Stellvertretende Bürgermeisterin Katrin Lasser-Moryson

An zweiter Stelle eine Powerfrau

Schwerin - Sie leitet das Frauenhaus, versorgt zwei Kinder, Mann und Haus und repräsentiert die Stadt als stellvertretende Bürgermeisterin: In unserer achtteiligen Serie "Die Nummer 2" geht es heute um Katrin Lasser-Moryson. Wenn sie auftaucht, sind die Bürger manchmal gleich dreifach enttäuscht.

Ohne die Stellvertreter würde das erste Glied nicht funktionieren, findet Bürgermeister Rajko Kravanja. "Ich liebe sie und für mich sind sie unersetzbar", schwärmt der Sozialdemokrat. Er habe so viele Termine, das könne er schlicht nicht alles alleine schaffen.

Unter anderem sind viele Geburtstags-Einladungen dabei. Alle Castrop-Rauxeler, die über 85 Jahre alt sind, können Besuch von der Stadtspitze bekommen - ein typischer Kalendereintrag bei Katrin Lasser. Doch es freuen sich bei Weitem nicht alle, wenn die 39-Jährige an der Tür klingelt: "Wenn nur die Vertretung kommt und dann noch eine Frau, sind manche enttäuscht."

Es gebe auch das Gegenteil; manche freuen sich gleich doppelt, eben weil eine junge Frau kommt. Einige finden nämlich auch noch, sie sei zu jung für dieses Amt. Lasser: "Da sieht man mal, was da teilweise noch für eine Denke in den Köpfen ist." Sie nimmt das nicht persönlich und erklärt immer, dass der Bürgermeister, Rajko Kravanja, viel zu tun habe und nicht jeden Termin selbst machen könne.

Hans-Hugo Kurrek ist der andere Stellvertreter

Deswegen braucht er die Stellvertreter; neben der Sozialdemokratin auch noch Hans-Hugo Kurrek (CDU). Die Aufgaben teilen sie sich untereinander auf. Der Bürgermeister sitzt viel am Schreibtisch und übernimmt verwaltungstechnische Aufgaben: Er bereitet Personal- und Verwaltungskonferenzen vor, schreibt Anträge.

Seine Vertreter stemmen große Teile des repräsentativen Teils. "Ich habe ganz viele positive Termine und lerne die Stadt von vielen Seiten kennen", sagt Katrin Lasser. Neben Gratulationen kann das eine Schulentlassfeier sein oder die Eröffnung der Kirmes, Besuch bei der Betriebsversammlung einer Firma oder der Vorlesetag einer Grundschule.

Schützen und Jäger sind nicht ihr Ding

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht der studierten Sozialpädagogin besonders Spaß: "Ich finde Kinder super. Die sind absolut unverfälscht." Ihre eigenen - Lilja und Maybritt - sind 2 und 15 Jahre alt. Alles, was mit Schützen und Jägern zu tun hat, gibt sie hingegen gerne an ihren Kollegen Kurrek ab. "So ergänzen wir uns super."

Das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters und die damit verbunden Aufgaben reizen sie gar nicht. Als Nummer 2 ist Katrin Lasser absolut glücklich. "Ich habe mir das so ausgesucht und fühle mich da sehr wohl."

Während der Bürgermeister direkt von den Bürgern gewählt wird, werden seine Stellvertreter von der Partei vorgeschlagen und vom Rat gewählt. "Das sind aber die eigentlich Wichtigen", sagt die Nummer 1, Rajko Kravanja, auf Anfrage unserer Redaktion.

1200 Euro Aufwandsentschädigung

Die Frage ist trotzdem: Warum will jemand diesen Job haben? Stellvertretender Bürgermeister bedeutet: viel Arbeit, wenig Geld. Monatlich gibt es eine Aufwandsentschädigung von 1200 Euro, die Katrin Lasser aber auch noch versteuern muss. Um die Finanzen ist es in Castrop-Rauxel eher dürftig bestellt, inhaltlich richtig etwas reißen im Sinne von gestalten kann man also auch nicht.

Die zweifache Mutter strahlt trotzdem, wenn sie über ihr Amt spricht. Es sprudelt nur so aus ihr heraus. Bei der Arbeit sei man ganz nah dran an den Menschen und Problemen der Stadt: "Man hört viele spannende Geschichten aus Castrop-Rauxel, kommt gut ins Gespräch und erfährt Problemlagen, die man dann mit ins Rathaus nehmen kann."

Aktuell sei das beispielsweise die Diskussion um einen weiteren Schulstandort im Norden. Mithilfe der Gespräche vor Ort könne man die Mails und Telefonate, die im Rathaus ankommen, besser einordnen, erklärt Lasser.

Zuständig ist sie auch für den Ausschuss für Schule und Soziales und an der Stelle hat sie die Möglichkeit, die Gespräche in Politik umzusetzen. "Den laufenden Schulprozess zu begleiten und den Blick auf das Gesundheits- und Sozialwesen zu lenken, ist noch ein Ziel von mir", erklärt Lasser.

So füllt sich ihr Terminkalender immer zügig. Abgesehen von den 30 Stunden, die sie wöchentlich im Frauenhaus als Leitung arbeitet, kommen schnell noch acht oder neun Termine in ihrem Ehrenamt dazu. "Wenn dann noch Ausschuss oder Rat ist, muss man sich gut organisieren."

Wenig Schlaf kein Problem

Denn auch zu Hause ist immer viel los. Küche, Klavier und Garten; alles will gepflegt, bearbeitet und bespielt werden. Und dann noch die Kinder. Ihre große Tochter Maybritt kann zwar mittlerweile auch mal auf die kleine aufpassen, aber, so Lasser: "Die Große will auch begleitet werden." Das alles scheint jedoch mehr Freude als Last für die Schwerinerin.

Bei dem Pensum ist es ein wahrer Segen, dass die 39-Jährige nur wenig Schlaf braucht. "Sechs Stunden regelmäßig machen mir nichts aus, auch fünf oder vier Stunden sind okay."

Im Restaurant ungefragt dazu gesetzt

käme sie selbst aber doch etwas zu kurz, erzählt die Powerfrau mit den blonden Haaren. Sie hätte das im Winter gemerkt, da sei sie oft krank gewesen. Dann erinnert sie sich daran, was ihr wichtig ist: "Zwischendurch muss man innehalten und aufpassen, dass das Privatleben nicht zu kurz kommt. Und man muss mal weg, raus aus dem Alltag und Urlaub machen."

In Castrop-Rauxel werde sie schon manchmal erkannt, wenn sie unterwegs ist - ein bisschen prominent ist sie schon: "Man kann Privatleben und Job nicht immer stringent trennen", erklärt Katrin Lasser. Grundsätzlich kein Problem. Dennoch findet sie es unpassend, wenn sich jemand im Lokal zu ihrer Familie an den Tisch setzt - so schon geschehen -, weil er mit einer Situation in der Stadt unzufrieden ist und das gerne sofort diskutieren will.

Die vielen Facetten der Katrin Lasser

Sie sagt, ohne die Unterstützung ihres Mannes Hendrik, der ebenfalls politisch interessiert ist und die vielen Aktionen seiner Frau mitträgt, wäre das große Pensum nicht zu schaffen. Geheiratet hat das Paar im vergangenen Jahr, seitdem heißt Katrin Lasser auch noch Moryson. Auch ihre Eltern und Schwiegereltern seien weitere wichtige Säulen in dem Familien-Job-Ehrenamt-Konstrukt.

Mit 16 Jahren ins StudentenwohnheimIhre Eltern waren es auch, die ihr den Weg zur Politik geebnet haben: "Sie waren in der SPD und es wurde viel über Politik gesprochen." Genau wie sie selbst war auch ihr Vater ein Mann der Tat: Als die Tochter 16 Jahre alt war, beschloss er mit seiner Frau, ihr einziges Kind nach Bielefeld zu schicken.

Katrin Lasser verließ also das Adalbert-Stifter-Gymnasium, zog ins Studentenwohnheim und besuchte die Hartmut-von-Hentig-Laborschule des Landes NRW in Bielefeld. Aus dem schüchternen Mädchen wurde eine starke Frau: "Dort musste ich viele Dinge eigenständig regeln und habe eine ganz andere Art kennengelernt, die Welt zu sehen."

Geärgert über Wolfang Clement

Die Politik hat sie aber nicht aus den Augen verloren. Im Jahr 2002 habe sie sich sehr über das Verhalten des Sozialdemokraten Wolfgang Clement geärgert. Und als dann noch die Studiengebühren eingeführt werden sollten, habe sie sich gedacht: "Vielleicht trete ich mal in die Partei ein, dann kann man auch was bewirken und nicht immer nur meckern." Gesagt, getan.

Katrin Lasser ist der Meinung: "Wenn es einem gut geht, muss man der Welt etwas zurückgeben, und uns geht es gut."

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