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Am Landgericht Dortmund haben die Verteidiger einen neuen Antrag verlesen.

Landgericht Dortmund

Mordfall Schalla: Die Verteidiger des Angeklagten haben jetzt eine neue Strategie

Im Prozess um den Mord an Nicole-Denise Schalla lässt das Urteil weiter auf sich warten. Grund ist ein neuer Antrag der Verteidigung.

Der Angeklagte Ralf H. aus Castrop-Rauxel ist ein vielfach vorbestrafter Gewalttäter. Das sieht jeder, der einen Blick in seine Vorstrafenakten wirft. Im März 1999 ordnete das Amtsgericht Werl deshalb an, dass dem Mann Körperzellen entnommen werden sollten, um seine DNA ermitteln und speichern lassen zu können. Es bestehe die Erwartung weiterer schwerer Straftaten, heißt es in dem damaligen Beschluss. Nur dieser Anordnung ist es zu verdanken, dass 2018 neue Bewegung in den Mordfall Schalla kam.

Die damals 16 Jahre alte Schülerin war im Herbst 1993 auf dem Heimweg im Jungferntal erwürgt worden. Lange Zeit tappte die Polizei bei der Suche nach dem Täter im Dunkeln. Bis schließlich im Sommer 2018 eine an der Leiche gesicherte alte DNA-Spur doch noch ausgewertet werden konnte. Die Spur führte zu Ralf H., dem Gewalttäter. Der heute 54-Jährige bestreitet jedoch, etwas mit dem Mord zu tun zu haben.

"Der Haftbefehl ist aufzuheben"

Und seine Verteidiger Christian Dreier und Gencer Demir fahren seit Montag nun auch noch eine andere Strategie. Die Entnahme der Körperzellen im März 1999 sei rechtswidrig gewesen, hieß es in einem Antrag, den Dreier verlas. Denn die Anordnung sei nicht als Folge einer „erheblichen Straftat“ von Ralf H. getroffen worden.

Zur Einordnung: H. saß zu diesem Zeitpunkt eine Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten ab, die er wegen gefährlicher Körperverletzung bekommen hatte. Weil die DNA niemals hätte entnommen werden dürfen, sei auch alles, was in der Folgezeit mit dem Spurenmuster passiert sei, rechtswidrig, sagen die Verteidiger jetzt. Den Clou hatte sich Dreier für den Schluss seines Antrags aufgespart. Wegen des „Beweisverwertungsverbots“ für die DNA-Spur gebe es keinen Grund mehr, den Angeklagten weiter einzusperren: „Der Haftbefehl ist aufzuheben.“

Wie die Richter mit dem Antrag umgehen, steht noch nicht fest. Sicher ist nur, dass die Worte Dreiers die geplanten Plädoyers und auch den gesetzten Zeitplan bis zur Urteilsverkündung zerstörten. Nunmehr soll frühestens am 8. November mit den Plädoyers begonnen werden.

Martin von Braunschweig

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