Viele Schadstoffe

Die Luft in der Altstadt ist nach wie vor dick

Castrop - In der Altstadt ist die Luft nicht gut. Bei Feinstaub und Stickstoffdioxid werden die Grenzwerte zwar nicht überschritten, sagen Berechnungen. Aber es sind reichlich Schadstoffe unterwegs. Eine Lösung des Problems ist wohl schwierig, denn das Auto löst sich nicht auf.

Die Luft in der Altstadt ist nach wie vor dick. Nach den neuesten Berechnungen noch ein bisschen schlimmer als beim Test im vergangenen Jahr. Wirklich gemessen werden Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid (NO²) in Castrop-Rauxel bekanntlich nicht, sondern lediglich berechnet. Die neuen Daten wurden ermittelt, weil es eine Aktualisierung des Handbuches für Emissionsfaktoren im Straßenverkehr gibt. Zum Einsatz kam dabei ein Testmodell des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Im Umweltausschuss gab es nun die neuen Zahlen über die Schadstoffe, die unsere Gesundheit bedrohen. Die Grenzwerte, um das vorweg zu schicken, werden nach wie vor nicht überschritten. Der Grenzwert bei PM10 liegt bei 30, bei Stickstoffdioxid bei 40 Mikrogramm (µg) pro Kubikmeter. "Aber wir bewegen uns auf hohem Niveau", sagte der stellvertretende Chef des EUV-Stadtbetriebs, Thorsten Werth-von Kampen.

Reale Abgaswerte berücksichtigt

Bei der Berechnung werden das Straßennetz, eine Verkehrszählung (November bis Dezember 2015), verkehrsflottenabhängige Emissionsdaten, Gebäudemodelle und landesweite Daten über Lage und Höhe von Gebäuden in die Berechnung einbezogen. Für die Wetterdaten unserer Stadt werden die meteorologischen Daten einer Wetterstation in Essen der vergangenen zehn Jahre verwendet. Anders ist bei der Neuberechnung, dass die Behörde erstmals auch Abgasmesswerte berücksichtigt, die bei realen Fahrten auf der Straße ermittelt wurden. Neu ist auch, dass jetzt eine Temperaturabhängigkeit des Stickstoffdioxids-Ausstoßes bei den Diesel-Autos berücksichtigt ist. Zumindest bei den Dieseln der Abgasstufen 4, 5 und 6. Laut Werth-von Kampen würden die Berechnungen die Realität richtig abbilden.

"Eine Gesundheitsschädigung tritt ja nicht erst beim Grenzwert von 40 Mikrogramm, sondern schon vorher ein", stellte Ausschussvorsitzende Notburga Henke (Grüne) klar. Am Biesenkamp liegt der Wert beim Stickstoffdioxid in einem Abschnitt bei 38.1, in einem zweiten Abschnitt bei 37 µg. Den Höchstwert bei Feinstaub gibt es an der Wittener Straße mit 26.1 µg. Das ist nicht so weit von den Grenzwerten entfernt.

Warum ist das Bild an der B235 anders?

Dass es dieses Testmodell nur für die Altstadt gibt, kann Josef Berkel (CDU) nicht nachvollziehen. "Warum ist die B 235 da nicht drin?", fragte er im Ausschuss. Von Rewe Engelhardt bis Datteln gebe es jeden Nachmittag Stau. "Die Schluchtensituation fehlt", erklärte Werth-von Kampen. Und meint damit die zusammenhängende dichte und hohe Bebauung rechts und links der Straße. "Das ist wie seinerzeit bei der Ausweisung der Umweltzone", kommentierte SPD-Fraktionschef Daniel Molloisch. Da habe auch keiner verstehen können, warum hier die B 235 als Grenze herhalten musste.

Uli Häpke (Linke) appellierte an alle Beteiligten, sich jetzt Gedanken zu machen, wie das drängender werdende Luft-Problem in den Griff zu kriegen sei. Und nicht erst zu handeln, wenn Grenzwerte überschritten würden. Das tue man, so Werth-von Kampen: "Wir haben etwa am Biesenkamp den Radweg auf die Straße verlegt, um das Tempo und damit den Schadstoffausstoß zu senken." Und auch sonst sei die Verwaltung nicht untätig geblieben. Um den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken, sei der Busbahnhof modernisiert worden, das Pflaster auf dem Altstadtmarkt (Parkplatz) gelte als Schadstoffschlucker. "Aber wir bewegen uns hier in einem Spannungsfeld", betonte der EUV-Mann. Denn trotz der Luftnot: Eine Altstadt ohne Autos könne es auch im Interesse des Einzelhandels nicht geben.

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