Unsere Praktikantin recherchierte

Wie steht es um die Jugend in Castrop-Rauxel?

Castrop-Rauxel - Unsere Praktikantin Vanessa Wobb (20) recherchierte wochenlang unter Jugendlichen. Jetzt hat ihre Serie "Jung sein in Castrop-Rauxel" in unserer Zeitung begonnen. Worum geht es darin? Ein Interview.

Alt werden in Castrop-Rauxel: Das war der Titel einer Serie in unserer Zeitung in diesem Jahr. Es betrifft am Ende jeden - aber doch richtet es sich eher an den älteren Teil der Bevölkerung.

Aber was ist mit der anderen Seite, was ist mit der Jugend in Castrop-Rauxel? Vanessa Wobb (20) arbeitete im November und Dezember sechs Wochen lang als Praktikantin in unserer Redaktion. Da sie vorher schon journalistische Erfahrung, unter anderem beim Internet-Radio "Youth fm", gesammelt hatte, beauftragten wir sie mit einer größeren Recherche: Wie steht es um unsere Jugend? Was will sie, was braucht sie, was kann sie in Castrop-Rauxel? Unsere Serie beginnt mit Teil 1 in der Zeitung: Welche Freizeitmöglichkeiten haben Jugendliche in Castrop-Rauxel? Was wünschen sie sich? Was sind die Probleme - und was macht ist der beste Standortfaktor Castrop-Rauxels? Und mit diesem Interview (zum Anhören oder Nachlesen):

Vanessa, was ist unterm Strich hängen geblieben? Du hast dich ja intensiv mit jungen Menschen unterhalten, aber auch mit Leuten, die viel mit jungen Menschen hier in der Stadt zu tun haben.

Ich denke, man kann festhalten, dass die äußere Meinung meist anders ist als bei den Jugendlichen selbst. Thesen wie "Sie interessieren sich nicht für Politik" oder "Sie saufen und rauchen und hängen nur rum" - diese Vorurteile treffen auf die Jugendlichen eher nicht zu.

Du hast natürlich nicht mit allen knapp 10.000 Minderjährigen in Castrop-Rauxel gesprochen, sondern hattest nur Stichproben. Aber was trifft denn auf die zu? Was beklagen sie?

In erster Linie ist mir im Gedächtnis geblieben, dass sie sehr auf Gleichberechtigung aus sind: zwischen Minderheiten im Sinne von Migranten, aber auch zwischen Minderjährigen und Erwachsenen. Sie fordern, schon wählen gehen zu dürfen, obwohl sie noch unter 16 oder unter 18 sind.

Ziel deiner Recherche war ja, herauszufinden, wie es ist, in Castrop-Rauxel Kind oder Jugendlicher zu sein. Ist man da gut versorgt? Oder ist es eher schlecht, hier aufzuwachsen?

Ich glaube, da gibt es zwei Parteien. Bezogen aufs Thema Freizeit gibt es einmal die, die sagen: "Eigentlich ist alles super, ich habe, was ich brauche. Ich fühle mich wohl hier." Dann gibt es aber auch die, die sagen: "Hier in Castrop-Rauxel finde ich gar nichts. Ich brauche das Ruhrgebiet.

Ich fahre nach Dortmund, Oberhausen oder in sonstige Städte." Das trifft auch auf das Thema Sicherheit zu: "Ich traue mich auch spät noch auf die Straße", sagen die einen. Andere trauen sich abends nicht auf die Straße und haben Angst, verfolgt zu werden.

Das ist also ein geteiltes Bild, auf das wir in den kommenden Tagen in unserer Serie genauer eingehen. Du hast ja auch mit Leitern von Jugendzentren oder vom Kinder- und Jugendparlament gesprochen. Wie ist da dein Eindruck: Haben sie eher den Erwachsenenblick auf die Jugendwelt?

Unterschiedlich. Beim Thema Religion habe ich Antworten von den Jugendlichen bekommen, die Erwachsene nicht erwartet hätten. Dass sich die Jugendlichen eben doch für Religion interessieren oder zumindest viel mehr darüber nachdenken, als man ihnen unterstellt. Viele wollen wissen: Wie ist es im Islam oder wie handeln Buddhisten? Bei Fragen zur Sicherheit oder dem Wohlbefinden lautete das Fazit der Erwachsenen eher: "Eigentlich fühlen sie sich ganz wohl."

Man kann nicht klar sagen, dass die Erwachsenen genauso denken wie die Jugendlichen. Man kann aber auch nicht sagen, dass sie genau anders denken.

Hat sich grob ein Wunsch oder Hauptkritikpunkt herauskristallisiert? Etwas, bei dem man sagen würde: "Das muss es hier geben!"

Das kann man pauschal nicht sagen. Es kam zum Thema Freizeit öfter, es wäre schön, wenn wir wieder ein Kino hätten. Aber gut, man geht dann halt nach Dortmund oder Bochum. Etwas, das sich alle Jugendlichen wünschen, hat sich nicht herauskristallisiert.

Jetzt sind schon mehrfach Dortmund oder Bochum angesprochen worden. Kann man sagen, dass die Jugendlichen in Castrop-Rauxel davon profitieren, hier im Ruhrgebiet ganz schnell von A nach B kommen zu können?

Genau. Das ist eigentlich das Fazit, das man aus allen Folgen der Serie ziehen kann: Dass sie immer in anderen Städten des Ruhrgebiets etwas finden, was sie sich wünschen.

Die Serie "Jung sein in Castrop-Rauxel" erscheint ab dem 28. Dezember in sechs Teilen täglich in unserer Zeitung.

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