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Die Stadt will den Grutholzteich verlanden lassen. Enten und andere Wildvögel müssten sich nach einem neuen Lebensraum umsuchen.

Entschlammung zu teuer

Stadt: Der Rauxeler Grutholzteich soll verlanden

RAUXEL - Schlechte Nachrichten rund um den Grutholzteich: Das Gewässer, das vielen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum bietet, ist kaum mehr zu retten. Zu groß ist die Schlammmenge am Grund, zu belastet das Wasser, zu teuer eine Aufbereitung. Die Stadt Castrop-Rauxel musste schweren Herzens eine Entscheidung treffen.

Der Grutholzteich nahe des Wildgeheges ist ein idyllischer Ort. Haubentaucher und Eisvögel kann man dort beobachten. Im Wasser tummeln sich Hechte, Karpfen und andere Fische. Die Pflanzenvielfalt lässt kaum Wünsche offen. Doch mit der Schönheit könnte es bald vorbei sein. Der Teich ist inzwischen so verschlammt, dass er lediglich noch gut einen Meter tief ist. Die Stadt sieht keine Möglichkeit, den Teich zu retten – auch aus Kostengründen.

„Wir wollten den Teich schon vor fünf oder sechs Jahren entschlammen lassen. Die Stadt hat damals Proben genommen und gesagt, das Gewässer sei zu sehr von Schadstoffen belastet“, erklärt Heinz Czayka, Vorstandsmitglied der DoCas-Blinker. Der Verein hegt und pflegt seit vielen Jahren mehrere Gewässer in Castrop-Rauxel – unter anderem den Gondelteich, das Rennbahn-Biotop und den Castroper Bach. Und eben auch den Grutholzteich.

Sprengstoffreste im Bereich des Grutholzteichs

Die DoCas-Blinker halten das Gewässer sauber, räumen den Müll weg, verscheuchen Wildangler und kontrollieren den Fischbestand. Um Wassermenge und -qualität zu verbessern, errichteten die Vereinsmitglieder einen neuen Überlauf. Doch der reicht längst nicht mehr aus. Erst 2015 musste der Verein in dem kleinen Gewässer zusammen mit dem Landesfischereiverband wegen des Fischsterbens abfischen und die Tiere in den Gondelteich umsetzen.

Grund war neben der schlechten Wasserqualität starker Regen, dem der Teich nicht mehr gewachsen war. Dass der Grutholzteich kein Luxusgewässer ist, war allerdings schon vorher klar. Denn der ehemalige Löschteich der Sprengstoff-Fabrik Dynamit Nobel hatte die ein oder andere Überraschung parat, darunter – naheliegenderweise – auch Sprengstoffreste.

Entschlammung würde mindestens 175.000 Euro kosten

Trotzdem ist der Grutholzteich wichtig – und zwar nicht nur für die Tiere, wie Czayka erklärt. Der Teich diene immer noch als eine Art Auffangbecken, wenn bei Regen das Wasser den Hügel herunterlaufe. Eine Entschlammung wäre also gleich in zweifacher Hinsicht sinnvoll. „Aber das ist auch eine kostspielige Sache“, sagt Czayka. Ein sechsstelliger Betrag sei dazu wahrscheinlich nötig – deutlich zu viel für die DoCas-Blinker.

Und auch für die Stadt, wie Pressesprecherin Maresa Hilleringmann auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte. Mindestens 175.000 Euro wären allein für die Entschlammung und Entsorgung des Bodens nötig – aber auch nur, wenn man diesen auf einer nahen landwirtschaftlichen Ackerfläche aufbringen könnte.

Die Untersuchung der Seesedimente habe allerdings ergeben, dass die dazu notwendigen Grenzwerte für Cadmium, Blei, Kupfer und Zink überschritten werden. Um den Grutholzteich ökologisch zu optimieren, wären außerdem Gehölzarbeiten, die Anlage von Buchten, das Abflachen und die Bepflanzung der Ufer notwendig.

Verlandung kann durch Stauwehröffnung beschleunigt werden

Eine Verlandung erfolge mit der Zeit von selbst. Beschleunigen könnte man die laut Czayka allerdings durchaus: „Wir öffnen dann das Stauwehr. Das Wasser würde durch den Graben ablaufen. Danach kommt es zur Schilfbildung.“ Die Fische werde man natürlich vorher umsetzen: „Wir haben ja die dafür nötigen Schleppnetze und können die Tiere anschließend auch sicher in ein anderes Gewässer transportieren.“ Die beiden Enten, die uns bei unserem Besuch vor Ort nett begrüßten, müssten sich allerdings selbst ein neues Zuhause suchen.

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