Urlaub

Castrop-Rauxeler reisen wieder in die Türkei

Castrop-Rauxel - Putsch-Versuch, umstrittene Politik ? vor zwei Jahren brachen die Zahlen deutscher Urlauber ein. Jetzt erlebt das Urlaubsziel einen Aufschwung. Manche treffen jedoch Vorkehrungen.

Der Putsch-Versuch in der Türkei 2016, die umstrittene Politik des Präsidenten Recep Tayyip Erdogans, die Verhaftung unzähliger Journalisten wie Deniz Yücel ? in den vergangenen zwei Jahren litt die Reisefreude der Deutschen in die Türkei unter den unsicheren Verhältnissen im Land. 5,58 Millionen Menschen waren es noch im Jahr 2015, die ihren Urlaub in der Türkei verbrachten. 2016 sank ihre Zahl auf 3,98 Millionen. 2017 rutschte die Türkei hinter Spanien und Griechenland auf den dritten Platz der beliebtesten Reiseziele.

In diesem Jahr feiert die Türkei als Urlaubsziel ein Comeback, wie Marcus Kieselbach, Mitarbeiter im Wullhorst Wilhelm Reisebüro, Ickerner Straße 12, weiß: "Seit dieser Sommersaison laufen Reisen in die Türkei wieder an." Häufig seien es die Reisenden, die schon immer in die Türkei gefahren seien, die die Reisen buchen. Aber auch viele junge Leute, die sich von der Lage vor Ort nicht verunsichern ließen.

Preise sind stabil geblieben

Der Urlaub in der Türkei sei aber nicht unbedingt günstiger als sonst: "Durch den Einbruch der Reisezahlen 2016 mussten viele Hotels vor Ort schließen. Dadurch sind die Preise relativ stabil geblieben."

Sein Bruder, der im vergangenen Oktober in die Türkei reiste, und seine Mitreisenden stellten dagegen etwas anderes fest: Weniger Deutsche seien als Miturlauber in ihrem Hotel gewesen, dafür deutlich mehr Russen. Bleiben die Urlauber aus Deutschland aus, steigen die Zahlen Reisender anderer Nationen. Angst müsse man als Urlauber in der Türkei nicht haben. "In Istanbul wurde nach dem Putsch-Versuch 2016 zwar zu vermehrter Vorsicht geraten, die türkische Riviera war und ist davon aber nicht betroffen", sagt Kieselbach.

Positiv überrascht gewesen

Sabine Friedrich, Inhaberin des Reisebüros Reisemaxx, Ickerner Straße 33, war selbst gerade erst im Urlaub in der Türkei ? zusammen mit ihrem Freund. Der habe zum ersten Mal seinen Urlaub in der Türkei verbracht und sei sehr positiv von der Situation überrascht gewesen. Entgegen seiner Erwartungen habe es keine große Polizeipräsenz oder Sicherheitsprobleme gegeben.

Laut Friedrich ist der Hauptgrund für einen Türkeiurlaub weiterhin das Preis-Leistungs-Verhältnis, das im Gegensatz zu anderen Ländern wie Spanien oder Griechenland "unschlagbar" sei. So unschlagbar, dass sich Urlauber, die sich nach einem Urlaub am europäischen Mittelmeer erkundigen, letztlich doch für die Türkei entscheiden. Auch ein Gefühl der Gefahr herrsche bei den Türkeireisenden nicht. "Die Leute fühlen sich hier geborgen", sagt Friedrich. Der einzige Grund, warum manche von der Türkei als Urlaubsziel absähen, sei um "ihm", Erdogan, kein Geld in die Kasse zu spielen.

Bei Botschaft registriert

Die Castrop-Rauxelerin und ehemalige Vorsitzende des Vereins für Flüchtlingshilfe Petra Lückel macht seit 2015 Urlaub in der Türkei, zuletzt war sie im Mai dort. "Die Türkei ist ein schönes Land mit netten, offenen Menschen und einer interessanten Kultur", fasst sie ihre Reise-Beweggründe zusammen. Bedenken hatte Lückel vor ihrer ersten Türkeireise im Jahr 2015 keine. Im April 2017, während des Wahljahres, sah dies ein wenig anders aus. Aufgrund ihres politischen Engagements in Castrop-Rauxel hätte sie sich schon Gedanken um ihre Sicherheit gemacht. Nicht genug, um sich von ihrem Urlaub abhalten zu lassen, aber ausreichend, um sich vorher bei der deutschen Botschaft registrieren zu lassen. Das Angstgefühl sei bei ihr allerdings nicht stärker ausgeprägt gewesen, als beispielsweise bei einem Besuch des Berliner Weihnachtsmarkts.

Ihren politischen Aktivismus lässt Lückel während ihrer Türkeiurlaube aber zu Hause. Zum einen weil sie Urlaub hat, und zum anderen weil sie niemanden in Schwierigkeiten bringen möchte. Weder sich selbst, noch die Menschen in der Türkei.

In den Hotelhochburgen selbst merke man sehr wenig von der politischen Stimmung im Land. Es gebe keinen speziellen Groll gegen Deutsche, lediglich eine gewisse Unzufriedenheit und die schwache Lira habe Lückel registriert. Man kriege vor allem mit, dass die Menschen auf den Tourismus angewiesen seien. Und die könnten nicht unbedingt etwas für die Politik ihres Präsidenten. Petra Lückel dazu: "Das Land ist nicht Erdogan, das Land sind die Menschen."

Von Dortmund aus in die Türkei

Der nächste Flughafen, der die Türkei anfliegt, ist der Flughafen Dortmund. Flüge in die Türkei gehen von dort aktuell eher selten aus, 2018 geht es ausschließlich nach Izmir, mit 4 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt in der Türkei.

2015 konnte man neben Izmir und Antalya auch noch nach Ankara, Zonguldak und Istanbul fliegen, 2016 hatte der Flughafen jedoch ein Drittel weniger Fluggäste in die Türkei, weshalb Linien gestrichen wurden. Für 2019 gibt es nun konkrete Pläne, das Ziel Antalya wieder anbieten zu können.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Bahnstrecke in Recklinghausen für zehn Tage gesperrt - was Bahnkunden wissen müssen
Bahnstrecke in Recklinghausen für zehn Tage gesperrt - was Bahnkunden wissen müssen
Ekel-Fund am Kanal in Datteln: Spaziergänger entdecken eine Plastiktüte - der Inhalt schockiert
Ekel-Fund am Kanal in Datteln: Spaziergänger entdecken eine Plastiktüte - der Inhalt schockiert
Närrisches Geheimnis ist endlich gelüftet - das ist das neue Prinzenpaar der Stadt Oer-Erkenschwick
Närrisches Geheimnis ist endlich gelüftet - das ist das neue Prinzenpaar der Stadt Oer-Erkenschwick
Noch ein Leerstand in der Innenstadt - die City von Oer-Erkenschwick blutet immer mehr aus
Noch ein Leerstand in der Innenstadt - die City von Oer-Erkenschwick blutet immer mehr aus
"Bergbau-Ampel": An diesen Straßen in Herten sollen Kumpel den Verkehr regeln
"Bergbau-Ampel": An diesen Straßen in Herten sollen Kumpel den Verkehr regeln

Kommentare