Upcycling-Projekt

Wie Laura Konieczny mit alten Tischdecken gegen Plastikmüll kämpft

Leben ohne Müll ist die Devise von Laura Konieczny. Um auch anderen Menschen zu helfen, Abfall zu vermeiden, hat sie ein Upcycling-Projekt gestartet: Bestecketuis aus alten Tischdecken.

Vor rund vier Jahren hatte Laura Konieczny ein wahrlich einschneidendes Erlebnis und beschloss, fortan soviel Müll wie möglich zu vermeiden. "Zero Waste your Life" ist ihre Devise. Was übersetzt null Abfall heißt. "Das geht nicht, ist aber der richtige Weg", sagt sie. Abfallvermeidung klinge halt lange nicht so sexy und einprägsam. Ihr neuestes Projekt: Bestecketuis, als Upcycling aus alten Stoffen, z.B. von Tischdecken.

Damit es nicht bei ein paar Taschen bleibt, organisierte die 25-Jährige kurzerhand ein Crowdfunding. Jetzt sucht sie Leute, die bereit sind, für das Projekt zu spenden. Sobald 8000 Euro zusammen sind, fällt der offizielle Startschuss. Doch schon jetzt wird genäht, denn Laura Konieczny hat einen engagierten Partner für das Projekt gewonnen. Den Verein "Von Menschen - für Menschen" aus Ickern.

"Ich war eine Tischdecke" könnte auf der Bestecktasche stehen, die Martina Lippert vom Verein als einen der zahlreichen Prototypen zeigt. Sie konnte fünf Frauen gewinnen, die fleißig nähen und die hoffentlich große Nachfrage nach dem nachhaltigen Transportmittel für Besteck und Co. bedienen helfen.

Ärger über viel Müll auf Open-Air Festivals

Aber zurück zu Laura und dem Auslöser für ihre Initiative. "Ich habe zwei große Hobbys", sagt die gebürtige Castrop-Rauxelerin, früher lange aktiv im KiJuPa, dann, als Studentin, freie Journalistin in der Stadt und nun mit Wohnsitz in Berlin, aber ebenso oft in der alten Heimat anzutreffen. Surfen und Musikfestivals sind ihre Leidenschaft. Während sie beim Surfen vor vier Jahren nach einer Superwelle schmerzhaft auf einem Plastikteil landete, das im Meer dümpelte und ihr den Fuß einschnitt, störten sie vor allem bei großen Open-Air-Festivals die riesigen Müllberge, die die Besucher zurückließen.

Laura Konieczny notierte eine Woche lang akribisch, welchen Müll sie selbst produzierte - und erschrak über die Menge. Seither kauft sie bewusst ein, bevorzugt in Unverpackt-Läden, ansonsten möglichst lose Ware und transportiert die Dinge in eigenen Taschen und Gefäßen. "Das hilft, das Konsumverhalten zu überdenken, macht sensibel", sagt sie. Man werde achtsamer und denke nachhaltiger.

Do-It-Yourself-Parties kommen gut an

Über das große Interesse im Freundeskreis an ihrem nachhaltigen Lebensstil und spontanen kleinen Workshops reifte der Entschluss, sich selbstständig zu machen. Mit Workshops, Informationsveranstaltungen in Schulen und Do-it-yourself-Parties, die, so sagt Konieczny, ähnlich funktionieren wie Tupperpartys.

Nur ohne Einkäufe am Schluss. Bemerkungen wie "Krass, da hätte ich auch selbst drauf kommen können", zeigten, wie gut ihre Tipps ankommen. Gut angenommen wird auch Laura Koniecznys Angebot für interkulturelle Begegnungen unter Jugendlichen, die über mehrere Tage laufen. Unterschiedliche Angebote mit demselben Ziel: Menschen für die Umwelt zu sensibilisieren, den Müllberg zu reduzieren. Wie aktuell mit den Etuis, die mit einem Besteckset und einem Trinkhalm aus Glas geliefert werden.

Das Crowdfunding startete am 5. November und läuft noch bis zum 2. Dezember, 23.59 Uhr. Bis dahin müssen 8000 Euro Startkapital zusammen gekommen sein. Damit fällt der offizielle Startschuss für den Verkauf der Etuis. Die gibt es in zwei Größen, aber stets als Unikat. Wer spendet, tut das nicht umsonst, die Gegenleistungen sind aufgelistet, vom guten Karma für 8,50 Euro bis zu den Bestecktaschen ab 38 Euro das Stück. Das ist schon mehrfach gebucht, wie auch eine von fünf Möglichkeiten, 20 Bestecketuis für 780 Euro zu erwerben.

Unterstützer tragen kein Risiko

Voraussetzung ist, dass die Zielsumme erreicht wird. Bis Freitag sind 2972 Euro zusammen gekommen, doch Laura Konieczny ist zuversichtlich und versichert allen Unterstützern, dass sie kein Risiko eingehen. Wird die Zielsumme nicht erreicht, muss niemand seine Zahlungsverpflichtung einlösen.

Zusammen mit Martina Lippert vom Verein "Von Menschen - für Menschen" geht Laura Konieczny vielmehr davon aus, dass die Sache Fahrt aufnimmt, auch des zweite Ziel, später 15.000 Euro zu schaffen, erreicht wird.

Davon würde auch der Verein profitieren, er erhält pro genähtem Etui 13 Euro, für Material und Arbeitsleistung. Damit die Lieferungen, vor allem vor dem Fest als Weihnachtsgeschenke, dann nicht ins Stocken geraten, sind Martina Lippert Stoffspenden sehr willkommen. "Ausrangierte Tischdecken, Geschirrtücher und Sonstiges, Hauptsache aus Baumwolle."

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