Rettungsaktion auf Schwerin

Verirrter Kauz landete gleich zweimal im Kamin

SCHWERIN - Wenn bei diesen Temperaturen sogar Vögel frieren, dann ist das schon etwas Besonderes. Vor allem, wenn sich die Geschichte so ereignet wie am Sonntagabend: Gleich zwei Mal landete ein Kauz in einem Kamin im Castrop-Rauxeler Stadtteil Schwerin. Die doppelte Befreiung ist eine tierisch kuriose Geschichte.

Ein Kauz im Kamin? Kurzfristig mag Architekt Klaus Winkelmann gedacht haben, er habe den sprichwörtlichen Vogel. Und doch ist die kuriose Geschichte, die sich Sonntagabend auf Schwerin ereignete, wahr.

Aber der Reihe nach: Winkelmann ist es gewohnt, dass im Cottenburgwald hinter seinem Haus allabendlich ein Kauz ruft. „Sonntagabend hörte ich den Kauz in meinem Wohnzimmer direkt an meinem Ohr“, schildert Winkelmann. Und es war kein Hirngespinst, seine Freundin hörte ein Rascheln im geschlossenen Stahlkaminofen. Die Beiden entdeckten darin einen Riesenvogel.

So reagierte Winkelmann:

Was tun? Winkelmann rief die Feuerwehr an, weil sie einen kurzen Draht zum für solche Notfälle zuständigen Ordnungsamt hat. Dort wurde Dieter Wagner alarmiert, der über 30 Jahre in einem Zoo gearbeitet hat - er machte sich sofort auf den Weg. Und er wusste, was zu tun ist. „Mit Routine entließ er den Untermieter in die Freiheit“, berichtet Winkelmann.

Alles super, wenn es eine halbe Stunde später nicht wirklich kurios geworden wäre. Es raschelte erneut, der Kauz ließ wieder einen kurzen Ruf direkt neben dem Architekten hören. Kein Zweifel, das Tier hatte einen zweiten Anlauf genommen. Dieses Mal nahm Winkelmann die Sache selbst in die Hand. „Ich wusste ja jetzt, wie ich es angehen musste“, erklärt er.

Zur Hilfe kamen ihm dann noch Utensilien der Feuerwehr: Winkelmann griff auf die Handschuhe zurück, die ihm sein Sohn nach dessen Ausscheiden aus dem Rettungsdienst überlassen hatte.

Zumindest bis Donnerstagnachmittag ließ sich der Kauz nicht wieder blicken. „Er hat beim zweiten Mal wahrscheinlich festgestellt, dass ich keine Mäuse im Haus habe“, scherzt Winkelmann.

Sein Dank gilt Dieter Wagner für dessen uneigennützigen und spontanen Einsatz. Weil jemand anders krank geworden war, war der 54-Jährige am Sonntagabend eingesprungen.

Warum der Kauz im Kamin saß:

„Der Kauz war voll erwachsen und hat sich eine geschützte Ecke gesucht“, sagte er uns Donnerstag am Telefon. Nur gut, dass gerade kein Feuer im Kaminofen gebrannt habe. An einen ähnlichen Fall mit einem Kauz kann sich Wagner nicht erinnern.

Gewässerwart August Wundrok kennt das Problem aber. „Egal ob Dohlen, Elstern, Krähen oder andere Vögel, sie setzen sich gerne auf einen Kamin und wärmen sich den Hintern,“ so Wundrok. Als er vor vielen Jahren noch Steiger auf Victor 3/4 war, hätten die Bergleute im Schacht 4 selbst in 790 Metern Tiefe Falken in der Wärme sitzen gehabt. Auch den Vögeln sei es halt manchmal kalt.

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