Streit um die Einwohnerzahl 

Es liegt Unheil in der Luft

Castrop-Rauxel - Castrop-Rauxel schrumpft, wie viele andere Kommunen auch. Aber nicht so stark wie prognostiziert. Das erklärte die Stadt. Thomas Krämerkämper wittert Unheil. Er sagt: Die Zahlen der Stadt sind falsch. Und dabei sorgt vor allem eine Ziffer für richtig Aufregung.

Castrop-Rauxel hatte am 30. Juni des vergangenen Jahres 73.899 Einwohner. Das ist die neueste Zahl, die IT.NRW am Donnerstagmorgen veröffentlicht hat. Und zwar als Fortschreibung auf den Zensus 2011. Eine Zahl sorgt für Aufregung: Jene von 4000 Einwohnern als dem Plus entgegen früherer Prognosen.

Genannt wurde diese Zahl im Zusammenhang mit der möglichen Ausweisung neuer Wohngebiete. Dabei geht es einmal mehr um die 20 Hektar, die der Bauausschuss gern im Regionalplan mehr hätte. Thomas Krämerkämper, Vorstandsmitglied des Landes-BUND und Gegner der Pläne, die den Bolzplatz an der Schule Alter Garten miteinbeziehen, sagt: "Die Zahl von 4000 ist schlichtweg falsch." Außer 2015 sei die Einwohnerzahl in allen Jahren gesunken. Ende 2016 habe es lediglich rund 700 Einwohner mehr gegeben als bei der Aufstellung des Flächennutzungsplans 2025 angenommen. Diese geringfügige Abweichung bestehe ausschließlich durch den unerwarteten Zustrom von 1950 Schutz suchenden Menschen auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015. "Der Rest der Bevölkerung lag zahlenmäßig sogar deutlich unter der Annahme des Flächennutzungsplans, sodass dieser Flüchtlingszustrom nur zu einem kleineren Plus geführt hat."

Zahl der Deutschen gesunken?

Vor dem Hintergrund der amtlichen Zahlen sei nicht nachvollziehbar, wieso die Natur, der Erholungsraum der Einwohner und sogar Schulhöfe mit Einzel- und Doppelhäusern zugepflastert werden sollten. Krämerkämper macht neben vielen anderen Einzelrecherchen rund um die Bevölkerungsentwicklung die Rechnung auf, dass die Zahl der Deutschen in Castrop-Rauxel zwischen Januar 2012 und Jahresende 2016 um 2269 gesunken sei.

Der Technische Beigeordnete, Bürgermeister und Stadt-Statistiker sind derzeit nicht greifbar, um ihre Sicht der Dinge zu äußern. Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann schreibt auf eine Anfrage unserer Redaktion, "dass die Einwohnerzahl nach den von der Verwaltung veröffentlichten Werten nicht so stark abnimmt, wie sich aus einer linearen Fortschreibung vom Ausgangspunkt der Prognose 2007 mit 77.576 Einwohnern in Richtung 2025 mit 68.400 Einwohnern ergeben würde".

Claudia Key von der Pressestelle von IT.NRW sagt dazu: Bevölkerungsprognosen können mit unterschiedlichsten Annahmen und Datenbasen berechnet werden. Daher gebe es kein "richtig" oder "falsch". Die Prognosen basierten auf Daten, die zum Teil vor der Zuwanderung erfolgten. Ende 2018 wird eine neue Prognose veröffentlicht. Wegen der Bedeutung der Daten für die Stadtentwicklung will die FWI im Stadtrat einen Antrag stellen.

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