Verfolgungsjagd vor Gericht

Mit aufgemotztem Mofa auf wilder Flucht vor der Polizei

Castrop-Rauxel - Es ist 2.45 Uhr in einer Augustnacht 2017. Ganz Habinghorst schläft. Fast. Von der Verfolgungsjagd auf der Langen Straße und in der Umgebung bekommt wohl kaum jemand etwas mit. Doch eine Dashcam der Polizei belegt das nächtliche Treiben, in dessen Mittelpunkt ein junger Mann und ein aufgemotztes Mofa stehen.

Der Auslöser der Jagd saß am Dienstag auf der Anklagebank des Castrop-Rauxeler Amtsgerichts. Ein 24-jähriger Lehrling, dem Widerstand gegen Beamte sowie eine Trunkenheitsfahrt ohne die erforderliche Fahrerlaubnis vorgeworfen wird. Die Fakten: Der junge Mann hatte am Tag neben Alkohol auch Cannabis und Amphetamine konsumiert. Die Rauschmittel zum ersten Mal, wie er sagte. Das führte er als Begründung an, von der nächtlichen Aktion nicht mehr allzu viel zu wissen. Dass sein frisiertes Mofa, das anstelle der erlaubten 25 km/h nun bis zu 59 km/h schnell war, eines Führerscheins bedurfte, wusste er schon, hatte ihn aber nicht.

Poller stoppten Verfolgung durch die Polizei

Ursprünglich hatte er geleugnet, das Mofa gefahren zu haben. "Das war jemand anders", hatte er dem Richter geschrieben. Davon nahm er nun Abstand, wusste vom Geschehen aber nur noch, dass sich ihm, als er sein Mofa inzwischen schon schob, drei Männer näherten. "Wir haben natürlich ,Polizei, stehen bleiben' gerufen, ob er das sofort verstanden hat, wissen wir aber nicht", so die beiden Polizisten im Zeugenstand. Vor der Überwältigung nahe des Wohnhauses des Angeklagten hatten sie sich eine Verfolgungsjagd mit ihm geliefert. Erst über die Lange Straße, wo sie der Flüchtende abhängte, indem er in eine Seitenstraße abbog, die dem Auto durch Poller die Weiterfahrt unmöglich machte.

Widerstand schnell aufgegeben

Eine halbe Stunde später trafen die Ordnungshüter wieder auf den Verfolgten, der inzwischen, vermutlich weil der Tank inzwischen leer war, sein Zweirad schob. Erst soll der 24-Jährige in Abwehrhaltung seine Fäuste geballt haben, dann weggelaufen sein. Er wurde aber schnell von den Polizisten eingeholt und überwältigt.

"Er war nicht bösartig", so die Einschätzung der Polizei zur Festnahme. Das bewog Staatsanwalt und Richter, diesen Widerstand nicht zu hoch zu bewerten. Dennoch wurde der Angeklagte zu 800 Euro Geldstrafe verurteilt und darf innerhalb der nächsten 12 Monate keinen Führerschein erwerben. "Sie wissen sicher selbst, dass Sie nicht der perfekte Kandidat für einen Führerschein sind", merkte der Richter in seiner Urteilsbegründung an. Und verwies auf eine Vorstrafe, die auf einer Trunkenheitsfahrt ohne Fahrerlaubnis vor drei Jahren beruhte.

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