Spenden am EBG

Ein Aufruf der Schulleitung verärgert die Einzelhändler

Castrop-Rauxel - Wer im Internet einkauft, tut dem Ernst-Barlach-Gymnasium etwas Gutes. Denn von jedem Einkauf geht ein Teil als Spende an die Schule. Dem Einzelhandel in der Stadt tut das aber alles andere als gut.

Ein Brief von der Schulleitung an die Eltern, datiert auf den 17. Januar, sorgt für Kopfschütteln beim Einzelhandel in der Stadt. Beim Projekt Bildungsspender werden Eltern dazu aufgerufen, durch Einkäufe im Internet Spenden für das Ernst-Barlach-Gymnasium (EBG) zu generieren. Von jedem gekauften Produkt wird ein Anteil mit der richtigen Internetadresse automatisch an das EBG gespendet. Mit dabei: Blumen- und Buchhändler, Bekleidungsgeschäfte und Apotheken. Sie alle verkaufen Dinge, die es auch im Castrop-Rauxeler Einzelhandel gibt. Von den eingenommenen Spenden will das EBG die Heizungen mit Sitzbänken verkleiden.

Casconcept will Denkanstöße geben

Die Standortgemeinschaft Casconcept hat den Aufruf gesehen und ist darüber ganz und gar nicht erfreut. Casconcept will jetzt Denkanstöße geben. "Es sind vor allem auch große Shops dabei", sagt Altstadtjuwelier Matthias Zimmer. "Da stellt man sich ja schon die Frage, wo die ihre Gewerbesteuer bezahlen. In Castrop-Rauxel auf jeden Fall nicht." Casconcept weist auf den großen Zusammenhang in der Stadt hin. Denn die Einnahmen der Gewerbesteuer kann die Stadt auch in Schulen investieren. Bricht der Einzelhandel weg, fehlen Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Matthias Zimmer kann sich über den Aufruf des EBG da nur wundern. "Wir brauchen doch den Zusammenhalt in der Stadt. Da kann sich eine Schule nicht ausklammern", sagt Zimmer. "Und die Gewerbesteuer zahlen die Unternehmen vor Ort und sonst niemand."

Schulleiter Dr. Friedrich Mayer kann die Aufregung um den Bildungsspender nicht verstehen. "Wir machen das Projekt doch auch schon seit drei Jahren." Mayer wundert sich, dass der Einzelhandel erst jetzt darauf aufmerksam wird. "Wir haben vermehrt Hinweise dazu von unseren Mitgliedern bekommen", entgegnet Winfried Radinger, Altstadtapotheker und Casconcept-Vorstand.

Kein Geld für Sonderwünsche

Mayer stellt aber klar, dass der Brief nicht die Intention habe, jemanden davon abzuhalten, lokal einzukaufen. "Meine Aufgabe als Schulleiter ist es aber nicht, den Einzelhandel zu stärken, sondern für eine vernünftige Ausstattung in der Schule zu sorgen", sagt Mayer auf Anfrage. Und die sei eben nur durch Sponsoren und Spendengelder möglich. Von der Stadt gebe es für Sonderwünsche, wie beispielsweise Sitzbänke auf den Heizungen, wegen der klammen Kassen kein Geld. "Beim Bildungsspender habe ich moralisch aber keine Bedenken", sagt Mayer.

Das sei eine Form von Crowdfunding, die nicht ungewöhnlich sei und durchaus auch andere Schulen nutzen. Außerdem bringe der Bildungsspender keine großen Summen. Etwa 1400 Euro seien in drei Jahren so zusammengekommen. Verantwortlich für das Projekt ist der Förderverein der Schule. Der betont noch einmal die schlechte finanzielle Situation der Schule. "Es wäre äußerst fahrlässig, wenn wir es nicht nutzen würden, dass Menschen, die sowieso online einkaufen, dabei auch noch etwas Spendengeld einbringen", schreibt Schulpflegschaftsvorsitzende Martina Barg in einer Stellungnahme.

Stadt als Träger der Schulen

Und was sagt die Stadt dazu? Schließlich ist sie der Träger der Schulen und kann kein Interesse daran haben, den Einzelhandel zu boykottieren. "Die Stadtverwaltung empfiehlt ausdrücklich, vor Ort einzukaufen, um den lokalen Handel zu stärken", sagt Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann auf Anfrage. Letztlich liege die Entscheidung, ob überhaupt und für wen oder was Werbung gemacht werde, bei der Schule. "Dennoch wird die Stadtverwaltung es bei der nächsten Schulleiterkonferenz ansprechen", so Hilleringmann.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Weit über 500 Kinder mit ihren Eltern feiern auf dem Marktplatz Laternenfest 
Weit über 500 Kinder mit ihren Eltern feiern auf dem Marktplatz Laternenfest 
Wieder Ärger mit dem Spinner: Betroffene Anwohner in Datteln ergreifen nun die Initiative
Wieder Ärger mit dem Spinner: Betroffene Anwohner in Datteln ergreifen nun die Initiative
Das Südbad wird komplett geräumt - zwei Schulklassen müssen schnell ins Freie
Das Südbad wird komplett geräumt - zwei Schulklassen müssen schnell ins Freie
Erdwall an der Autobahn aufgeschüttet - ist das der ersehnte Lärmschutz?
Erdwall an der Autobahn aufgeschüttet - ist das der ersehnte Lärmschutz?
Marler Stern: Parkhaus und Rolltreppe eröffnet - Fakt AG nennt neue Mieter
Marler Stern: Parkhaus und Rolltreppe eröffnet - Fakt AG nennt neue Mieter

Kommentare