Vier Plätze

Evangelisches Krankenhaus will im Spätsommer Palliativstation eröffnen

Castrop-Rauxel - Gute Nachrichten aus dem Evangelischen Krankenhaus: In diesem Jahr entsteht dort eine Palliativstation mit vier Plätzen. Das EvK betreibt in diesem Bereich Pionierarbeit in Castrop-Rauxel. Die Leiter räumen auch mit Vorurteilen auf.

Im Haus B soll sie einziehen: Die neue Palliativstation, die das Evangelische Krankenhaus dort plant. Es ist die erste dieser Art in Castrop-Rauxel. "Wir sind wahnsinnig froh, dass wir die Palliativstation aufbauen können", sagt Dr. Christoph Schildger.

Er selbst ist Palliativmediziner, hat vor Jahren die Zusatzausbildung gemacht. Als Assistenzarzt am Herner Krankenhaus, das auch zum Verbund gehört, hat er die ersten Erfahrungen im Palliativbereich gemacht. Denn dort gibt es schon sei 25 Jahren eine Palliativstation - Herne war damals Vorreiter in Nordrhein-Westfalen.

Vorbild aus Herne

Nach deren Vorbild soll die am EvK an der Grutholzallee entstehen. "Die in Herne ist zwar größer, aber wir können von den Erfahrungen profitieren", sagt Frank Obenlüneschloß, der das Projekt mit Dr. Schildger angestoßen hat. Geschäftsführung und Verwaltung haben ihr Okay gegeben. Keine Selbstverständlichkeit - ist die Palliativmedizin im Krankenhausbereich ein Zuschussgeschäft. DIe Kosten für den Umbau kann das EvK noch nicht beziffern.

Angesiedelt wird die Palliativstation an der Geriatrie, auf der ersten Etage im Haus B. "Hier können wir einen Bereich errichten, der ein bisschen abgeschlossener ist," sagt Obenlüneschloß. Denn in der Palliativmedizin sei Ruhe besonders wichtig. Beim Umbau wird eine Zwischentür versetzt. Vier Plätze gibt es dann dort - verteilt auf ein Doppelzimmer und zwei Einzelzimmer. Die sollen aber weg von der üblichen Krankenhausatmosphäre. "Das ganze soll eher Wohnzimmercharakter haben", sagt Schildger. Nicht nur für die Patienten selbst, sondern auch für die Angehörigen, die vielleicht rund um die Uhr beim Patienten bleiben wollen. Für sie gibt es in den Zimmern unter anderem eine Ausziehcouch.

"Wohnzimmercharakter"

Außerdem soll eine Terrasse angebaut werden, zwei Fenster am Ende des Flurs müssen dafür weichen. "In Herne haben wir einen großen Balkon. Die Palliativpatienten nutzen den sehr gerne, sitzen dort in der Sonne und genießen die frische Luft", sagt Obenlüneschloß. Außerdem soll es eine kleine Küche geben, denn auch beim Speiseplan ist Individualität gefragt. "Wenn jemand gerne noch mal Rührei essen möchte, soll er es bekommen", sagt Schildger. Schildger und Obenlüneschloss betonen auch, dass die Palliativstation keine Sterbestation sei.

Patienten, die eine nicht heilbare Diagnose erhalten haben, sollen stabil gemacht werden und im besten Fall wieder nach Hause zurückkehren. Vor allem die Symptome ihrer unheilbaren Krankheit sollen gelindert werden. Dabei geht es um einen ganzheitlichen Ansatz, nicht nur um körperliche Schmerzen. "Vor allem bei Krebspatienten kommen auch Symptome wie Übelkeit, Müdigkeit und Abgeschlagenheit hinzu", sagt Dr. Schildger. So sollen zum multiprofessionalen Team auch Seelsorger, Physio- und Ergotherapeuten und Psychologen gehören. Aber natürlich gebe es auch Patienten, für die die Palliativstation die letzte ihres Lebens sei. Denen soll der Weg in den Tod unter möglichst menschenwürdigen Bedingungen ermöglicht werden.

Förderverein gründet sich

Damit auch Zusatzangebote wie Aroma-, Kunst- und Atemtherapien ermöglicht werden können, soll im April oder Mai ein Förderverein gegründet werden. Auch das hat sich in Herne bewährt.

Im Spätsommer - so der Zeitplan - soll die Palliativstation eröffnen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Die Pflegekräfte absolvieren noch die Fortbildung Palliativ Care, die Geriatrische Station muss umgebaut werden.

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