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Golftrainer Julian Albers hat vor allem für Anfänger wichtige Tipps parat.

Mit Fotostrecke

Entdeckungstour über den Golfplatz in Frohlinde

FROHLINDE - 130 Hektar, 27 Löcher, ein hübsches Clubhaus und ein weiteres, das einst ein Schweinestall war – der Golfplatz in Frohlinde hat eine Menge zu bieten. Zwischen Bunkern, Teichen und Greens steckt auch eine ganz besondere Historie. Wir haben eine Tour über den Platz gemacht und viele Fotos mitgebracht.

„Ich bin hier so etwas wie der Märchenerzähler“, sagt Hans Kley, nachdem er es sich im Clubhaus gemütlich gemacht hat. Der 91-Jährige ist Gründungsmitglied des „Golfclub Castrop-Rauxel e.V. in Frohlinde“. Seine „Märchen“ sind allerdings wahre Begebenheiten. Zum 25. Geburtstag des Clubs hat Kley im Jahr 2012 eine Vereinschronik verfasst. Kein kleines Heftchen, sondern ein Buch mit 387 Seiten. Zwei Jahre hat er dafür gebraucht: „Ich hatte damals das Gefühl, dass viele Dinge allmählich in Vergessenheit geraten. Deswegen habe ich das Buch geschrieben.“

Dass der Golfplatz überhaupt entstand, erforderte viel Überzeugungsarbeit

Wenn es um die Anfänge des Golfclubs geht, muss Kley gar nicht erst ins Buch schauen. Elisabeth Grümer habe Mitte der 1980er-Jahre die Idee für den Frohlinder Golfplatz gehabt. Castrop-Rauxel habe damals noch unter einer industriellen Dunstglocke gelegen – bedingt durch die Bergbauvergangenheit. „Die Natur in Frohlinde hielt für den Golfsport ein Geschenk parat. Die landschaftlichen Voraussetzungen für einen Golfplatz waren ideal“, erklärt Kley. Auf Begeisterung sei die Idee allerdings nicht überall gestoßen. Verschwendung habe man ihnen vorgeworfen: zu viel Land für zu wenige Leute. Und dann auch noch ein solch schwerer Eingriff in die Natur...

Nachdem mehrere Landwirte – die Grundstückseigentümer – überzeugt werden konnten, folgte am 3. Januar 1987 die Clubgründung – und jede Menge Arbeit. Denn für den provisorischen Spielbetrieb mussten Kley und seine Mitstreiter zunächst das in einer Scheune beheimatete Vieh umsiedeln. „Unter dem Protestgegacker der Hühner“, wie Kley erklärt. Auf der neben der Scheune geplanten Driving-Range konnte man die Tiere nun mal nicht gebrauchen.

Auch der Rat der Stadt lenkte schließlich ein und gab grünes Licht für den Spatenstich zur 18-Loch-Golfanlage am 29. Juni 1988. Knapp zwei Jahre später – am 15. September 1990 – wurde der Platz eröffnet und 2004 um einen weiteren Neun-Loch-Platz – den C-Kurs – ergänzt.

Greenkeeper mit Sieben-Tage-Job

Der heutige Chef-Greenkeeper Roman Vierhaus kann sich noch gut an den Bau des Kurses erinnern. „Ich bin ja praktisch mit dem Golfplatz aufgewachsen. Wir haben da richtig Erde bewegt“, sagt der 30-Jährige. Vierhaus lebte bereits zu dieser Zeit direkt neben der Baustelle. Der Platz entstand schließlich auf dem Grundstück seiner Eltern. Deren Landwirtschaftsbetrieb führt Vierhaus auch heute noch weiter – neben seinem Job als Greenkeeper. Und das ist für ihn und sein sechsköpfiges Team eigentlich schon ein Sieben-Tage-Job.

„Das ist nämlich mehr als nur Rasenmähen. Da gibt es schon eine Menge zu beachten. Und man braucht auch ein Händchen dafür“, sagt der studierte Landwirt. 80 Prozent der Arbeitszeit gingen allein für die Pflege der Greens drauf.

Mit dem Golfcart über den Platz

Zeit für eine Tour über den Platz – mit dem Golfcart und Clubmitglied Karl-Heinz Platzek. Erster Halt: Kurs B, Bahn 1 (kurz „B1“ genannt). Golftrainer Julian Albers steht dort gerade am Abschlag und erklärt, worauf man dabei achten sollte: Eine gute Körperhaltung sei wichtig. Und nicht zuviel Kraft in den Schlag legen. „Das machen viele anfangs falsch“, sagt Albers, der den Ball mit dem Driver gut 260 Meter weiter schlägt.

Die richtige Griffhaltung dürfe man natürlich auch nicht vergessen: „Da kann man theoretisch so weit in die Tiefe gehen, dass man ganze Seminare halten könnte.“ Dafür ist gerade keine Zeit. Es geht wieder aufs Golfcart – und weiter zur B4.

300 Meter Entfernung sind es hier vom Abschlag bis zum Loch. Um die Fahne zu erkennen, benötigt man schon Adleraugen. Platzek schnappt sich ein 5er Holz.

Golfbälle werden maschinell eingesammelt

„Manche würden hier ein Eisen nehmen. Damit schlägt man aber nicht ganz so weit“, sagt er. Er will mit dem ersten Schlag vor dem an das Wasserhindernis grenzenden Bunker landen. Das klappt. Genauso wie der nächste Schlag, mit dem er den Ball direkt aufs Green bringt. „Das läuft ja heute“, sagt Platzek. Beim Putten hapert es auf der Par-4-Bahn dann allerdings doch etwas. Erst beim fünften Schlag kullert der Ball ins Loch. Ein Schlag über Par – ein Bogey, den Platzek „bei jedem Turnier so nehmen würde“, wie er schmunzelnd zugibt.

Weil es inzwischen bereits dunkel geworden ist, macht sich Platzek auf den Weg zurück zum neuen Clubhaus – vorbei am alten Pendant und an der hübschen Driving Range, wo um diese Uhrzeit bereits mehrere Hundert Bälle verteilt liegen. Die werden natürlich später maschinell eingesammelt. Bis 6.30 Uhr am Morgen muss hier alles wieder aufgeräumt sein. Denn dann stehen bereits die ersten Golfer wieder auf dem Platz in Frohlinde.

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