauen sei hier nun mal nicht drin gewesen. Das hätte schließlich das ganze Konzept ad absurdum geführt. Und auch wenn er heute bei seinen Spaziergängen bemerkt, dass nicht alles hundertprozentig seiner damaligen Vorstellung entspricht, ist er zufrieden mit dem Anblick des Parks.

Das gilt auch für Naturschützer August Wundrok vom Verein DoCas-Blinker. Der 81-Jährige hat selbst 35 Jahre auf dem Pütt malocht - allerdings nicht auf Erin, sondern Victor III/IV und Minister Stein in Dortmund. Dass im Erin-Park inzwischen mit Ausnahme des Förderturms, ein paar Relikten der Kokerei und einem alten Verwaltungsgebäude keine Zechenbauten mehr stehen, ist Wundrok ganz recht. "Natürlich ist es jetzt viel schöner als früher. Es hätte damals kein Mensch gedacht, dass es hier einmal so aussehen würde - ein echtes Schmuckstück", sagt er.

Kein Platz für ein Entenrennen

Die DoCas-Blinker waren an der Gestaltung des Parks beteiligt und kümmern sich auch heute noch um die beiden Teiche und den Bachlauf, kontrollieren den Fischbestand und schaffen Unrat beiseite. "Viele Menschen wissen die Natur einfach nicht zu schätzen. Deswegen müssen wir hier immer wieder große Mengen Müll wegschaffen. Glücklicherweise ist das in den letzten beiden Jahren schon weniger geworden", sagt Wundrok.

Dank der Arbeit der Naturschützer haben es Eisvögel, Haubentaucher, Schilfrohrsänger und die vielen anderen tierischen Bewohner gemütlich am Teich, der früher sogar als "Rennbahn" im Gespräch war. "Hier sollte mal ein Entenrennen stattfinden und die Zuschauer sollten auf der Halde sitzen. Aber wir haben uns dagegen ausgesprochen. Sonst wären uns nachher noch die Uferkanten und die Halde kaputtgetrampelt worden", erklärt Wundrok.

Das Entenrennen habe man daher auf den Gondelteich verlegt. Dabei hätte es historisch betrachtet eigentlich recht gut in den Erin-Park gepasst. Denn Zechengründer William Thomas Mulvany hatte in den 1860er Jahren nicht nur den Bergbau nach Castrop-Rauxel, sondern auch eine Sportart ganz nach vorne gebracht, an die bis heute der Brunnen auf dem Altstadtmarkt und eine große Grünfläche ein paar hundert Meter weiter östlich erinnern: den Pferderennsport.

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