Waren es sexuelle Übergriffe?

Sonderbare Massage im Evangelischen Krankenhaus

Castrop-Rauxel - Der Angeklagte soll im Krankenhaus seinen Mitpatienten sexuell genötigt haben: Er schmierte ihn mit einer Creme ein und massierte ihn erst. Dann soll er dem Bettnachbarn in die Hose gegriffen haben. Das Amtsgericht verhandelt derzeit einen sonderbaren Fall.

Das Thema Krankenhaus ist für den 21-Jährigen seit Sommer letzten Jahres ein Stress-Thema. Seitdem er, der wegen Rückenbeschwerden ins EvK eingewiesen worden war, unter der Zudringlichkeit seines 58-jährigen Bettnachbarn gelitten hatte. Dennoch musste er die "Massage", die ihm dieser angeblich wider Willen aufgedrängt hat, vor dem Strafrichter noch einmal schildern.

So soll sich der Mann dem Jüngeren aufgedrängt haben. "Er hat ständig von Massage geredet, die unser Bruder brauchen würde", bestätigten auch die beiden Schwestern des 21-Jährigen, die am Nachmittag vor dem angeklagten nächtlichen Übergriff zu Besuch waren.

"Er krümmte sich vor Schmerzen"

Das stritt der Angeklagte auch gar nicht ab. "Er krümmte sich vor Schmerzen, hatte eine Wirbelblockade, da habe ich gesagt, dass es mit eine Massage besser würde", sagte er aus . Stellte sich dann aber als Opfer dar. So soll der Jüngere während der Massage die Hose heruntergelassen haben.

"Stimmt nicht", ließ der 21-Jährige durch seine Dolmetscherin sagen. "Er hat den ganzen Tag von Massage geredet, da habe ich irgendwann zugestimmt, obwohl es mir nicht angenehm war." Zunächst sei der Rücken dran gewesen, der Angeklagte habe auch eine Creme eingesetzt, die "gestunken" habe. Dann habe er sich umdrehen müssen, die Hände des Älteren seien dann vom Brustkorb abwärts gewandert, wären in die Hose gefahren und hätten den Penis umklammert.

War die Nachtschwester auf dem Flur sein großes Glück?

In diesem Moment wäre eine Nachtschwester auf dem Flur zu hören gewesen. Vielleicht sein Glück. Denn der Angeklagte habe von ihm abgelassen, sei auf dem Flur spazieren gegangen. Er selbst sei ins Bad, habe die Creme abgewaschen und dann, gegen 1 Uhr nachts, seine Schwestern angerufen. Die Nachtschwester habe er um ein anderes Zimmer gebeten. Am nächsten Morgen hat er das Krankenhaus verlassen. Brauchte später die Hilfe eines Psychologen, um das Geschehene zu verarbeiten.

Ein Geschehen, das der Angeklagte völlig anders wahrgenommen haben will. Er habe wegen eines Schlaganfalls im Hirn viele Medikamente genommen, habe zeitweilig sein Sprachvermögen verloren und ein sexuelles Verlangen habe er schon seit Jahren nicht mehr, ließ er seine Dolmetscherin sagen. Denn beide Männer sind unterschiedlicher Nationalität, sprechen nur rudimentär Deutsch.

Der Angeklagte willigte ein, die behandelnden Ärzte von ihrer Schweigepflicht zu entbinden. Nach deren Aussagen will der Richter am 20. März ein Urteil sprechen.

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