Trauermarsch

Castrop-Rauxel schweigt und marschiert für den Frieden

Die Familie Tamouh aus Habinghorst wollte mit dem "Schweigemarsch für die Opfer von Neuseeland" ein deutliches Zeichen setzen. Rund 300 Menschen folgten ihrem Aufruf am Freitagnachmittag.

Mit bis zu "500 bis 1000 Teilnehmern" hatte die Familie Tamouh gerechnet, am Ende wurden es immerhin 300 Leute, die sich am Freitagnachmittag am Berliner Platz vor dem Hauptbahnhof versammelt haben. Vater Adil und Sohn Nassir hatten unter dem Motto "Schweigemarsch für die Opfer von Neuseeland - Ein Zeichen setzen für ein friedliches Miteinander" eingeladen, um gemeinsam mit Bürgermeister Rajko Kravanja zu marschieren.

Um kurz nach 14 Uhr, nach einer kurzen Einleitung von Veranstalter Adil Tamouh, setzten sich die Teilnehmer in Richtung Rathaus in Bewegung. Dort angekommen, hielt zuerst Mitorganisator Nassir Tamouh eine kurze Eröffnungsrede. Vor einem Banner mit der Aufschrift "Gemeinsam für Frieden, Vielfalt, Offenheit und Hoffnung" war dann Bürgermeister Kravanja an der Reihe, um seinen Appell an die mitgelaufenen Personen zu richten.

Bürgermeister Kravanja appelliert an Zusammenhalt der Bürger

"Als Bürgermeister dieser Stadt bin ich stolz, dass sich so viele Menschen hier auf die Beine gemacht haben, um ein Zeichen für Hoffnung, Frieden und Solidarität zu setzen", freute er sich. "Wir sind 75.000 Individuen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, aber am Ende sind wir ein Castrop-Rauxel. Da ist es ganz egal, ob jemand Christ, Muslim, Jude oder was auch immer ist. Wir stehen zusammen und das ist das Zeichen, das wir in die Welt schicken müssen, bevor irgendwelche Wahnsinnigen auf die Idee kommen, sie könnten uns mit solchen Taten spalten."

Nach der Rede Kravanjas wurde eine Botschaft des Bundestagsabgeordneten Frank Schwabe vorgelesen, der aufgrund von Verpflichtungen in Berlin nicht selbst an der Veranstaltung teilnehmen konnte. Auch für Nassir Tamouh war es eine Herzensangelegenheit, der Welt zu zeigen, dass Castrop-Rauxel keinen Platz für Extremismus und Ausgrenzung hat: "Ich wollte zeigen, dass unsere Stadt bunt und vielfältig ist und freue mich, dass immerhin 300 Personen hierher gefunden haben, um mit uns dieses Zeichen zu setzen."

Rechtsextremist hatte bei Anschlag 50 Muslime getötet

In Neuseeland drang vor einer Woche, am Freitag, ein Mann mit schweren Waffen zunächst in die Masjid-al-Noor-Moschee ein. Er tötete während des Freitagsgebets, zu dem etwa 300 Gläubige vor Ort waren, wahllos Menschen muslimischen Glaubens. Dort starben 41 Menschen. Wenig später erschoss er in einer anderen Moschee in einem Vorort von Christchurch weitere sieben Menschen. Neben den 50 Toten (zwei starben später) gibt es 50 Verletzte.

Der Angreifer hatte während der Taten eine Kamera an seinem Körper angebracht, die den Angriff 17 Minuten lang live ins Internet übertrug. Der Australier galt als rechtsextremistisch und gewalttätig. Sein Terroranschlag wird derzeit als gezielt gegen den Islam gerichtet eingestuft.

* In einer vorherigen Version des Artikels schrieben wir an einer Stelle von einem Amoklauf. Da hier den Ermittlungen zufolge ein religiöser / politischer Hintergrund vorliegt, ist der Begriff falsch gewählt. Wir haben das korrigiert.

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