Umfrage

Wie sieht es bei den Parteien in Castrop-Rauxel an der Mitgliederfront aus?

CASTROP-RAUXEL - Politikverdrossenheit, Misstrauen, scharfe Kritik an den Parteien kennzeichnen die vergangenen Monate. Wie sieht es an der Basis aus? Wie geht es den Parteien in der Stadt? Haben sie Mitglieder gewonnen oder verloren? Und wie ist es um den Parteinachwuchs bestellt?

Das Superwahljahr 2017 ist vorbei. Schulz- und dem Lindner-Effekt, ein neu gewählter Bundespräsidenten, drei Landtagswahlen und die Bundestagswahl haben politisch vieles verändert.

Wie steht es um die Parteibasen vor Ort? Gibt es neue Mitglieder oder laufen die alten alle davon? Sind Politikverdrossenheit und Überalterung die Sargnägel für die etablierten Parteien? Und wie werben sie um Nachwuchs? Wir haben nachgefragt und Antworten erhalten.

Viele ältere Mitglieder und eine aktive Junge Union

Der CDU-Stadtverband zählt aktuell 467 Mitglieder. 2012 waren es noch 559 Mitglieder. Mit einem Altersdurchschnitt von 67 Jahren ist sie die älteste Partei der Stadt. Neun neue Mitglieder hat man in diesem Jahr hinzugewinnen können, so der Vorsitzende Michael Breilmann. Insbesondere durch Kontakte im Freundeskreis der Parteimitglieder. Im kommenden Jahr will die CDU eine kreisweite Werbeaktion vorbereiten. Beim Thema Nachwuchsarbeit freue man sich über die aktive und breit aufgestellte Junge Union vor Ort, die sich besonders mit den jungen Themen, also Schule, Arbeits- und Ausbildungsplätze oder der Infrastruktur beschäftige.

Durch das sogenannte Mentoring-Programm der Ratsfraktion biete man jungen interessierten Mitgliedern die Möglichkeit, politische Abläufe kennenzulernen und den erfahrenen Mitglieder über die Schulter zu schauen. "Dadurch konnten wir in diesem Jahr fünf junge Mitglieder unter 30 Jahren für die Mitarbeit in der Ratsfraktion und den Ausschüssen des Rates gewinnen", so Breilmann.

Sozialdemokraten verlieren Mitglieder durch Sterbefälle

Bei der SPD habe man in den letzten Jahren tendenziell Mitglieder verloren, viel durch Sterbefälle, sagt Stadtverbandschefin Lisa Kapteinat. Zahlen über die Menge der Mitglieder konnte sie der Redkation nicht nennen. Eine Recherche im Zeitungsarchiv ergab, dass die SPD 2010 rund 1200 Mitglieder hatte, wie es danach weiter ging, wissen wir nicht. Bis Ende Juli seien der SPD 32 neue Mitglieder beigetreten, so Kapteinat. Der Altersdurchschnitt werde dem der Bundespartei entsprechen und bei rund 60 Jahren liegen, meint die Sozialdemokratin. "Der Anstieg der Zahl neuer Mitglieder ist seit dem Brexit und der Wahl von Donald Trump besonders auffällig", so Kapteinat. Wenn sie nicht ohnehin schon eigene Themen mit in die Arbeit vor Ort einbrächten, interessierten sich die Neumitglieder oft für bundes- oder landespolitischen Themen. Um den Einstieg zu erleichtern, hat auch die SPD ein Mentorenprogramm, um neue Mitglieder schnell und gut in die Parteiarbeit einzubinden.

Die Linke ist die jüngste Partei der Stadt

Nachdem man 2014 einige Karteileichen aus den Mitgliederlisten gestrichen habe, freuten sich die Linken 2017 über 13 neue Mitstreiter. Die haben die Stärke des Stadtverbandes nicht nur auf 63 erhöht, sondern auch den Altersdurchschnitt auf beachtlich junge 30,5 Jahre gesenkt. Und das sogar ohne besondere Werbekampagnen für junge Menschen. Eine Partei sei umso erfolgreicher, je stärker sie ihre politischen Forderungen in Aktionen im außerparlamentarischen Raum und in den Gremien, auch den Kommunalparlamenten durch Anträge und Initiativen kenntlich mache, sagt Fraktionschef Ingo Boxhammer.

100 Stimmen für lokale Probleme und Aktionen

Wir haben festgestellt, dass die Menschen sich kommunalpolitisch engagieren, wenn es einen konkreten Anlass gibt, der sie und ihre Familien persönlich betrifft. Etwa wenn ihre Lebensverhältnisse beeinträchtigt werden", sagt Manfred Postel von der FWI. Die Freie Wählergemeinschaft habe derzeit rund 100 Mitglieder, die im Schnitt 52 Jahre alt sind. Besondere Zuwächse oder Einbrüche habe man in den vergangenen fünf Jahren nicht erlebt. Neue Mitglieder gewinne die FWI in erster Linie bei offenen Fraktionssitzungen in den Stadtteilen oder Aktionen der Partei, etwa gegen den Bau der B474n oder den New-Park. "Nach der Gründung der JWI haben wir versucht, junge Menschen durch selbst konzipierte Aktionen in die Kommunalpolitik einzubinden." so Postel. Er wolle aber nicht verschweigen das es sehr schwierig sei, junge Menschen für ein politisches Engagement zu gewinnen. "Neben Schule, Studium Ausbildung und Freunden haben viele Jugendliche, so sagen sie es uns, wenig freie Zeit für politisches Engagement."

Liberale freuen sich über 30 Prozent Zuwachs

39 Mitglieder, im Schnitt 43 Jahre alt, zählt der Stadtverband der FDP und durfte sich, zumindest relativ, in diesem Jahr über den größten Zuwachs freuen. Mit zehn neuen Mitgliedern konnte die Partei sich deutlich vergrößern. "Eine genaue Analyse habe ich nicht, aber den letzten großen Knick gab es 2013, als wir aus dem Bundestag gewählt wurden", sagt FDP-Chef Nils Bettinger. Im Besonderen Maße um jüngere Mitglieder werben die JuLis - die Jugendorganisation der Liberalen. Aber auch die "normale FDP" kümmere sich um Jugendthemen, diskutiere "mit den Partnern von den Grünen und der SPD die bestmöglichen Konzepte für Jugendliche, die mit unserer verfahrenen Haushaltslage möglich sind" so Bettinger.

Junge Menschen nicht zwangsläufig zum Eintritt überreden

Ähnlich groß wie die FDP präsentieren sich die Grünen. Die 33 Mitglieder sind im Schnitt 48 Jahre alt. "Unsere Mitgliederzahlen sind in den letzten Jahren ziemlich konstant geblieben", so Holger Schelte vom Stadtverbandsvorstand. Um junge Menschen bemühe man sich nicht zwangsläufig mit dem Ziel eines Parteieintrittes. Schelte: "So verstehen wir zum Beispiel unseren alle zwei Jahre stattfinden Wettbewerb für junge Nachwuchsmusiker/-innen (Green-Newcomer-Musiccontest) ausdrücklich nicht als Partei-Werbeveranstaltung sondern als Aktion, mit der wir Nachwuchs-Kultur-Schaffende unserer Stadt fördern wollen."

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