Überalterung

Der Kolpingchor Castrop-Rauxel sagt nach 120 Jahren Adieu

Der Kolpingchor Castrop-Rauxel Zentral feiert in diesem Jahr seinen 120. Geburtstag. Am Sonntag gab er zur Feier ein besonderes Konzert - das vorletzte in seiner langen Geschichte.

Allein der Ort des Konzerts ist ungewöhnlich", sagt Elisabeth Sellinghoff. Seit 50 Jahren ist sie schon dabei und leitet seit 20 Jahren die Geschicke der Chorgemeinschaft als Vorsitzende. Nicht in die Kirche, sondern dorthin, wo Woche für Woche die Chorproben stattfinden, lud die Chorgemeinschaft zum Konzert ein: in den Pfarrsaal der Lambertus-Gemeinde.

Die eigentliche Besonderheit aber ist die, dass eine lange Tradition zu Ende geht. "Der Chor wird zum Ende des Jahres aufgelöst", sagt Chorleiter Hans Bruhn. Der Grund: Überalterung. Zusammen sind die Sängerinnen und Sänger 1048 Jahre alt. Von ehemals 50 Chormitgliedern sind heute gerade mal 14 übrig geblieben.

Probleme des Chores waren vielfältig

Die Probleme, die sich daraus ergeben, seien vielfältig, so Bruhn. Sellinghoff bestätigt das. "Unsere Stimmen werden ja immer dünner", sagt sie. "Und der Kassenwart musste sich schon lange daran gewöhnen, dass bei so wenig Mitgliedern auch der Kassenbestand immer schmaler wurde." Außerdem habe man nur noch einen einzigen Tenor dabei, beklagt Bruhn.

Was hatten die 50 Gäste unter diesen Voraussetzungen vom Konzert zu erwarten? Ein überraschend flottes Programm. Mit dem Titel "Plaisir d?amour" ging es gleich mit hohem Tempo los. Chorleiter und Chor waren von allen Gästen gut zu sehen, obwohl die L-förmige Architektur des Raumes das erst nicht vermuten ließ. Gerade diese Gegebenheit eignete sich aber gut zum Mitsingen. Von der Mitte aus forderte Bruhn das Publikum dazu auf, gemeinsam einen Kanon zu singen. Auch das klappte hervorragend. Schließlich waren die meisten Zuhörer selbst Mitglieder einer Chorgemeinschaft oder ehemalige Mitsänger des Kolpingchores, wie eine Zuhörerin verriet. Mit weltlicher Musik ging es weiter. "Ich war noch niemals in New York" oder "Mit Musik geht alles besser" zauberten die Chormitglieder gute Laune in den Pfarrsaal.

Am 8. Dezember kommt das allerletzte Konzert

Ist man traurig, wenn so eine lange Chorgeschichte zu Ende geht? "Eigentlich nicht", sagt Monika Vogelsang. "Irgendwie spürt man doch, dass es vorbei ist." Monika Sellinghoff sieht das anders. "Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, wie es ohne meinen Chor weitergeht."

Am 8. Dezember können sich Zuhörer noch ein letztes Mal von den Klängen des Kolpingchores mitnehmen lassen. Dann steht ab 17 Uhr in der St.-Lambertus-Kirche nach 120 Jahren das allerletzte Konzert auf dem Programm des Kolpingchores.

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