Westfälisches Landestheater

"Ich bin dann mal weg": Hape Kerkelings Bestseller feierte Bühnenpremiere

Humoristisch inszeniert und mit einigen typischen Ruhrpott-Schmunzlern versehen, nehmen sieben starke Darsteller das Publikum mit auf den Jakobsweg nach Santiago de Compostela.

Ein blaues T-Shirt mit einer gelben Jakobsmuschel trägt Mike Kühne alias Hape Kerkeling, als er mit einem knallroten Wanderrucksack auf dem Rücken und dicken Wanderschuhen an den Füßen durch einen Seiteneingang den Saal der Stadthalle betritt. "Ich bin dann mal weg" ruft er durch den Saal dem Publikum zu, dann geht es los mit dem Stück.

Sieben Darsteller schlüpfen in die Rolle von Hape selbst, zwei Maultaschen-liebenden Schwaben oder Schnabbel und Gerd, einem sich leidenschaftlich zankenden, österreichischem Paar, und nehmen die Zuschauer, die sich bei der Reise bequem zurück lehnen können, mit auf den langen Fußmarsch. Mit unterschiedlichen Video-, Bild- und Textprojektionen und der Einspielung von Musik verwandelt sich die Bühne in spanische Weinberge, das Innere von Hapes Tagebuch und erlaubt Einblicke in dessen Kindheit im Ruhrgebiet. Hapes "Omma" gibt ihm dabei immer wieder gute Ratschläge, während sie dabei ein "Büttercken" schmiert.

Ganz anders als der aufgedrehte Showmaster steht hier der "echte Hape" im Vordergrund. Mit stichelndem Humor und Aufrichtigkeit erweckt Mike Kühne die Figur des Hape Kerkeling zum Leben, ohne sie zu kopieren. Die außergewöhnliche Darstellungsform des Stücks erlaubt es den Zuschauern, in die Gedankenwelt des Mannes einzudringen, ohne die Geschichte dabei aus den Augen zu verlieren. Die aus dem Originalbuch zitierten Texte lassen Kerkelings Geschichte ihren Charakter. Denn auch das Originalbuch ist ein Tagebuch.

Kühne präsentiert einen Hape, der der Welt um sich herum mit einem sanften, aber echten Humor begegnet, ohne dabei zu übertreiben. Zugute kommt Kühne dabei sein Talent, die Rolle ganz für sich anzunehmen, und die langen, ausdrucksvollen Passagen auf lebendige, Hape-typische Weise zu erzählen. Wer "Ich bin dann mal weg" nur als Hörbuch kennt, könnte überrascht sein von der Ähnlichkeit der Stimmen von Mike Kühne und Hape Kerkeling.

Bei der Wanderung durch Wind und Wetter begegnen den Zuschauern die buntesten Charaktere, Pilger, Hippies, Bauern und Schafen, die ihn zwischendurch vor schwere Herausforderungen stellen, durch die er aber auch Selbsterkenntnis gewinnt. Das auf einer Seite lebendige und lustige Stück, das vor allem durch die übertriebene Darstellung der unterschiedlichen Nationalitäten der Pilger an Würze gewinnt, besticht gleichzeitig auch durch die emotionalen, teilweise religiösen Einschübe. Die Wanderung auf dem Jakobsweg wird zur Suche nach dem eigenen Selbst und seiner Bedeutung. Seine Figur Hape findet auf dem Weg unverhofft etwas, das er nicht zu finden erwartet hat.

"Was Hape Kerkeling auf dem Weg genau gesucht hat, kann man gar nicht sagen. Ich glaube, das wusste er selbst nicht bis zu dem Zeitpunkt", sagt Regisseur Urs Alexander Schleiff über das Stück. "Seine Pilgerfreundin Anne fragt ihn irgendwann im Laufe der Reise "Was glaubst du, gefunden zu haben?" und er sagt den schönen Satz, "Ich habe Freunde gefunden. Daran glaube ich und deswegen hat sich dieser Weg für mich gelohnt." In einem späteren Interview hat er gesagt, er hätte keine Angst vor der Zukunft. Diese Erkenntnis hat der Weg ihm gebracht. Er hat vieles hinter sich gelassen. Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie wir Hape Kerkelings Tagebuch als Stück umsetzen. Es geht um die Begegnungen mit den Menschen und darauf haben wir uns konzentriert."

Wer das Buch gelesen hat, wird einige Passagen schnell wiedererkennen. Besonders die prägenden Begegnungen, die in Hape Kerkelings Wandertagebuch erzählt werden, finden ihren Platz auf der Bühne. Knackige Dialoge und Hapes innere Monologe erinnern den Zuschauen durch das ganze Stück hindurch daran, was es eigentlich ist: ein Tagebuch.

Gute zweieinhalb Stunden reist das Publikum mit Hape und seinen neuen Freunden auf dem Jakobsweg durch Geisterdörfer und übernachtet in fragwürdigen Unterkünften mit anderen Pilgern. Bei der ausverkauften Premiere am Samstag gab es nach dem Stück minutenlangen Applaus, fünfmal kamen die Schauspieler zurück auf die Bühne und durften sich bejubeln lassen. Für den ein oder anderen Zuschauer und Hape-Liebhaber hätte noch etwas mehr die Tiefe und Suche während der Reise hervorgehoben werden können, die Sentimentalität und der Kampf mit sich selbst, den Hape auf der ganzen Reise gegen sich selber und seine schmerzenden Füße führt.

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