Zwei Indizien

Neun Monate auf Bewährung wegen Körperverletzung bei Probenraum-Party

Hat der 27-jährige Angeklagte dem Geschädigten den Schneidezahn ausgeschlagen oder nicht? Diese Frage stand im Amtsgericht im Raum. Die Anhörung weiterer Zeugen sollte nun Klarheit bringen.

Wie vergangene Woche berichtet, soll der Angeklagte im Februar den 28-jährigen Erstatter der Strafanzeige geschlagen haben, als er einem Verwandten helfen wollte, dessen junge Freundin abzuholen. Die 20-Jährige war Gast einer Party im Probenraumzentrum an der Wartburgstraße und soll von dort dem Freund per Whatsapp einen Hilferuf gesandt haben. Sie werde am Gehen gehindert und wolle abgeholt werden, schrieb sie.

Eine blutige Hand bemerkt

Beim ersten Versuch, das allein zu bewerkstelligen, hatte der 21-jährige Freund "eine geklatscht" bekommen und deshalb die Verstärkung dazu gebeten. Während dieser dem Gastgeber nur "Körper an Körper" gegenüber gestanden habe, verließ der 21-Jährige mit der Freundin den Raum. Er hatte aber noch, so seine Zeugenaussage, beim Angeklagten eine blutige Hand bemerkt. Schläge will dagegen niemand bemerkt haben.

"Ich hatte viel getrunken", gestand beim Fortsetzungstermin nun ein weiterer Partygast. Deshalb habe er sich hingelegt und sei fest eingeschlafen. Er will weder etwas von einer Schlägerei noch vom Polizeieinsatz bemerkt haben, bis ihn ein Polizist weckte und befragte. Er sagte aber, dass auch der Gastgeber, der später einen Zahn einbüßte, viel getrunken habe.

Verzicht auf ZeugenZwei weitere Zeugen blieben der Verhandlung fern: Brüder, die den Freund der 20-Jährigen beim ersten Versuch, diese zu holen, verjagt haben sollen. Der Angeklagte wollte die Sache dennoch zu Ende bringen und verzichtete auf diese Zeugen. Er ging letztlich mit einer Bewährungsstrafe von neun Monaten nach Hause. Die Indizien - der ausgeschlagene Zahn und die blutige Hand - belasteten ihn, ebenso wie seine Vorstrafen. Selbstjustiz sei strafbar und dafür habe es auch keinen Anlass gegeben, so der Richter in der Urteilsbegründung. Für die junge Frau habe keine akute Notsituation geherrscht. Man hätte nach Ansicht des Gerichts die Polizei rufen können.

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