Weltjugendtag 2019

Pilgerin Lisa Meier knüpft Freundschaften bei einem Aidshilfeprojekt in Panama

Sie kam als Touristin und ging mit neuen Freunden: Lisa Meier aus Castrop Rauxel hat am Rande des Weltjugendtages in Panama ein Aidshilfeprojekt von Adveniat besucht. Sie war ergriffen.

"Mein Gott, da kommen mir meine eigenen Probleme so klein vor", sagt Weltjugendtags-Pilgerin Lisa Meier nach dem Besuch des Adveniat-Aidshilfeprojektes am Dienstag in Panama-Stadt. Auf dem Hinflug habe sich die 26-Jährige aus Castrop-Rauxel noch Gedanken über die Finanzierung eines Autos gemacht. Jetzt überlege sie, wie sie die Aids-Kranken, die sie bei dem Treffen kennengelernt hat, von Deutschland aus unterstützen kann.

Auf die Menschen am Rande der Gesellschaft einlassen

Auch das gehört zum Weltjugendtag: Sich einlassen auf die Menschen im Gastgeberland, insbesondere auf die, die am Rande der Gesellschaft stehen oder - wie die HIV-Infizierten in Panama - von ihr ausgeschlossen sind. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat ermöglicht fast 600 deutschen Pilgerinnen und Pilgern solche Projektbesuche.

Mit jährlich 1400 Neuinfektionen ist das vier Millionen Einwohner zählende Panama das Land mit der höchsten Infektionsrate in Zentralamerika. 17 alleinstehende Aids-Kranke wohnen unter dem Dach der Stiftung "Haus des guten Samariters" im Viertel Juan Díaz in Panama-Stadt, die am kommenden Sonntag auch Papst Franziskus besuchen wird.

Papst Franziskus macht auf die "lebenden Toten" aufmerksam

Dankbar sind die Bewohner, die bisher von der Gesellschaft wie lebende Tote behandelt wurden, dass der Papst auf ihre Situation aufmerksam macht. Und dankbar sind sie auch für die Begegnungen mit den deutschen Pilgern.

"Dass mich jemand in den Arm nimmt, und keine Angst hat, sich dabei anzustecken, kenne ich eigentlich gar nicht", sagte Bewohnerin Linet leise beim Besuch von Lisa Meier mit der Adveniat-Pilgergruppe. Laut ist hingegen ihre Botschaft an die Jugendlichen aus Deutschland: "Passt auf euch auf und schützt andere. Das Leben ist wertvoll!"

Aids-Patientin Linet brachte gesunde Tochter zur Welt

Mit Hilfe des Adveniat-Projektes konnte sie eine gesunde Tochter zur Welt bringen, ihren eigenen Gesundheitszustand stabilisieren und Lesen und Schreiben lernen. "Der Weltjugendtag ist wichtig, weil man andere Kulturen kennenlernen kann, und man muss auch so eine katholische Veranstaltung nutzen, um aufzuklären, wie man sich vor HIV schützen kann", sagt Linet.

Gefragt nach ihren Träumen, nannt sie drei: Irgendwann wieder gesund für ihre Tochter da sein zu können; dass es bessere Präventionsprogramme gibt, damit sich nicht mehr so viele Frauen infizieren, und dass das Wohnheim größer wird und damit mehr Menschen geholfen werden kann.

Tränen der Ergriffenheit in den Augen

Ein anderer Bewohner, Jonathan ist erst seit zwei Wochen im Wohnheim. Er ist nicht nur HIV-Positiv, sondern leidet auch an Tuberkulose und Epilepsie. "Ich werde dem Papst sagen, dass ich etwas lernen möchte", verriet er Lisa Meier am Dienstag zum Abschied. "Ich bin krank, aber nicht dumm."

Die Tränen standen der taffen Sozialarbeiterin aus Castrop-Rauxel dabei in den Augen. "Ich bin ziemlich ergriffen", sagte sie und atmete tief durch. "Es war am Anfang schwer, weil wir da so reinspaziert sind wie Touristen. Nach dem gemeinsamen Vormittag verlassen wir hier aber Freunde."

Der Weltjugendtag hat am Mittwoch nun so richtig begonnen. Papst Franziskus wird jetzt in der Stadt erwartet, in der Hunderttausende sich auf seine Ankunft freuen. Lisa Meier ist vor anderthalb Wochen schon nach Costa Rica gereist, inzwischen in Panama angekommen und wird noch bis zum Wochenende in Mittelamerika bleiben.

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