Weltjugendtag in Panama

Lisa Meier in Mittelamerika: "Wir wurden wie Stars empfangen"

Lisa Meier und Philipp Wilke sind in Mittelamerika unterwegs. Wie ist es da rund um den Weltjugendtag in Panama? Wir befragten sie via Facebook-Messenger.

Sie antwortete am Donnerstag um 17 Uhr auf unsere Fragen. "Zunächst einmal muss ich mich entschuldigen", schrieb sie, "dass es so lange gedauert hat. Aber Programm und Zeitverschiebung machen es ziemlich schwierig. Abends ist man echt durch den Wind. Meist fällt sogar das Gute-Nacht-Bier ins Wasser."

Wie waren die Tage der Begegnung ist Costa Rica?

Die Tage der Begegnung in Costa Rica waren sehr intensiv und bewegend. Nachdem wir nach einer langen Busfahrt spät abends in San Isidro de El General ankamen, waren wir alle sehr müde. Die Aufregung darüber, wie die Gastfamilie sei, bei der wir drei Nächte schlafen sollten, war nur noch am Rande spürbar. Die Müdigkeit war immens. Wir haben dort das Don Bosco Zentrum aufgesucht, wo wir alle registriert werden sollten. Was in Deutschland jetzt vermutlich als langweiliger Akt der Notwendigkeit wahrgenommen würde, war hier eine riesige Party. Das hiesige Radio, Priester und Freiwillige aus den umliegenden Gemeinden begrüßten uns mit Hupkonzerten, Tanz und Gesang. Jeder bekam ein kleines Pilgerpaket mit T-Shirt, Ausweis, Getränk, Armbändern, Pins und so. Danach ging es in die Kathedrale. Eine Messe war nach dem anstrengenden Tag nicht das, wonach wir uns alle sehnten. Doch auch hier wurden wir total überrumpelt von dem Aufwand, der betrieben wurde. Mit Konfettikanonen, Liedern, Instrumenten und Tänzen wurden wir wie Stars gefeiert. Der Vorplatz und die Kirche bebten unter den Klängen der oben genannten Sachen. Der Erzbischof selber hielt den Eröffnungsgottesdienst. Die Müdigkeit war inzwischen übrigens wie weggeblasen - ich und wir alle waren so ergriffen von dem Aufwand. Nach der Messe ging es in die Gastfamilien. Am nächsten Tag sollte sich herausstellen, dass es manche hinsichtlich der Standards ihrer Gastfamilie gut "getroffen" hatte, andere mussten sich erheblich umstellen. Was jedoch an "Luxus" zu fehlen schien, also warmes Wasser, eine Klobrille oder sogar ganze Hauswände, wurde durch Gastfreundschaft und Herzlichkeit wieder ausgeglichen. Für uns würden Zimmer geräumt, damit wir als Gäste uns dort wohlfühlen. Wenn man beim Abschied nach drei Tagen merkt, dass man durchaus weinen will, weil die Tage der Begegnung bereits zu Ende sind, dann weiß man, was diese Beziehungen, die geknüpft wurden, wert sind.

Seit wann sind Sie in Panama? Wie wurden Sie empfangen?

Am Sonntagmittag sind wir in San Isidro aufgebrochen. Nach ca. 5 Stunden Busfahrt, der Bus wollte nicht schneller als 60km/h fahren, kamen wir an der Grenze an. Auch Grenzübertritte sind ja meist damit verbunden, dass man hofft, problemlos hinüber zu kommen. Auch das war hier ganz anders. Schon beim Erreichen der Grenze jubelten Militär und Polizei uns zu. Irgendwie befremdlich. Bevor wir zu den Kontrollen durften, bat uns eine Soldatin, etwas zu singen. "Jesus Christ, you are my life" ist da immer ein Klassiker. Sie nahm uns auf, wollte Fotos machen und am liebsten ein paar Souvenirs tauschen. Die Einreise klappte problemlos. Auch hinter der Grenze ging die Party weiter. Mit dem Busfahrer wurde gemeinsam gebetet, dass wir gut in Panama Stadt ankämen. Als wir uns nach einer echt unbequemen Nacht im Bus der Stadt näherten, wurde mir klar, wie sehr sich die Stadt und dieses Land über die Entscheidung von Papst Franziskus vor drei Jahren freuten. Fahnen, Banner, Aufkleber und ganze Straßenzüge waren mit dem Logo des WJT versehen. Menschen, die hupten, uns zuriefen. Als seien wir Stars. Ich fühle mich nicht so. Die Dankbarkeit auf beiden Seiten ist so immens, dass man sich nur wohlfühlen kann. Ein Land im Ausnahmezustand. Egal wohin wir kamen, jeder empfing einen mit offenen Armen.

Wie war die Eröffnung des Weltjugendtages?

Sie war wahnsinnig gut. Nachdem wir uns alle an die vorherrschende Stimmung gewöhnt hatten, war es großartig. Vor einer malerischen Kulisse - der Cinta Costera -lauschten wir, eingeklemmt zwischen den Palmen auf der einen Seite und dem Meer auf der anderen, den Worten des Erzbischofs Ulloa. Abertausende Fahnen aus aller Herren Länder wurden geschwenkt, in der Hitze half jeder dem anderen mit Wasser oder einem Schirm aus, der mal kurzfristig Schatten spendete. Auch die Worte des Bischofs fanden Anklang. Wie bereits Bischof Gabriel in San Isidro hatte auch Bischof Ulloa für die Jugendlichen eine Botschaft: sich auf den Weg zu machen. Wir seien eine junge Kirche, die viel bewegen könne und müsse. Wir sollten uns nicht dem Konsum, der den Alltag beherrscht, hingeben. In Panama steht ganz klar die indigene Bevölkerung im Mittelpunkt, welche hier mit vielen Problemen wie Diskrimierung, Ausgrenzung, schlechter Bildung und Bedrohungen in ihrem Lebensraum zu tun hat. Sich für eine bessere, gerechtere Welt einzusetzen, sei unsere Aufgabe - und genau dies bedeutet es auch, Christ zu sein. Die lateinamerikanische Kirche scheint sich darauf verständigt zu haben, die Jugendlichen ganz stark in die Verantwortung zu nehmen und vermitteln zu wollen, Lebensumstände nicht als gegeben hinzunehmen. Christ sein bedeutet, auf Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen, sich einzusetzen für benachteiligte Minderheiten und vor allem aber, den unbequemen Weg zu gehen.

Es soll im Vorfeld einen großen Stromausfall gegeben haben. Waren Sie betroffen? Gab es Probleme?

Nein. Dadurch, dass wir die 24 Stunden vor Ankunft eigentlich nur im Bus unterwegs waren, ist das an uns vorbei gerauscht. Auch aufgrund des nicht immer vorhandenen Internets wussten wir erst relativ spät davon. Ich meine, es war sogar bereits Dienstag, als dies die Runde machte. Die Kommunikation hier ist etwas langsamer und langwieriger. Es tut gut, nicht immer erreichbar zu sein.

Wir haben gehört, Sie haben dort eine Castrop-Rauxelerin getroffen?

Ja, das war eine ganz witzige Geschichte. Im Vorfeld hatten wir, also Franziska Donay und ich, über Facebook Kontakt aufgenommen und wollten uns in Panama treffen. Franziska lebt gerade in Paraguay. Da zumindest ich aber auf W-Lan angewiesen bin und jeder mit einer Gruppe hier ist, hat eine Verständigung bis dato noch nicht klappen sollen. Nach dem Eröffnungsgottesdienst an der Cinta Costera sind meine Gruppe und ich in die Metro eingestiegen. Es war wahnsinnig voll. An der Endhaltestelle angekommen, stieg ich aus, wollte gerade rechts herum abbiegen, als von links eine Stimme meinen Namen rief. Und so trafen wir uns. Da jeder in eine andere Richtung wollte, mussten wir uns schnell wieder trennen. Vielleicht gelingt es uns ja später noch, ein gemeinsames Foto mit der Flagge aus Castrop zu machen.

Jetzt tritt Papst Franziskus beim Willkommensfest vor die Gläubigen. Wie groß ist die Vorfreude?

Sehr groß. Die Freude der Einheimischen steckt einfach an. Das Land Panama und ganz Mittelamerika sind wie in Trance. Die Freude darüber, dass sich die ganze Welt hierhin aufmacht, prägt dieser Tage das Verhalten aller Panameños. Zu sehen, wie sehr sich das Land über die Ankunft des Papstes freut, ist pure Freude für jeden Teilnehmer.

Auf welche Highlights freuen Sie sich noch besonders?

Ganz klar auf die Messen mit Papst Franziskus. Die Vigilfeier ist immer sehr stimmungsvoll und ergreifend. Die ist am Samstagabend. Der Papst steht im Zentrum und die Gläubigen aller Herren Länder stehen im Dunkeln mit Kerzen in der Hand auf dem Feld. Es wird die ganze Nacht über gesungen. Man übernachtet auf dem Abschlussgelände und ist dann am nächsten Morgen direkt zum Abschlussgottesdienst vor Ort. Dadurch, dass diese Nacht auf ein Minimum an Eindrücken reduziert ist, erlebt man sie besonders intensiv. Und dann ist ganz klar: Wir wollen wissen, welches Land 2022 Ziel des WJT wird.

Wann geht es zurück?

Erst am 1. Februar, also am Freitag der kommenden Woche. Nachdem der WJT offiziell zu Ende geht, bleibt unsere Gruppe noch einige Tage hier. Ich bin gespannt, wie Panama City ohne den Weltjugendtag ist. Wir werden uns auch noch den Panamakanal ansehen, eine Führung durch die Altstadt bekommen, zwei Tage im Regenwald wandern gehen, ehe wir uns bei unserem letzten Tagesausflug einen Tag auf den San Blas Inseln ausruhen können. Ich denke, dass es gut ist, nicht direkt zurückzufliegen, damit der Wechsel in den Alltag nicht so hart wird.

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